Expo Real Eingangshalle 2022
Besuchen Sie immobilienmanager auf der Expo Real: Halle B1 Stand 330. (Quelle: Thomas Plettenberg)

Expo Real 2023-09-29T06:17:25.441Z Expo Real 2023: Die Transformation hat begonnen

Wer die Messehallen in München durch den Eingang West Anfang Oktober betritt, hat meistens einen immobilienwirtschaftlichen Hintergrund. Dabei dürfte die Gemütslage für ein Branchenevent dieser Größe schon besser gewesen sein. Von André Eberhard

„Vorbauen für die Zeit nach der Unsicherheit“ titelten wir im vergangenen Jahr unseren Vorbericht zur Expo Real. Mittlerweile sind wir mitten in der „Unsicherheit“ angekommen. Und trotzdem gibt es auch Hoffnung auf ein reges Messegeschehen. „Wir gehen mit dem klaren Fokus auf Off-Market-Deal-Strukturen nach München“, meint Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter von Robert C. Spies. „Wir gehen davon aus, dass insbesondere Investoren mit hohem Eigenkapital auf der Messe noch stärker vertreten sein werden.“ Auf eine realistische Betrachtung der aktuellen Situation setzt Dominik Barton, geschäftsführender Gesellschafter der Barton Group. Er hofft, dass es erste Anzeichen für ein tatsächliches Marktpricing geben werde, damit der Immobilienmarkt wieder an Fahrt gewinnt.

Ich kenn da einen, der kennt da einen

Das Thema Netzwerken wird klar wieder im Fokus stehen. „Auch in schwierigen Zeiten ist der Austausch mit Marktteilnehmern wichtig, und manchmal ergeben sich auch Chancen. Mal sehen, ob es schon die Zeit der Chancen ist“, so Jochen Schenk, CEO der Real IS AG. „Die Transformation hat begonnen.“ Dem stimmt auch Nico Kramp, Co-Gründer und CSO bei Assetbird zu. „Ein solides Netzwerk ist in diesen Zeiten unerlässlich. Netzwerken wird immer wichtiger, um Chancen nicht zu verpassen.“ Nils Hübener, CEO der Dr. Peters Group, glaubt hingegen bereits an Chancen auf der Messe: „In diesem Jahr sehen wir trotz aller Skepsis in der Wirtschaft und auch in der Immobilienbranche ausdrücklich die Chance, geeignete Immobilien für eben jene Anlageprodukte zu finden, insbesondere in den Bereichen Büro, Einzelhandel und Hotel.“

Offen, ungeschönt und kreativ werden die Gespräche auf der Expo Real sein, davon gehen zumindest Dr. Albrecht von Breitenbuch, Rechtsanwalt, Notar, Partner bei Bryan Cave Leighton Paisner LLP (BCLP), Stefan Dölker, Partner bei Silverton Asset Solutions, und Yvo Postleb, Head of Germany bei Cushman & Wakefield, aus.

Wohin entwickelt sich der Markt?

Das wird für viele das umtreibende Thema sein. Der Superzyklus ist vorbei, so Matthias Leube, CEO und Head of Capital Markets bei Colliers. Eine neue Zinsrealität weckt die Erwartung, dass Immobilienprodukt und Anlagekapital wieder verstärkt zueinander finden werden, „weil der Markt langsam in einer neuen Realität ankommt“, so Leube. Dr. Bernd Wieberneit, Geschäftsführer der Fom Invest, rechnet damit, dass Value-add und auch erneuerbare Energien durchaus eine Tragweite bekommen werden.

Weniger Probleme besprechen als vielmehr über Lösungen und Chancen zu reden, ist der Appell vieler Gesprächspartner, mit denen wir im Vorfeld über die Messeerwartungen gesprochen haben. So stellt der ZIA beispielsweise erstmals sein Innovationsradar auf der Messe vor, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Wenn, dann bitte nachhaltig

Viele setzen auch weiterhin auf Nachhaltigkeit und ESG als beherrschendes Gesprächsthema. Martin Henke, Geschäftsführer Talyo Property Services, rechnet damit, dass nachhaltige Immobilienkonzepte und digitale Transformation der Branche im Fokus stehen werden. Auch Sergey Koynov von Intelliway Services setzt auf die Messe für seine digitalen Lösungen im Bereich nachhaltiges Immobilienmanagement.

