"Houston wir haben ein Problem" - so lautet der bekannte Apollo-Funkspruch von 1970. Unser Symbolbild zeigt den Start der Falcon 9 Rakete von Space X. (Bild: SpaceX/Unsplash)

Nachhaltigkeit & ESG

12. January 2022 | Teilen auf:

Klimawandel: „Houston, wir haben ein Problem“

Was Kreislaufwirtschaft und ambitionierte ESG-Ziele bewirken können. Ein Beitrag von Sascha Klaus, CEO der Berlin Hyp

„Houston, wir haben ein Problem.“ So oder so ähnlich würde vermutlich die Crew eines Raumschiffes um Hilfe bitten, wenn unmittelbar eine Gefahr droht. Wer glaubt, die Aussicht auf ein solches Schicksal sei eines, das den 587 Raumfahrerinnen und Raumfahrern der Geschichte vorbehalten sei, der irrt gewaltig. Auch unserer Erde droht Gefahr. Der nach wie vor immense CO2-Ausstoß stellt uns vor eine neue Herausforderung: den Klimawandel. Da die Auswirkungen hier bereits spürbar sind, ist eine Reduktion des CO2-Ausstoßes unbedingt notwendig.

Dieser Aussage steht eine besorgniserregende Tatsache gegenüber. Derzeit ist die Immobilienbranche für ungefähr ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Manche Akteure der Branche haben die Brisanz der Thematik früher erkannt als andere. Die Bundesrepublik Deutschland hat als Wegweiser für ein klimaneutrales Deutschland einen Klimaschutzplan verabschiedet. Das ursprüngliche Ziel der Klimaneutralität bis 2050 wurde zwischenzeitlich auf das Jahr 2045 vorgezogen und unterstreicht damit die Bedeutung der erforderlichen Klimaschutzanstrengungen. Auf EU-Ebene gibt die Taxonomie ein Klassifikationssystem vor. Im Einklang mit dem Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“, besteht das übergeordnete Ziel dieser EU-Taxonomie darin, eine Neuausrichtung von Kapitalflüssen hin zu nachhaltigen Investitionen zu erreichen, um so ein nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Große Transformationsprozesse

Damit stehen für die Immobilienwirtschaft und den Finanzdienstleistungssektor nun große Transformationsprozesse an. Diese nachhaltig zu gestalten, ist eine weitere Herausforderung, die wir meistern müssen. Ein Ansatz dafür ist die Kreislaufwirtschaft. Die Erde ist dabei als ein in sich geschlossenes System zu verstehen, in dem keine Ressource nach der Nutzung zu Abfall, sondern wiederverwendet wird.

Diesen Ansatz hat die Initiative Madaster, dessen Partner auch die Berlin Hyp ist, zu seiner Aufgabe gemacht. Bei der im Dezember 2021 gelaunchten Online-Plattform von Madaster erhält jedes registrierte Gebäude einen sogenannten Materialpass. Auf diesem sind Materialmenge, Zirkularitätspotential, Sachwert sowie der aktuelle Rohstoff-Restwert ausgewiesen. So können verbaute Rohstoffe, im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwendet werden. Neben ihrer Arbeit im Netzwerk will die Berlin Hyp die Madaster-Plattform auch selbst nutzen und die Materialien ihres Neubaus erfassen.

Dass ein solcher Ansatz notwendig und richtig ist, zeigt auch ein Blick in den Koalitionsvertrag, in dem von „Kreislaufwirtschaft im Gebäudebereich“ und von „Gebäuderessourcenpass“ die Rede ist. Die Akteure der Immobilienwirtschaft sollten sich aber auch von innen heraus verändern und im Geschäftsbetrieb und Geschäftsportfolio die Transformation unterstützen. Die Berlin Hyp beschreitet den Pfad der Nachhaltigkeit seit mehreren Jahren und hat kürzlich ihr ESG-Zielbild veröffentlicht. Nachhaltigkeit begreift das Finanzinstitut als ein ganzheitliches Konzept, das neben der ökonomischen auch die ökologische und soziale Dimension beinhaltet (ein Video dazu finden Sie hier).

Banken übernehmen Schlüsselrolle

Sascha Klaus (Quelle: Berlin Hyp)

Banken haben in dem Veränderungsprozess der Immobilienwirtschaft eine Schlüsselrolle: Sie steuern aktiv die Investitionen einer Gesellschaft und sind nicht nur Teil der Immobilienbranche, sondern ihre Gestalter. Die Berlin Hyp arbeitet kontinuierlich an der Reduktion der eigenen CO2-Emissionen, mit dem Anspruch, den Geschäftsbetrieb spätestens 2025 klimaneutral zu gestalten. Zudem hat sie weiterhin das Ziel, den Anteil der Green Buildings in ihrem Portfolio bis 2025 auf ein Drittel zu erhöhen.

Ob ein Gebäude als Green Building gilt, definiert sich größtenteils über die Energieeffizienz. Im Rahmen einer Finanzierungsentscheidung wird aber nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch die soziale und unternehmerische betrachtet. Hierfür setzt die Bank seit Juli 2021 auf einen ESG-Fragebogen, mittels dessen sie Finanzierungsanfragen prüft.

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zuletzt editiert am 12.01.2022