Ein roter Baukran ragt in den blauen Himmel, während im Vordergrund ein im Bau befindliches Gebäude zu sehen ist.
Die durchschnittliche Dauer zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung eines Wohngebäudes hat sich seit 2020 um sechs Monate verlängert. (Quelle: iStockphoto)

Standorte & Märkte 2025-05-23T09:48:32.165Z Zahl der Fertigstellungen 2024 deutlich gesunken

Die Zahl fertiggestellter Wohnungen ist 2024 um 14,4 Prozent gesunken. Besonders betroffen: private Neubauten und Ballungsräume.

Die Bauwirtschaft in Deutschland verzeichnet für das Jahr 2024 einen markanten Rückgang: Insgesamt wurden laut Statistischem Bundesamt (Destatis) nur noch 251.900 Wohnungen fertiggestellt – das entspricht einem Minus von 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen ist der private Neubau: Die Fertigstellungen von Einfamilienhäusern gingen um 22,1 Prozent, die von Zweifamilienhäusern um 26,2 Prozent zurück.

Der Trend zur Verknappung ist deutlich: Damit liegt die Zahl der Neubauten wieder auf dem Niveau von 2015. Gleichzeitig verlängert sich die durchschnittliche Bauzeit – von Genehmigung bis Fertigstellung – auf inzwischen 26 Monate. Zum Vergleich: 2020 betrug sie noch 20 Monate.

Zum Jahresende 2024 lag der Bauüberhang – genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen – bei 759.700 Einheiten, 67.000 weniger als im Vorjahr. Ein Drittel davon befindet sich aktuell im Bau. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel auf 215.300, ein Rückgang um 17,1 Prozent. Zudem wurden 29.000 Baugenehmigungen nicht in Anspruch genommen – der höchste Stand seit 2002.

Branchenverbände fordern strukturelle Reformen

ZIA-Präsidentin Iris Schöberl sieht im Rückgang eine Bestätigung bestehender Befürchtungen: „Es muss jetzt schnell und entschlossen gehandelt werden, um der Wohnungsnot in den wachsenden Ballungsräumen zu begegnen.“ Der ZIA fordert unter andere, die Einführung des § 246e BauGB zur Verfahrensbeschleunigung, die gesetzliche Absicherung des Gebäudetyps E sowie bessere finanzielle Rahmenbedingungen für Neubauprojekte.

IVD-Präsident Dirk Wohltorf nimmt insbesondere den privaten Wohnungsbau in den Fokus: „Der private Wohnungsbau ist ein tragender Pfeiler der Wohnraumversorgung.“ Um Familien mit mittleren Einkommen zu stärken, fordert der IVD die schnelle Umsetzung eigenkapitalersetzender Bürgschaften – ein Vorhaben, das bereits in mehreren Koalitionsverträgen enthalten war.

Auch der GdW spricht von einem „alarmierenden Einbruch“ bei den Fertigstellungen und mahnt eine grundlegende Neuausrichtung an: „Wir brauchen jetzt eine ‚Fast Lane‘ für das Wohnen“, so Präsident Axel Gedaschko. Neben einem radikalen Bürokratieabbau fordert der Verband eine gezielte Förderung, insbesondere für sozial orientierte Projekte und strukturschwache Regionen.

Nachfrage nach kleineren Wohnungen wächst

Mit durchschnittlich 96,2 Quadratmetern ist die Wohnfläche neu gebauter Wohnungen erneut gesunken – ein Indikator für veränderte Anforderungen und höhere Baukosten. Zum Vergleich: 2007 lag der Durchschnitt noch bei über 116 Quadratmetern.

Auch im Bereich Nichtwohngebäude zeigt sich ein Rückgang: Der umbaute Raum sank um 7,3 Prozent. Besonders betroffen waren Handels- und Lagergebäude.

Fazit: Der Wohnungsbau in Deutschland steht 2024 unter Druck – die rückläufigen Fertigstellungszahlen, verlängerten Bauzeiten und gesunkenen Genehmigungszahlen deuten auf strukturelle Herausforderungen hin. Die Forderungen der Verbände zeigen: Ohne politische Kurskorrektur droht eine weitere Verschärfung der Wohnraumsituation, insbesondere in den Ballungszentren.

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zuletzt editiert am 23. Mai 2025