Tag der Immobilienwirtschaft 2022
André Eberhard war für den immobilienmanager beim TDI 2022 und schildert seine Eindrücke. (Quelle: André Eberhard)

Standorte & Märkte

23. June 2022 | Teilen auf:

Kommentar: Für die einen ist es eine Krise…

… für die anderen die Rückkehr zu normalen Verhältnissen. So könnte man wohl die Stimmung beim diesjährigen „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Branchenverbands ZIA zusammenfassen. Ein Kommentar von André Eberhard.

Viele, noch junge Akteure der Branche, werden wohl jetzt erstmals erleben, was es heißt, wenn Geschäfte nicht so laufen, wie die letzten zehn Jahre. Zunehmende Unsicherheit bei den einen, immobilienwirtschaftliche Gelassenheit bei den anderen. Der Markt würde sich jetzt konsolidieren, was letztlich auch sinnvoll sei, denn nun trenne sich die Spreu vom Weizen. Egal ob bei Start-ups oder Projektentwicklern: der Markt wird nach der Krise, die laut Finanzminister Lindner einige Jahren dauern kann, ein anderer sein.

Steigende Zinsen, galoppierende Inflation, hohe Baukosten, fehlendes Personal, Lieferkettenprobleme, der Krieg in der Ukraine, gesellschaftlicher Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und ökologischer Denkweise sowie eine noch nicht überwundene Corona-Krise – die Herausforderungen für die Branche sind so vielfältig wie nie. Lösungen kann dabei die Immobilienwirtschaft sicher nicht alleine liefern, aber sie hat die einmalige Chance, durch gemeinsame Ideen, Unternehmertum, Gründergeist und Vielfalt den Weg für die Zukunft maßgeblich mitzugestalten. Dazu sollten wir vor allem mehr miteinander reden. Egal ob Architekt, FM-Dienstleister, Softwareentwickler, Bauunternehmen oder Projektentwickler. An Ideen, wie man den Wandel mitgestalten könnte fehlt es nicht.

Mitten im Tsunami

Der „Tag der Immobilienwirtschaft“ machte aber auch deutlich, dass Hilferufe in die politischen Lager allein nicht helfen werden, um Antworten auf die drängendsten Fragen zu liefern. Es bedarf gemeinsamer Anstrengung und einer „pragmatischen Denkweise“, wie LEG-Chef Lars von Lackum fordert.

Für mich bleibt der Eindruck, dass wir uns mitten im Tsunami befinden. Das Erdbeben war schon – aber die Welle ist noch nicht angekommen. Während einige sich in sichere, höhere Lagen bewegen, liegen einige noch ruhig am Strand.

Viele Fragezeichen bleiben. Kann eine Zinssteigerung wirklich eine von steigenden Energiepreisen getriebene Inflation bekämpfen oder würgt sich nicht letztlich Konsum völlig ab? Wie hoch müssen Einkommen steigen, damit Inflation und kalte Progression nicht zuschlagen und woher sollen die Steigerungen überhaupt kommen? Wann beginnt der große Umbau unseres Immobilienbestands ernsthaft und skalierbar zu werden? Wann fangen wir an, ganzheitlich zu denken? Denn zum Immobilienbau, muss Energieerzeugung genauso dazu gehören, wie BIM und dessen Möglichkeiten im Betrieb der Immobilie. Ich freue mich, auf Ihre Ideen und Anregungen.

Ihr André Eberhard

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zuletzt editiert am 23.06.2022