Gruppe Menschen mit einer Frau im Vordergrund, die die Hand zum Gruß ausstreckt
Bewerberinnen und Bewerber stehen derzeit nicht gerade Schlange bei den Arbeitgebern der Immobilienbranche. (Quelle: Fizkes/istockphoto)

Unternehmen & Köpfe 2022-03-09T08:57:12.698Z Human Resources: Neue Konzepte für die Branche

Die Pandemie war nicht nur der Katalysator für neue Geschäftskonzepte, Arbeitswelten und Nachhaltigkeitsthemen. Sie hat auch offenbart, dass die Immobilienwirtschaft attraktiver werden muss für Young Professionals – nicht nur aus der Immobilienbranche. Von André Eberhard

352 von 801 Berufsgruppen sehen derzeit einen akuten Fachkräftemangel auf sich zu rollen. Besonders betroffen sind dabei, neben dem Gesundheitssektor, vor allem das Handwerk sowie alle mathematischen und IT-Berufe. Der enorme Fachkräftemangel ist laut Bundeswirtschaftsministerium für 50 Prozent aller Unternehmen eine spürbare Bedrohung für deren langfristige Planungen. Trotz zunehmender Professionalisierung muss gerade die Immobilienbranche neue Wege gehen, um nachhaltig Young Professionals zu gewinnen und vor allem an sich zu binden, denn hinzukommt, dass laut Personalentwicklungsstudie der EBZ Business School innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre mehr als 20 Prozent der Führungskräfte in den Ruhestand gehen werden.

Es gibt viel zu tun in der Branche. Digitalisierung, ESG, neue Arbeits- und Lebenskonzepte erfordern jede Menge Kreativität, Ideen, Man- und Womanpower. Spricht man mit Branchenteilnehmern, so wird bei nahezu jedem Gespräch irgendwann Personalgewinnung, -schulung und -bindung zum Thema. Vor allem die Personalbindung ist in der Immobilienbranche oftmals schwierig, so ein Branchenvertreter. Dabei bleiben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung derzeit Arbeitnehmer ihrem Job im Schnitt 10,8 Jahre treu. Experten raten sogar dazu, nach spätestens sieben Jahren über einen Jobwechsel nachzudenken. Das gilt vor allem für schnelllebige Bereiche wie Kommunikation oder IT. Bei Jobs wie Buchhaltern oder Controllern kann das hingegen durchaus anders aussehen.

Offenheit für neue Arbeitswelten

Die Gründe für einen Wunsch nach einem neuen Job können sehr vielfältig sein. Neben dem Drang nach neuen Perspektiven sind das vor allem fehlende Anerkennung, schlechtes Betriebsklima oder aber auch Umstrukturierungen im Unternehmen, denn nicht nur die Arbeits- und Lebenswelten verändern sich, sondern auch die Unternehmen selbst sind derzeit einem enormen Wandlungsdruck ausgesetzt.

Die Pandemie ist somit also Fluch und Segen zugleich. Sie hat nachhaltig dazu geführt, dass selbst konservative Unternehmen sich den neuen Arbeitswelten öffnen müssen; sie beflügelt die Ideenvielfalt bei ESG und Digitalisierung und sorgt letztlich dafür, dass Arbeitnehmer sich durch ihre neu gewonnene Flexibilität auch nachhaltig zum Arbeitgeber bekennen.

Gleichzeitig kann aber gerade das auch ihr Nachteil sein, denn wenn ich von überall und jederzeit arbeiten kann, ist die Identifikation mit dem Arbeitgeber auch in Gefahr, wenn es nicht gelingt, die Unternehmenskultur zu leben. Schließlich ist der Faktor menschliches Miteinander, Austausch mit den Kollegen und Büroalltag auch förderlich für die Loyalität eines Arbeitnehmers. Das Büro der Zukunft muss als sowohl präsent als auch flexibel sein.

Immobilienwirtschaft als beruflicher Gemischtwarenladen

In der Immobilienbranche kommt hinzu, dass zwar seit den 1990er Jahren eine zunehmende Professionalisierung Einzug hält, sie ihr Employer Branding jedoch bisher fahrlässig vernachlässigte. Umfragen im privaten Umfeld nach bekannten Immobilienunternehmen enden meistens bei Vonovia, die man allein aufgrund ihrer Größe und - oftmals negativen - Medienpräsenz kennt. Dass namhafte Industrieunternehmen wie Siemens oder Volkswagen eigene Immobilienabteilungen haben, ist ebenso unbekannt in der breiten Öffentlichkeit, wie auch die Kenntnis, dass die Immobilienbranche über eigene Hochschulen, Berufsausbildungen und Studiengänge verfügt. Die Chance, dass sich gerade junge Menschen heute viel bewusster für ihre spätere berufliche Laufbahn entscheiden, sollte die Branche nutzen.

Dabei ist die Immobilienbranche eigentlich wie ein beruflicher Gemischtwarenladen. Von nahezu jeder Disziplin ist etwas dabei - von Mathematikern über Vertriebler, ITler und Dienstleister. Sie braucht dabei nicht nur Immobilienprofis, sondern ist auch für Quereinsteiger hochinteressant. Es muss ihr nur gelingen, in der Öffentlichkeit als spannender Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, der jeden Tag aktiv daran beteiligt ist, unser gesellschaftliches Bild zu prägen wie kaum eine andere Branche.

Mit einer Themenwoche wollen wir uns in den nächsten Tagen mit Expertenbeiträgen und Best Practices dem so wichtigen Human Resources widmen:

zuletzt editiert am 14. März 2022
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