Porträtbild von Eckhard Brockhoff
Eckhard Brockhoff (Quelle: Brockhoff GmbH)

Unternehmen & Köpfe

29. July 2022 | Teilen auf:

"Einfach abschließen wollte ich nie"

immobilienmanager sprach mit Eckhard Brockhoff, der sein Makler-Unternehmen Ende vergangenen Jahres zur Nachfolge in die Hände des österreichischen Konzerns Soravia gegeben hat.

Sie haben Ihre Unternehmensübergabe von langer Hand geplant – aber nicht immer als Übernahme durch einen externen Konzern. 2014 waren Ihre Töchter Kristina und Sonja noch Teil des Unternehmens. Damals planten Sie eine Übergabe innerhalb der Familie, oder?

Eckhard Brockhoff: Das ist richtig. Ich hatte mich gefreut, dass meine Tochter Sonja nach einer Banklehre ein Studium an der EBZ Business School erfolgreich abgeschlossen hat. Dann ist sie zu uns in die Firma gekommen und hat sich gut eingearbeitet. Leider konnte sie dies nicht aufrechterhalten, als sie ihre Familie gründete und sich auf diese konzentrieren wollte. Außerdem verwaltet sie die ihr gehörenden Immobilien. Ich habe sehr früh Vorsorge getroffen und Immobilien auf meine Kinder übertragen.

Und Ihre andere Tochter?

Eckhard Brockhoff: Meine Tochter Kristina studierte Business Communications. Danach hat sie bei uns gejobbt und anschließend erst ein einjähriges Immobilienstudium an der EBS European Business School absolviert und dann das große Studium drangehangen. Dafür war sie in Regensburg und im Ausland. Daraufhin ist sie zu uns gekommen und hat sich hochgearbeitet. Sie leitete zum Schluss den wichtigen Bereich der Bürovermietung. Doch auch sie wollte sich schwerpunktmäßig um ihre Familie und die eigenen Immobilien kümmern. Meine Töchter bauen auch, gerade wird eine Wohnanlage fertig. Das heißt, sie sind schon noch aktiv, aber nicht mehr für die Firma, sondern nur noch für ihr eigenes Family Office.

Das Family Office Brockhoff Family Invest gibt es aber noch?

Eckhard Brockhoff: Das ist ein Zusammenschluss. Meine Frau, von der ich getrennt lebe, hat auch sehr viele Immobilien, um die sie sich kümmert. Auch ich habe noch einige Immobilien, um die sich drei Verwaltungsgesellschaften kümmern, die ich beaufsichtige. Dies wird auch ein Betätigungsfeld bleiben, wenn ich mich zur Ruhe setze: ab und zu mal was bauen oder mich an einer Projektentwicklung beteiligen.

Wann war Ihnen klar, dass eine Unternehmensübergabe innerhalb der Familie nicht möglich ist?

Eckhard Brockhoff: Nach der Geburt der jeweils zweiten Kinder meiner Töchter. Da haben sie mir ganz ehrlich gesagt: „Du, wir wollen und können das nicht.“ Das ist jetzt etwa vier Jahre her. Meine Frau hat Ähnliches geäußert und mein Sohn ist gerade erst zwölf geworden.Da habe ich mir gedacht: „Irgendwas muss du machen.“ Als erstes habe ich innerhalb der Firma gesucht. Julia Winteroth, Mit-Geschäftsführerin, hatte Interesse, aber nur für eine kleinere Beteiligung. Anderen macht eher das Makeln Spaß. Makler sind nicht immer Unternehmer und haben keine Lust, sich um Leasingverträge und Computer zu kümmern. Dann habe ich Gespräche geführt mit großen nationalen und internationalen Makler-Ketten. Das habe ich schnell abgebrochen, als ich merkte, dass die Kulturen nicht zusammenpassen.

Nachdem Sie mit den Großen gesprochen hatten und es nicht passte, was dann?

Eckhard Brockhoff: Zu meinem 60. Geburtstag wollte ich mir eine Wohnung in Wien kaufen. Darüber habe ich den Kontakt zu Soravia bekommen, weil sie das Gebäude umgebaut hatten. Daraus sind Freundschaften entstanden und auch die ersten Geschäfte, nachdem man bei einem Glas Wein darüber plauderte, dass Soravia mehr in Deutschland investieren wollte. Ich habe ihnen den Tengelmann-Campus in Mülheim an der Ruhr verkauft. Dabei haben sie unsere Arbeit beobachtet. Schließlich kam dann die Frage auf: „Wie lange willst Du das denn noch machen?“ Und ich meinte, „naja ich bin jetzt 64, mit 70 soll dann Schluss sein“.

