OWP12 von außen
Die Außenfassade des Plusenergiehauses OWP12 von Drees & Sommer. (Quelle: André Eberhard)

Projekte 2023-08-30T10:19:15.797Z OWP12: Blaupause für nachhaltiges Bauen

Mit dem OWP12 sicherte sich Dreso den imAward 2023 für den besten Neubau. André Eberhard war vor Ort, um sich das Objekt selbst anzusehen.

Es ist ein langer Weg, den man derzeit nicht nur am Stuttgarter Hauptbahnhof gehen muss, um aus dem noch existierenden Bahnhofsgebäude zu den Taxis zu kommen. Auch wenn ich eigentlich lieber den öffentlichen Nahverkehr nutze, ist das, um zum Hauptquartier von Drees & Sommer zu kommen, derzeit noch fast unmöglich. Also rein ins Taxi und gute 40 Euro später steht man vor ihm – dem Gewinnerobjekt des immobilienmanager-Awards 2023 der Kategorie Neubau.

Eine architektonische Schönheit ist das Objekt nicht, und trotzdem ist es eines der wenigen Plusenergiehäuser. Auf vier Etagen schlägt hier das Herz von Drees & Sommer, dabei sind im Gebäude selbst nur um die 120 Mitarbeiter von insgesamt knapp 5.000 untergebracht. Die relativ simpel wirkende Fassade wird unterbrochen von einer neu entwickelten Gebäudebepflanzung, die durch seine natürliche Kühlung dafür sorgt, dass es hinter diesem Gebäudebereich sechs Grad kühler ist.

Smartphone als Schlüssel

Doch nicht nur die eigens entwickelten Bepflanzungen, die man übrigens auf der Nordseite des Objektes auf circa 100 Quadratmetern Fläche findet, sind einzigartig am Objekt mit der namensgebenden Adresse Obere Waldplätze 12. Auch die Fassadenstruktur wurde völlig neu entwickelt und kann recycelt werden. Dabei ist sie deutlich dünner als herkömmliche Fassadenlösungen. Auf der Südseite hat man dem Objekt eine ganze Reihe von Photovoltaiklösungen untergebracht. Ein Mix aus in Glaselementen untergebrachter Solarpaneele und in den normalen Fassadenelementen eingelassene Photovoltaik lösen sich ab. Dem Betrachter fallen diese Elemente allerdings erst bei genauem Hinsehen auf. Insgesamt 250 kWp Strom erzeugt das Gebäude. Hinzu kommen Erd- und Luftwärme-Pumpen.

Dabei hat die Südseite noch eine weitere Besonderheit. Sie steht viel Dichter an der direkt dahinterliegenden, vierspurigen Schnellstraße B31 als man denkt. Von innen hört man davon allerdings nichts. Selbst, wenn man dicht vor den Fenstern im Innenraum steht, bleibt der Lärm von draußen dort, wo er entstanden ist.

Effizient, so könnte man das Gebäude beschreiben. Die Flächen sind nach neuesten Arbeitsweisen gestaltet. Über eine App lassen sich Arbeitsplätze buchen oder auch das Licht regulieren. Gleichzeitig hat kein Mitarbeiter mehr einen Schlüssel fürs Objekt. Das braucht es auch nicht mehr, schließlich gewährt das Smartphone jedes Mitarbeiters Einlass ins Gebäude, in dem im Erdgeschoss eine geräumige Cafeteria inklusive Außenflächen untergebracht ist.

Nachhaltiger Charakter

Auch beim Bau hat man auf Effizienz gesetzt. So sind beispielsweise alle Deckenmodule, in denen alle Leitungen untergebracht sind, quasi am Fließband produziert worden. So war es nicht mehr notwendig, dass einzelne Gewerke auf der Baustelle angefertigt werden mussten. Dabei war es gar nicht so leicht in der Industrie Partner für die Ideenwelt von Drees & Sommer zu finden. "Wir waren erstaunt, wie schwer es war, industrielle Partner von unseren Ideen in punkto Nachhaltigkeit zu überzeugen", erklärt Dreso-CEO Steffen Szeidl.

Innenaufnahme OWP12
Blick ins Gebäudeinnere. (Quelle: André Eberhard)

Nachhaltig. So ist bei Drees & Sommer nicht nur das Speisenangebot. Auch bei der Getränkeversorgung verzichtet man auch Einmalverpackungen, Plastik oder andere Wegwerfartikel. Das Wasser kommt frisch gekühlt aus dem Zapfhahn und wird in Gläser abgefüllt. "Auch wenn die aufwendige Einrichtung einer solchen Anlage nicht ganz günstig ist, hat sie sich innerhalb von zwei Jahren gerechnet", argumentiert Szeidl bei unserer exklusiven Gebäudebesichtigung.

Doch nicht nur in der Cafeteria setzt man auch Nachhaltigkeit. Alle Baustoffe, die verbaut wurden, wurden auf ihre Herkunft geprüft, sind recyclingfähig oder trennbar und unterstreichen so den nachhaltigen Charakter.

Eigene Buslinie zum S-Bahnhof

Das OWP12 wird das Herzstück eines ganzen Drees & Sommer Campus werden, zu dem diverse Objekte im Südwesten der schwäbischen Metropole gehören. 7.500 Quadratmeter BGF sind so entstanden. Dabei hätte Drees & Sommer gern auch weniger Fläche umgesetzt. Die Stadt allerdings zwang die Schwaben zur Aufstockung einer weiteren Etage. 22 Millionen Euro kostete das Objekt bezogen auf die Kostengruppen 100 bis 700, also vom Grundstück bis zu den Baunebenkosten bei einer Bauzeit von zwei Jahren.

Blaupause für nachhaltiges Bauen – so bezeichnet Drees & Sommer selbst sein Objekt in Stuttgart, von dem man übrigens aus der obersten Etage einen tollen Blick in den Talkessel Stuttgarts hat. Einzig die Anbindung ist problematisch. Das Unternehmen hatte für seine Mitarbeiter sogar eine eigene Buslinie zum S-Bahnhof Vaihingen eingerichtet. "Das soll sich zukünftig ändern", verspricht Szeidl. Doch nicht nur am Neubau des OWP12 will Drees & Sommer zeigen, was in punkto Nachhaltigkeit möglich und auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Auch das alte Nachbargebäude, das ehemals Heimat einer Druckerei war, gehört mittlerweile zum Bestand von Drees & Sommer, die durch einige wenige Maßnahmen dem Objekt neues Leben eingehaucht haben und so den Lebenszyklus maßgeblich verlängern konnten. Heute sind in einer Open-Space-Atmosphäre zahlreiche weitere Mitarbeiter untergebracht, die mittlerweile sogar lieber im Bestandsgebäude arbeiten – der industriellen Atmosphäre sei Dank.

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zuletzt editiert am 30. August 2023
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