Die Expo Real öffnet sich für Infrastruktur. Michael Henn analysiert, welche Segmente die Messe bereits abbildet – und welche bislang kaum vertreten sind.
Die Expo kommt, aber diesmal als „internationale Fachmesse für Immobilien, Investitionen und Infrastruktur“. Die Erweiterung ist längst überfällig, denn Infrastruktur ist als Assetklasse etabliert und in den Investorenfokus gerückt. Zudem verschwimmen in vielen Segmenten auch inhaltlich die Grenzen zu Immobilien: Sind Rechenzentren nun Immobilien oder Infrastruktur? Für beide Sichtweisen gibt es Argumente. Oder keine Seite kommt ohne die andere aus: Gebäude benötigen eine smarte Energieversorgung, und soziale Infrastruktur findet fast immer in Gebäuden statt.
Es ist daher zunächst einmal begrüßenswert, dass die Messe München nur das nachvollzieht, was sich auch bei einem Großteil ihrer Zielgruppe bereits seit einigen Jahren immer mehr beobachten lässt: Viele Immobilienmarktteilnehmer widmen sich zunehmend auch dem Thema Infrastruktur, seien es institutionelle Investoren, Asset- und Investment-Manager, Projektentwickler, Finanzierer oder Dienstleister jedweder Art. Das gilt auch für Kommunen und Stadtwerke. Wenn sie sich ohnehin beiden Themen widmen, warum sollten sie sich dann auf unterschiedlichen Veranstaltungen begegnen?
Dass diese strategische Weiterentwicklung der Expo Real in eine Phase fällt, in der sich die Immobilienmärkte neu orientieren und Infrastruktur als attraktive Ergänzung an Bedeutung gewinnt, unterstreicht den richtigen Zeitpunkt für diesen Schritt.
Der Infrastrukturbegriff bleibt eng
Schaut man genauer auf die angekündigten Schwerpunkte und auf das Ausstellerverzeichnis, zeigt sich allerdings: Infrastruktur wird auf der Expo Real vor allem dort sichtbar, wo sie eng mit Immobilien verbunden ist. Das ist verständlich, lässt den Begriff aber enger erscheinen, als es die Assetklasse eigentlich nahelegt. Die vier thematischen Oberbegriffe der Expo lauten Energieinfrastruktur, digitale Infrastruktur, soziale Infrastruktur sowie Transport und Verkehr.
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Sehr deutlich wird diese Beobachtung bereits bei der Energieinfrastruktur. Wind- und Solarparks, Netze und Speicher gehören zwar ausdrücklich zum Programm. Unter den angebotenen Lösungen dominieren jedoch Themen, die unmittelbar an Gebäuden, Arealen oder Quartieren ansetzen: intelligente Messsysteme, Energie- und Lastmanagement, Wärmeversorgung, Ladepunkte, Gebäudeautomation oder die datenbasierte Optimierung des Verbrauchs.
Die Infrastruktur dient hier meist dazu, Immobilien effizienter, klimaverträglicher und wirtschaftlicher zu betreiben. Reine Projektentwickler von Photovoltaikparks oder Windenergieanlagen sind praktisch nicht zu finden.
Soziale Infrastruktur bleibt immobiliennah
Bei sozialer Infrastruktur ist die Verwandtschaft zur Immobilienwirtschaft offensichtlich: Sie findet fast immer in Gebäuden statt. Schulen, Kindergärten, Kliniken oder Feuerwachen sind zweifellos Teil der Daseinsvorsorge. Doch investiert wird folglich regelmäßig in Gebäude, wenn auch ergänzt um langfristige Betreiber- und Nutzungskonzepte. Die Nähe zur klassischen Immobilienanlage ist offensichtlich.
Digitale Infrastruktur kann durchaus einen Übergangsbereich bilden. Rechenzentren verbinden Grundstück, Gebäude und technische Anlagen mit einer leistungsfähigen Strom- und Datenanbindung. Mobilfunkmasten sind ebenfalls standortgebunden, wirtschaftlich aber vor allem durch ihre Funktion im Kommunikationsnetz geprägt.
Solche Assets zeigen, warum die Grenzen zwischen Immobilien und Infrastruktur tatsächlich mitunter verschwimmen. Sie erklären zugleich, weshalb sie auf einer Immobilienmesse besonders anschlussfähig sind.
Auch beim Thema Mobilität zeigt sich der immobiliennahe Blick der Expo Real. Bei diesem wichtigen Infrastruktursegment bleibt der Messefokus im Wesentlichen auf Parkraumbewirtschaftung, Ladeinfrastruktur und die Erschließung von Standorten gerichtet. Andere Teile der Verkehrsinfrastruktur treten dagegen kaum als eigenständige Themen auf. Dazu zählen Schienen und Straßen, der Betrieb von Häfen und Flughäfen, aber auch mobile Infrastruktur-Assets wie Schienenfahrzeuge.
Noch keine umfassende Infrastrukturmesse
Vielleicht ist auch genau das gewollt. Die Expo Real behauptet nicht, die gesamte Infrastrukturwirtschaft auf Anhieb abzubilden – das wäre auch beim ersten Aufschlag vermessen. Ihre Erweiterung folgt folgerichtig den bestehenden Zielgruppen und Kompetenzen.
Gerade deshalb macht sie sichtbar, wie eng Immobilien und Infrastruktur inzwischen verzahnt sind, sowohl was die Themen als auch die Akteure betrifft. Und wer sagt denn, dass die Entwicklung an dieser Schnittstelle enden muss?
Die Expo Real öffnet ihr Konzept in die richtige Richtung. Das ist gut und nur konsequent. Zunächst bleibt sie dabei aber erkennbar eine Immobilienmesse, die für sie relevante Infrastruktur hinzunimmt – und, vielleicht auch bewusst, noch keine umfassende Messe für die Assetklasse Infrastruktur.