Da kam das Angebot, sich zu beteiligen. Soravia macht in Österreich bereits sehr viel, und sie wollen das jetzt auf Deutschland übertragen. Dafür kaufen sie hier gerade Firmen auf, zum Beispiel Capera. So habe ich dann mit ihnen einen sehr fairen Vertrag geschlossen: Soravia hat jetzt 41 Prozent meines Unternehmens gekauft, wenn ich aufhöre, werden sie weitere 34 Prozent übernehmen. Fünf Prozent hält dann Julia Winteroth und 20 Prozent will ich in eine Stiftung einbringen. Aber noch mache ich ein paar Jahre weiter, ich fühle mich fit, und es macht mir Spaß.

Brockhoff wird also in der Service-Sparte Adomo bei Soravia eingegliedert?

Eckhard Brockhoff: Die Beteiligungen macht Soravia über Adomo. Julia Winteroth hat kürzlich erst an einer Adomo-Veranstaltung teilgenommen. Ihre Aufgabe ist es, den Kontakt zu Soravia zu halten.

Beteiligt sich auch der dritte Geschäftsführer Oliver Rottmann am Unternehmen?

Eckhard Brockhoff: Er bleibt als Geschäftsführer, beteiligt sich aber nicht. Er ist für Investment-Themen tätig.

Kommt von Soravia jemand als weiterer Geschäftsführer ins Unternehmen?

Eckhard Brockhoff: Nein, gar nicht. Soravia zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Unternehmen weiterlaufen lassen. Aber sie kommen uns regelmäßig besuchen und nehmen auch an Firmenfeiern teil. Sie legen Wert darauf, Kontakt zu den Mitarbeitern zu haben. Das ist eine fantastische Zusammenarbeit, bisher habe ich nichts bereut – und sie, glaube ich, auch nicht.

Wie sieht die weitere Strategie von Soravia für Brockhoff aus? Soll Ihr Tätigkeitsbereich zum Beispiel ausgeweitet werden?

Eckhard Brockhoff: Darüber sprechen wir derzeit nicht. Aber ich weiß, dass Soravia Interesse hat, in Deutschland weitere Gesellschaften zu kaufen. Sie wollen alles rund um die Immobilie anbieten. Schwerpunkte sind das Ruhrgebiet und der norddeutsche Raum.

Wie glücklich sind Sie mit dieser Lösung? Wäre Ihnen eine Übergabe in der Familie lieber gewesen?

Eckhard Brockhoff: Ich hätte mich gefreut, wenn es in der Familie geblieben wäre. Aber ich freue mich auch, wie gut meine Enkelkinder betreut werden und meine Töchter sich weiterhin mit ihren Immobilien beschäftigen. Mein Sohn ist jetzt zwölf. Dass ich ihn mit dem Krückstock rumlaufend einarbeite – nein, darauf kann ich nicht warten. Sein Berufswunsch ändert sich auch ständig: mal Rennfahrer, mal Rapper. Daher kann ich mit der Situation gut leben. Mit Soravia haben wir nette und klar strategisch denkende Partner gefunden, deren Ziele mit meinen übereinstimmen.

Andere Unternehmen haben große Schwierigkeiten ihre Nachfolge zu regeln. Wie schwer fanden Sie es, bevor Sie die aktuelle Lösung gefunden haben?

Eckhard Brockhoff: Für mein Portemonnaie wäre es das beste gewesen, an einen großen Konzern zu verkaufen. Es gab einige, die angeklopft haben. Aber ich wollte nicht in solch einem Konzern verschwinden.

Das hatten Sie also früh ausgeschlossen. Welche Überlegungen leiteten Sie, bevor dann Soravia auf den Plan trat?

Eckhard Brockhoff: Ich habe nie Panik bekommen, weil wir sehr erfolgreich sind. Aber ich wollte, dass der Spirit bleibt, wie er ist. Aber man muss auch sagen: Der Unternehmenswert ist Teil meiner Rente. Einfach abschließen wollte ich nie, aber das ging ja auch gar nicht. Dafür habe ich zu viel Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.

Hat sich an Ihrem Arbeitsalltag jetzt etwas geändert?

Eckhard Brockhoff: Ich habe eine andere Arbeits- und Urlaubsregelung als zuvor, aber meine Disziplin und der Ehrgeiz treiben mich noch fast jeden Tag in Büro. Doch ich habe mehr Freiräume.

Das Gespräch führte Bianca Diehl.

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zuletzt editiert am 29.07.2022