Außenfassade des C&A-Geschäfts in Nürnberg
Mehrere Mieter statt nur einer: C&A teilt seinen Standort in der Nürnberger City zukünftig mit Edeka im Untergeschoss. (Quelle: Redevco)

Standorte & Märkte

24. June 2022 | Teilen auf:

Frische Ideen

Vor allem Lebensmittel-Anbieter und Gastronomen beleben das Geschehen rund um Einzelhandelsimmobilien. Von Bianca Diehl

„Die Entwicklung der Innenstädte, nicht erst in Zeiten von Corona, ist eine große Herausforderung für die Kommunen. Wir wollen Innenstädte beleben, mehr Raum für Kultur und Begegnung schaffen, Handel und Gastronomie unterstützen“, erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König bei einem Rundgang durch die Altstadt. Dazu hat die Stadt ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept Altstadt (Insek) ins Leben gerufen. Darin findet sich die Zukunftsstrategie für den „Handelsstandort Nürnberg 2030", die nicht nur auf Einzelhandel, sondern Multifunktionalität setzt. Also eine Mischung aus Handel, Gastronomie, Kultur, Tourismus, Wohnen und Grün.

Doch nicht nur die Stadt, sondern auch Händler und Immobilieneigentümer bemühen sich, die Handelsobjekte der Stadt zukunftssicher zu gestalten. So entwickelt etwa Redevco ein bisheriges Single-Tenant-Objekt weiter: Für eine Fläche in dem C&A-Haus am Ludwigsplatz wurde ein langfristiger Mietvertrag mit Edeka geschlossen. Nach umfassenden Baumaßnahmen soll der Lebensmitteleinzelhändler das Untergeschoss mit mehr als 2.900 Quadratmetern beziehen. Die Eröffnung des Lebensmittlers mit großer Markthalle ist für das zweite Halbjahr 2023 geplant.

Verödung der Innenstädte entgegenwirken

Die neue Edeka-Filiale wird über einen direkten Zugang zur U-Bahn-Station „Weißer Turm“ verfügen. Rolltreppen werden den Supermarkt mit C&A verbinden. Der Modehändler wird seine Verkaufsflächen vom Erdgeschoss bis in das zweite Obergeschoss weiterhin betreiben. „Es ist uns wichtig“, so Susanne Wolf, Regionalleiterin des Geschäftsbereiches Expansion der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen, „in unserem Bestreben um Nachhaltigkeit so wenig wie möglich bisher nicht bebaute Fläche zu betonieren, sondern, wo möglich, die bereits vorhandene Bausubstanz zu nutzen. Zudem möchten wir mit so einem Projekt zeigen, dass es wie hier in Nürnberg in enger Kooperation mit dem Eigentümervertreter, der Redevco Services Deutschland GmbH, Lösungsansätze gibt, der allgegenwärtigen Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken.“

Ein zweites großes Bauprojekt, in das unter anderem Edeka einziehen wird, ist das Schocken-Carré am Aufseßplatz. Der Lebensmittler wird mit weiteren Händlern im Erdgeschoss zu finden sein. Auch im Untergeschoss sind künftig diverse Einzelhandelsflächen ergänzt um kleinteilige Mietflächen geplant. Im ersten Obergeschoss schafft Projektentwickler Ten Brinke Parkplätze. In den weiteren fünf Geschossen sind rund 250 Wohnungen sowie ein Kindergarten geplant. Das Projekt entsteht am Standort des historischen Kaufhauses Schocken in der Südstadt.

Ein aktueller Schandfleck auf der Breite Gasse ist der ehemalige City-Point. An diesem Standort sollte eigentlich unter der Ägide von Development Partner noch in diesem Jahr das neue Altstadt Karree eröffnen. Die Pläne wurden allerdings nochmals komplett überarbeitet: Statt eines Hotels in den Obergeschossen sind nun Wohnungen und Büros vorgesehen, und der Abriss soll erst 2023 starten.

Top-Mieten sinken

Bulwiengesa beobachtete bei der Spitzenmiete im vergangenen Jahr einen Rückgang von 150 auf 140 Euro pro Quadratmeter. Damit zeigt sich in Nürnberg eine ähnliche Entwicklung der Mieten wie in den anderen großen Einzelhandelsstandorten in Deutschland. „Hier ist der Bodensatz auch noch nicht erreicht“, erwartet Wolfgang P. Küspert, Geschäftsführer der Küspert & Küspert Immobilienberatung. Er rechnet mit weiteren Mietrückgängen um etwa 20 Prozent.

Mache Vermieter seien aber noch nicht bereit, die neuen, niedrigeren Mieten zu akzeptieren und warteten ab, meint Küspert. Es sei eine Zeit des Wandels und der Konsolidierung. Andererseits nutzen lokale Einzelhändler die Chance, als Nachmieter in gute Lagen zu ziehen. Außerdem siedeln sich immer mehr Gastronomen in Toplagen an. „Das ist gut für die Aufenthaltsqualität“, freut sich Küspert, denn im Segment Gastronomie hätte die Nürnberger Innenstadt Nachholbedarf. Last-Mile-Logistiker seien aber in der City im Gegensatz zu anderen Städten bisher nicht zu finden.

Retail-Investitionen beliefen sich in Nürnber 2021 auf 98 Millionen Euro. Für 2022 gab es, so Wolfgang Küspert, bisher keine Retail-Deals in 1a-Lagen.

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zuletzt editiert am 24.06.2022