hans-sommer
Zum 30-jährigen Bestehen von immobilienmanager hat Irmelin Ehrig mit Prof. Hans Sommer von Drees & Sommer gesprochen, der die Immobilienbranche seit rund 50 Jahren begleitet. (Bild: Drees & Sommer)

Magazin

28. May 2021 | Teilen auf:

Interview: Die Zeitreise der Immobilienwirtschaft

30 Jahre immobilienmanager! Unsere Jubiläumsausgabe 6-2021 reflektiert die Historie von Bau- und Immobilienwirtschaft. War sie innovativ? Was bringt die Zukunft? Prof. Hans Sommer (Drees & Sommer) gibt erste Einblicke.

Zum 30-jährigen Bestehen von immobilienmanager hat Irmelin Ehrig mit Prof. Hans Sommer von Drees & Sommer gesprochen, der die Immobilienbranche seit rund 50 Jahren begleitet. (Bild: Drees & Sommer)

Herr Professor Sommer, Sie begleiten die Entwicklung der Branche seit rund 50 Jahren und haben viel „Auf und Ab“ miterlebt. Was hat sich verändert?

Die Branche hat in den letzten 50 Jahren mehrere Phasen durchlaufen: vor allem schnell und günstig sollte es ab den 1960er-Jahren sein, in denen auch die Leistung Projektsteuerung entstanden ist. Funktionale Arbeitswelten und wirtschaftlicher Betrieb stand ab den 1980er-Jahren im Fokus. Ab 1995 begann die Ära der Green Buildings mit reduziertem Energieverbrauch und entsprechender Zertifizierung.
Aktuell sind wir schließlich in der Phase der Digitalisierung und Modularisierung sowie der Planung mit BIM. Modularisierung und Standardisierung sind die Grundlage des Entwurfs, der dadurch deutlich vereinfacht wird. Dabei soll die Planung dem Architekturanspruch und den Kundenwünschen flexibel gerecht werden. Eng damit verknüpft ist das Denken in Stoffkreisläufen, um die graue Energie bei der Erstellung von Gebäuden zu reduzieren – Einsparungen bis zu 50 Prozent des Energieverbrauchs über die gesamte Lebensdauer sind möglich.

Und wie war es früher?

Bei meinen Anfängen vor 50 Jahren arbeiteten wir noch mit Rechenschieber und später mit elektrischen Tischrechnern. Entwürfe wurden noch per Hand gezeichnet und als ‚Blaupausen‘ vervielfältigt. Gebäude galten als Unikate, und die Immobilienmakler und -verwalter auf der einen sowie das Bauwesen auf der anderen Seite waren strikt voneinander getrennt.
Ab Anfang der 1990er Jahre verstärkte unter anderem die zunehmende Digitalisierung in Verbindung mit den neuen Medien die Vernetzung der Bau- und Immobilienwirtschaft. Und immer mehr große Unternehmen wie zum Beispiel IBM ließen ihre Gebäude von Investoren erstellen und mieteten diese an, anstatt sie selbst zu bauen.
So entstand die Immobilienwirtschaft, wie wir sie heute kennen, und an der Schnittstelle zwischen Immobilien- und Bauwirtschaft das Berufsbild der Projektentwickler. Die 1990 gegründete Mipim und der Mauerfall haben zudem maßgeblich dazu beigetragen, dass in Deutschland ein Richtungswechsel passierte. Wir befanden uns plötzlich in der Welt von Real Estate und internationalen Märkten. Ein riesiger Boom folgte und überall war Goldgräberstimmung…

Wie haben Sie die ersten Immobilienmessen erlebt?

Als Messe kannte man damals nur die Bauma in München für die Bauindustrie. 1994 kam ich im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21, kurz S21, zum ersten Mal auf die Mipim in Cannes, wo es zunächst nur wenige Aussteller gab, darunter meist Engländer und Franzosen. 1995 waren dann vor allem die Städte Stuttgart in Verbindung mit S21 und Berlin mit dem Potsdamer Platz auf der Mipim. Alle waren vom internationalen Austausch begeistert und so entstand 1998 die Expo Real in München.
Sowohl überregional als auch international konnte man so zusammentreffen, sich vernetzen und Geschäfte betreiben. Auch die Sprache internationalisierte sich: Es gab nun Deals statt Immobilienverkäufe, überall sprach man jetzt von Asset-Management oder Due Diligence, große Meetings fanden statt und coole Partys. Und so fanden immer mehr Akteure aus Bau- und Immobilienwirtschaft zusammen. Und bei Drees & Sommer ist aus der Projektsteuerung ein vernetztes Unternehmen für komplette Leistungen in den Bereichen Bauen, Infrastruktur und Real Estate Consulting entstanden.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Ich denke, die Zukunft liegt im hochwertigen industriellen sowie im umwelt- und menschengerechten Bauen. Dadurch, dass Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse einer Immobilie digital antizipiert und gesteuert werden können, lassen sich Gebäude heute besonders nutzergerecht gestalten und betreiben. Und dennoch können wir Gebäude errichten, die städtebaulich wertig und zugleich sehr individuell sind.

Welchen Weg Bau- und Immobilienwirtschaft genommen haben und wo ihre Zukunft liegt, erfahren Sie in der neuen Ausgabe von immobilienmanager, die in der ersten Juniwoche 2021 erscheint.

Dieses Interview wurde außerdem auf dem Fachblog für Bau, Immobilien und Finanzierung (primfo.de) veröffentlicht (Autorin: Irmelin Ehrig).