Viktor Weber
Viktor Weber (Quelle: Acquirepad)

Digitalisierung 2023-07-10T09:49:35.626Z Kommentar: 2023 - Eine Chance für Innovationsmutige 

Die Branche befindet sich seit einigen Jahren in einem digitalen Wandel, der bei manchen Unternehmen schneller, und in vielen langsamer, voranschreitet. Ein Kommentar von Viktor Weber.

Dabei könnte digitale Innovation helfen, die diversen Herausforderungen, vor denen die Branche aktuell steht, wie beispielsweise ESG-Vorgaben oder Wohnungsmangel in den Griff zu bekommen. Digital geplante Gebäude, algorithmisch optimierte Bauprojekte oder der digitale Zwilling als Single-Source-of-Truth könnten Transparenz schaffen, Mängel vermeiden und sinnvolle KI-Lösungen hervorbringen. Robotische Lösungen auf der Baustelle und modulare Vorfertigung könnten Qualitäten steigern, Sicherheit maximieren und dem Personalmangel etwas entgegensetzen.

Die Liste ist noch länger, aber Ihre Zeit ist knapp, denn das nächste Teams-Meeting steht an. Vergleiche ich die Branche mit meinen Anfängen vor acht Jahren, als es die meisten Innovationsteams, VCs und Austauschformate noch nicht gab, haben wir schon extrem viel erreicht. Zeit für Lob muss sein.

Unternehmen wie Goldbeck, Hilti, Wealthcap, Commerz Real oder Nassauische Heimstätten, um einige positive Vorreiter beispielhaft zu nennen, haben Digital- und Innovationsteams aufgebaut und somit die Chance, einen strategischen Wettbewerbsvorteil (weiter-)auszubauen. Man hat erkannt, dass Innovation nicht ein Nice-to-Have, sondern ein Must-Have ist.

Zusammen ist man stärker

Man setzt zunehmend auf die Zusammenarbeit mit Startups oder beteiligt sich an ihnen durch Vehikel wie PropTech1, Foundamental, 5th Wall oder Bitstone. Die Entscheider der Branche wissen also was am Prop- & Contech-Markt passiert.

Spezialisierte Beratungen, wie Pom+ oder mein Future Real Estate Institute, begleiten digitale Transformationen und sprechen als neutraler Partner Handlungsempfehlungen aus. Ein weiterer Treiber für konstruktiven Austausch sind unsere Verbände wie der ZIA, der Bitkom, die GPTI, der GDW oder auch der Bauindustrieverband. Katalysatoren wie Blackprint, Heuer Dialog, Feldhoff & Cie, Forimpact oder Builtworld runden das Innovationsangebot für die Branche sinnvoll ab.

Wir sehen heute Roboter, die Baustellen überwachen und Löcher bohren. Betonrezepturen werden mit Hilfe von KI CO2-freundlicher und wir bauen modulare Hochhäuser aus Holz. Immobilienbewertung wird durch KI unterstützt. Transaktionsprozesse werden durch digitale Plattformen weniger komplex. Wir heben konstant Potenziale der digitalen Innovation. Jedoch leider noch nicht genug. Da geht mehr.

Die Branche tut sich nämlich schwer, untereinander Daten zu teilen, um die Möglichkeiten von einfachen Datenanalysen oder gar maschinellem Lernen voll auszuschöpfen. Projekte werden meist nicht digital geplant, denn BIM ist zu teuer und der digitale Zwilling ein Gedankenkonstrukt. Der Bestand ist nicht digitalisiert und Roboter auf Baustellen eher Ausnahme als die Regel. Auf Baustellen gibt es noch viel zu viel Papier. Zirkularität ist in weiter Ferne. Es wird nicht genug seriell saniert.

Corona, der Ukraine-Krieg, Zinserhöhungen und die Chip-Krise haben uns in der Umsetzung ausgebremst. Das schwierige Marktumfeld hat Innovationsbudgets schmelzen lassen. Am Horizont sorgt man sich vor Immobilienblasen in China, Kanada und anderen Ländern. Auch Assetklassen wie Office oder Retail bedürfen adaptierter Konzepte, da sich sowohl unsere Arbeitswelt als auch der Handel schneller verändern als die bauliche Beschaffenheit unseres Bestandes.

Es ist also viel zu tun

Investment- und Asset-Manager sowie Projektentwickler müssen sich dringend dem Tagesgeschäft widmen, Nachfinanzierungen sichern, nachvermieten und Entwicklungen effizienter gestalten. Auch intern wollen sich viele Unternehmen verschlanken, denn es ist nach wie vor unklar, wann und zu welchen Multiples, ein Boden gefunden wird.

Hier schließt sich der Kreis, denn Innovationen können helfen kurzfristig Kosten zu senken, Mitarbeitende zu entlasten und langfristig auch noch neue Einkünfte erzielen.

Es ist ein fataler Fehler in der aktuellen Marktphase, interne Transformationsprojekte zu stoppen und Innovationsprojekte auf Eis zu legen. Sie sollten viel mehr vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen kritisch reflektiert und angepasst werden. Während die Branche zur MIPIM reist, fallen mir viele Dinge ein, bei denen gespart werden kann. Nicht jedoch bei Innovationsprojekten, die heute zwar Ressourcen binden, aber zukünftig einen Wettbewerbsvorteil sichern und Prozesse effizienter werden lassen.

Die Lücke schließen

Auch sollten wir unternehmensübergreifend den Worten in den Arbeitskreisen Taten folgen lassen. Wieso nicht Probleme, die wir bereits heute kennen, gemeinsam in Joint-Venture Projekte lösen, um am Ende auch noch wirtschaftlich zu profitieren?

Wer jetzt weiter innoviert, kann Lücken zu den Innovationsführern verkleinern und sich langfristig besser positionieren. Auch das ist Tagesgeschäft.

Viktor Weber ist Mit-Gründer von Acquirepad und Gründer des Future Real Estate Institute.

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zuletzt editiert am 10. Juli 2023
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