Der „RICS Global Construction Monitor“ zeigt trotz Handelsspannungen Wachstumssignale – in Deutschland klettert der Baustimmungsindex ins Positive.
Der aktuelle Global Construction Monitor (GCM) des RICS für das erste Quartal 2025 weist auf eine Verlangsamung des Wachstums in der globalen Baubranche hin. Handelsspannungen drücken den Optimismus in einigen Regionen, dennoch bleiben die Zwölfmonatserwartungen für die Arbeitsauslastung in allen Sektoren weltweit positiv, wenn auch etwas abgeschwächt.
Der globale Construction Sentiment Index (CSI) sank im ersten Quartal von +17 auf +9 Punkte, bleibt damit jedoch leicht im positiven Bereich. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang in der APAC-Region, die mit -5 ihren schwächsten Wert seit 2020 erreicht. In Nord-, Mittel- und Südamerika ging der Wert ebenfalls zurück, liegt aber mit +23 weiterhin auf expansivem Niveau. Europa zeigt mit +11 eine leichte Verbesserung, wobei die Stimmung in MEA mit +31 weltweit am höchsten bleibt.
Deutschland mit deutlicher Aufhellung des Baustimmungsindex
In Deutschland verbesserte sich der Baustimmungsindex markant von -12 auf +38. Der Ausblick auf die Bautätigkeit gewinnt sowohl im Wohn- als auch im Gewerbesektor deutlich an Fahrt (von -11 auf +55 % bzw. von +15 auf +50 %). Auch die Infrastrukturprojekte erfahren einen positiven Ausblick mit einem Anstieg des Nettosaldos von +9 auf +100 Prozent.

Susanne Eickermann-Riepe, Vorsitzende des RICS European World Regional Board, kommentiert: „Der globale Construction Index bleibt zwar positiv, schwächt sich aber ab. Dagegen erholt sich Europa weiter und auch Deutschland zeigt einen deutlichen Sprung ins Positive. Hoffentlich nicht nur getragen durch das große Infrastrukturpaket und die damit verbundene Hoffnung auf Wachstum. Der Infrastrukturbereich ist und bleibt der Trendgeber bei der erwarteten Arbeitsauslastung, aber auch der private Wohnungsbau legt zu. Deutschland verzeichnet hier einen deutlichen Anstieg. Im Gegensatz dazu zeigt sich ein eher flacher Trend bei Gewerbeimmobilien.“
Regionale Unterschiede und Branchentrends
Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien führen mit robustem Wachstum, während China und Hongkong weiterhin von sinkender Nachfrage geprägt sind. Die USA zeigen eine leichte Abkühlung bei Gewerbe- und Infrastrukturprojekten, Kanada meldet erstmals seit 2020 einen negativen Trend.
In Europa verzeichnen Spanien, Irland und Italien weiterhin solide Zuwächse im Wohnungsbau, während Frankreich von politischen Unsicherheiten belastet ist und mit negativen Werten kämpft. Die Infrastruktur bleibt mit einem Plus von 22 Prozent der stärkste Sektor, insbesondere in Deutschland (+38 %), Irland und Italien.
Weltweit erwarten viele Länder steigende Beschäftigtenzahlen im Baugewerbe, mit Ausnahme von China und Hongkong, wo Rückgänge prognostiziert werden. Fachkräftemangel und steigende Materialkosten gelten als zentrale Hemmnisse. Der Anteil der Befragten, die Materialkosten als Problem sehen, stieg auf 59 Prozent. Die Inflation bei den Materialkosten wird mit 5,2 Prozent für das kommende Jahr prognostiziert – der höchste Wert seit 2023.
In den USA sehen 83 Prozent der Befragten den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften als große Herausforderung. Auch in Indien, Irland, den Niederlanden und Nigeria ist der Fachkräftemangel ein zentrales Thema.