Parkhäuser galten bis vor wenigen Jahren noch als sichere Bank für konservativere Investoren - mittlerweile sind sie ins Blickfeld neuer Anlegergruppen gerückt. Von Katrin Teichert, Geschäftsführerin Apcoa Deutschland
Die Krise der Immobilienbranche ist in den Innenstädten angekommen. Zu erkennen ist sie oftmals an leerstehenden Läden und Warenhäusern, Baustellenbrachen sowie weniger Kunden, die statt wie früher die Straßen, Plätze, Einzelhandelsgeschäfte oder auch Shoppingcenter zu frequentieren, nun eher einen Bogen um die Einkaufsstraßen machen.
Dabei hat die gegenwärtige Immobilienkrise nur das in den Innenstädten zu Tage gefördert, was unterschwellig bereits seit Jahren zu beobachten war. Die Transformation hatte schon längst vorher begonnen. Bereits der Aufstieg des E-Commerce und Onlinehandels in den vergangenen Jahren hatte unsere Einkaufsmeilen verändert. Es stellte sich bereits damals die Frage: Wie können die Immobilien neu genutzt und definiert werden? Wo sind die neuen Frequenzbringer, die neuen Kundenmagneten? Und: Wie können neue Investoren angezogen werden?
Investitionen in Zukunftstechnologien
Auch innenstadtnahe Parkhäuser waren und sind Teil der beschriebenen Veränderungsdynamik. Denn: In Parkhäusern ist wie im Brennglas diejenige Transformation zu beobachten, die im Großen auch unsere Innenstädte erfasst hat. Das haben auch Investoren im Blick: Galten Parkhäuser bis vor wenigen Jahren noch als sichere Bank für etwas konservativere Investoren, sind sie mittlerweile ins Blickfeld neuer Anlegergruppen gerückt – derjenigen, die vor allem auch Investitionen in Zukunftstechnologie und Innovationen wagen.

Parkhäuser als Innovationsbeschleuniger und -enabler in der Smart City? Einige Beispiele und Entwicklungen deuten darauf hin. Beispiel Logistik: Während die Fußgänger und Flaneure den Innenstädten den Rücken gekehrt haben, nimmt der Liefer- und Lieferantenverkehr vor Ort immer weiter zu. Getrieben von Geschäftsmodellen der großen digitalen Plattformen, hat vor allem der Last-Mile-Verkehr mit der dazugehörigen Logistik in den Innenstädten vernehmbar zugenommen. Ob Paketbote oder Getränke- und Lebensmittellieferant: Überall werden Waren und Lieferungen angenommen, verteilt und ausgeliefert – manchmal mit Autos, manchmal mit Fahrrädern.
Die Betreiber von Parkhäusern haben auf diese Entwicklung längst reagiert. Sie übernehmen mehr und mehr die Rolle des Ankerplatzes, wo Waren sortiert, gelagert und auch von Kurieren weiterverteilt werden können. Sie haben sich somit zu idealen Mikrologistikzentren gemausert, um beispielsweise Pakete in der näheren Umgebung mit Lastenrädern oder persönlich zu verteilen.
Pionierrolle im Mobilitätssektor
Auch im Bereich der Mobilität kommt ihnen eine neue Rolle zu. Der Hintergrund: Vor allem an Bürostandorten wird immer mehr Wert auf gemischt genutzte Quartiere mit hoher Lebensqualität gelegt. Diese neuen und modernen Lebensbereiche müssen aber auch gut zu erreichen sein. Dafür werden Umsteigestationen benötigt, an denen das Verkehrsmittel komfortabel und schnell gewechselt werden kann. Hier kommen neu konzipierte Parkhäuser ins Spiel, die es ermöglichen, dass Nutzer von einem auf das andere Fahrzeug umsteigen können, zum Beispiel vom Carsharing auf einen E-Roller.
Stichwort Elektromobilität: Der flächendeckende Roll-out der Elektromobilität lahmt noch immer am schleppenden Ausbau der öffentlichen und halb-öffentlichen Ladeinfrastruktur. Problem ist oft, dass es an Straßenrändern kaum noch Platz für die Ladesäulen gibt. Die Flächenkonkurrenz im öffentlichen Raum zwischen allen Verkehrsteilnehmern – Auto- und Radfahrern sowie Fußgängern – nimmt immer weiter zu. Und: Die Kommunen erweisen sich oftmals als restriktiv, wenn es um die Ausweisung neuer Flächen geht. Parkhäuser könnten somit zu den neuen zentralen Ladetankstellen für Elektroautos werden – eine Entwicklung, die zum Teil bereits eingesetzt hat und sich im Alltag bewährt.
Auch im Bereich des autonomen Fahrens wird Parkhäusern von Investoren und Marktbeobachtern eine Pionierrolle zugeschrieben: Parkhausbetreiber stellen sich mit ihren Innovationen bereits heute darauf ein, dass eines Tages kein Mensch mehr selbst den Wagen einparken wird. Der Kunde betritt dann nur noch den Ein- und Ausstiegsbereich des Parkhauses. Alles, was sich dahinter befindet, sind Zonen, in denen die Abläufe automatisiert sind.
Treiber Digitalisierung
Die gemeinsame Triebfeder, die offenbar auch Investoren zu schätzen wissen, ist die Digitalisierung, die der Spezialimmobilie Parkhaus ganz neue Möglichkeiten bietet, als es früher der Fall gewesen wäre. Experten sind sich einig: Das Geschäftsmodell Parken kann sich momentan vor allem aufgrund der Digitalisierung so dynamisch weiterentwickeln und verändern. Denn klar ist: Auch die Parkplätze, die heute in Wohngebieten existieren, werden mehr und mehr professionell durch Outsourcing-Partner mithilfe von digitalen Lösungen gemanagt werden.
Die Parkhäuser der Zukunft werden wiederum durch ihre erweiterte Funktionalität deutlich werthaltiger – auch dies ein entscheidender Punkt für Investoren. Ob dabei ein bestimmter Standort erfolgreich ist, liegt in den Händen des Betreibers: Von seiner Offenheit und Innovationskraft hängt es ab, ob alle Potenziale eines Parkhauses gehoben werden können.