Portemonnaie in Schraubzwinge
Historisch hohe Inflationsraten belasten vor allem die Haushalte. (Quelle: Pixabay)

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22. June 2022 | Teilen auf:

Schlechte Stimmung in der Immobilienwirtschaft

Schlechte Stimmung in der Immobilienwirtschaft: Das von der Deutschen Hyp ermittelte Immobilienklima verzeichnet im Juni 2022 mit einem Minus von 17,5 Prozent den stärksten Rückgang seit Beginn der Corona-Krise.

Nachdem das Immobilienklima bereits im Mai unter die 100-Punkte-Marke gefallen war, sinkt die Stimmung der rund 1.200 befragten Immobilienexperten im Juni drastisch: Das Immobilienklima bricht um 17,5 Prozent auf 80,8 Punkte ein und erfährt damit den deutlichsten Rückgang seit Beginn der Corona-Krise. Dazu hat insbesondere das stark rückläufige Investmentklima beigetragen. Mit einem Rückgang um 21,6 Prozent sinkt dieses auf 72,4 Punkte und damit nahezu auf den Tiefstand, der zu Beginn der Corona-Krise zu beobachten war.
Ebenfalls deutlich sinkend war das Ertragsklima – es ging um 13,7 Prozent auf 89,4 Punkte zurück und unterschreitet damit erneut die 100-Punkte-Marke.

Büroklima fällt hinter Hotelklima zurück

Nach der außergewöhnlich guten Entwicklung des Handelklimas im Mai (+17,0 %) erfolgt nun ein deutlicher Rückgang – es sackte im Juni um rund ein Viertel auf nunmehr 57,1 Zählerpunkte ab. Das Hotelklima weist einen verhältnismäßig moderaten Rückgang um 5,9 Prozent auf nun 82,8 Punkte auf. Bemerkenswert ist, dass das Büroklima gleichzeitig um 20,2 Prozent auf 73,6 Punkte sinkt und damit in der Einschätzung der befragten Immobilienexperten das erste Mal seit über fünf Jahren hinter die Assetklasse der Hotelimmobilien zurückfällt.

Ebenfalls zweistellig rückläufig zeigen sich das Wohnklima (-14,1 % auf 109,5 Punkte) und das Logistikklima (-11,7 % auf 123,2 Punkte), wobei letzteres bereits den dritten Monat in Folge rückläufig ist.

Verunsicherte Marktteilnehmer

"Sowohl das geopolitische als auch das wirtschaftliche Umfeld bergen derzeit zahlreiche Faktoren, die die Marktteilnehmer verunsichern", kommentiert Frank Schrader, Leiter Deutsche Hypo – Nord/LB Real Estate Finance. "Historisch hohe Inflationsraten, die insbesondere durch Energiepreise und Lieferengpässe getrieben werden, belasten vor allem die Haushalte. Die Frage ist: Wie entwickelt sich die Inflation weiter? Um der Inflation entgegenzuwirken, sind Zinserhöhungen notwendig - die langen Laufzeiten hatten dies bereits eingepreist. Nun zieht die EZB die kurze Seite nach und leitet damit die Zinswende ein. Führt das insgesamt zu einer flacheren Zinskurve oder legt auch das lange Ende nochmal zu?"

Schrader unterstreicht, dass für die Branche insbesondere die Verfügbarkeit von Materialien und Arbeitskräften sowie die Auswirkungen auf die Realwirtschaft im Fokus stehen. Durch Chinas anhaltende 'Zero Covid' Strategie sei keine kurzfristige Entspannung auf den Märkten in Sicht. Und auch die Realwirtschaft werde durch die notwendigen Zinserhöhungen belastet. "Mit Blick auf die weitere weltweite wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich, dass die Zinssteigerung der FED in den USA und die erwarteten Entwicklungen trüben. Diese herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden auch Auswirkungen auf unsere Branche haben", so Schrader.

Das tatsächliche Ausmaß der einzelnen Faktoren sei laut Schrader "bisher unklar, das Ausmaß der Kombination aller Faktoren zu beschreiben nahezu unmöglich. Die Immobilienmärkte in Deutschland haben sich bisher grundsätzlich gesund und robust präsentiert, so dass selbst in im aktuellen Umfeld viele Transaktionen getätigt werden. Es erklärt aber sicher die unterschiedlichen Stimmungen der Marktteilnehmer – je nachdem, wo sie in diesem Umfeld persönlich stehen."

Die Zahlen des Monats im Überblick:

  • -17,5 %: Immobilienklima mit stärkstem Rückgang seit Beginn der Corona-Krise
  • 72,4 Punkte: Investmentklima sinkt nahezu auf den Tiefstand zu Beginn der Corona-Krise
  • 123,2 Punkte: Logistikklima zum dritten Mal in Folge rückläufig
  • -25,4 %: Handelklima sackt erneut ab und verzeichnet den deutlichsten relativen Rückgang aller Assetklassen

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zuletzt editiert am 22.06.2022