Kapital und wo es künftig noch herkommt, beschäftigt beispielsweise Dr. Andreas Peppel von Institutional Investment Consulting Partners. Institutionelle würden sich derzeit fragen, welche Folgen die Verwerfungen an den Immobilienmärkten für seine Akteure habe und was das für zur Verfügung stehende Angebote bedeute. Sven Seibold, Head of Legal der Aukera Real Estate, will die Messe vor allem nutzen, um institutionelle Investoren davon zu überzeugen, dass gerade Real Estate Debt eine lohnende Alternative zu Corporate Bonds und Staatsanleihen sein kann.

Auf der Suche nach Finanzierungen

„Wir wollen die Expo Real nutzen, um mit dem Mythos aufzuräumen, es gäbe keine Fördermittel für Immobilien und Projekte seien nicht finanzierbar“, argumentiert Jan Bewarder, Vorstand der Rem Capital AG, seinen Messebesuch. „Es gibt jede Menge attraktive Förderprogramme, die helfen können, die Belastungen durch höhere Zinsen und gestiegene Baukosten auszugleichen.“ Wo Angebot und Nachfrage ein neues Marktgleichgewicht der Preise bilden, beschäftigt dabei unter anderem auch Hanno Kowalski, Managing Partner der Fap Invest. „Ohne sichtbare Transaktionen fehlen Referenzpunkte, und nur durch Gespräche lässt sich ausloten, auf welchem Level Deals ‚off market' stattfinden“, so Kowalski. Er geht davon aus, dass Projektentwickler mit Liquiditätsproblemen auf der Messe nach Lösungen suchen werden. „Das brennende Thema Finanzierung wird vermutlich alles überlagern“, stimmt Jochen Goetzelmann, geschäftsführender Gesellschafter der Targa Communications, zu.

Digital wird zur Nebensache?

Wenn auch nicht ganz vergessen, so doch deutlich weniger sprachen unsere Gesprächspartner über das Thema Digitalisierung. Rudi Pistora von Planradar geht fest davon aus, dass neue Technologien und KI-Lösungen eine Rolle spielen werden.

Gut gelaunt werden wohl Logistikimmobilieninvestoren zur Messe fahren. „Das Interesse an Logistikimmobilien ist ungebrochen. Besonders steht für mich dieses Jahr im Fokus, wie sich die unterschiedlichsten Player vom Entwickler über Bauherrn bis zum Mieter einig werden und ob sie damit die Erwartungshaltung der Investoren treffen“, spekuliert Markus Kroner, Geschäftsführer der Alcaro Invest. Covivo hingegen kommt mit dem Thema „Wie sieht das nachhaltige Büro von morgen aus?" auf die Messe. „Sind künftig vor allem nur noch innerstädtische A-Lagen nachgefragt oder sind zum Beispiel kürzere Pendelwege ein wichtiger Aspekt?“ fragt Friederike Hoberg, CEO Deutschland bei Covivio.

Nicht mit uns!

„Wir werden nicht zur Expo Real Fahren.“ Torsten Hollstein, Managing Director der CR Investment Management, sieht den Messebesuch eher als Zeitverschwendung an, da kaum etwas umgesetzt werden kann, was eventuell an Plänen auf der Messe besprochen werde. Er rechnet damit, dass es auf der Messe vor allem um Strategien für die kommenden zwölf bis 24 Monate gehen werde.

Mein Fazit: Ich habe mal nachgerechnet. Meine 15. Expo Real dürfte wohl auch eine der aufregenderen werden – zumindest aus journalistischer Sicht, denn endlich gibt es wieder was zu berichten. Noch nie war mein Terminkalender so früh gefüllt und noch nie kamen die ersten Anfragen bereits im Juli. Gleichzeitig dürfte es für viele Messeteilnehmer wohl die letzte Messe gewesen sein; sie wissen es nur noch nicht, denn die Auswirkungen der wirtschaftlichen Verwerfungen an den Immobilienmärkten und das Außerkraftsetzen der Marktmechanismen wird dafür sorgen. Zumindest sind sich diverse Auguren einig, dass Paragraf 13 der Insolvenzordnung zur Pflichtlektüre wird.

Dieser Beitrag stammt aus der frisch gedruckten Ausgabe 5.2023 von immobilienmanager. Alle Inhalte des neuen Magazins finden Sie hier .

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zuletzt editiert am 02. Oktober 2023
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