Die Immobilienwirtschaft muss sich intensiver mit dem Thema Sanierung beschäftigen, wie Sascha Klaus in seinem Gastbeitrag erläutert. (Bild: Pixabay)
Die Immobilienwirtschaft muss sich intensiver mit dem Thema Sanierung beschäftigen, wie Sascha Klaus in seinem Gastbeitrag erläutert. (Bild: Pixabay)

Nachhaltigkeit & ESG

12. November 2021 | Teilen auf:

Quo vadis Altbestand?

Gratis imPlus-Beitrag: Nicht erst seit der Pandemie drängt sich mit Blick auf nicht mehr benötigte Flächen wieder öfter die Frage der Umnutzung auf. Von Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp

Das Thema ist kein vorrübergehender Trend und keineswegs ein Covid-Effekt, sondern vor allem notwendig, um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen. Die Immobilienbranche bekommt immer wieder Schelte wegen ihrer negativen Klimabilanz. Selbstverständlich beansprucht Abriss und Neubau deutlich mehr Ressourcen als ein sanfter Umbau. Die Sanierungsquote in Deutschland ist auch viel zu niedrig, um in Richtung der Klimaziele der Bundesregierung zu kommen. Wir als Branche, müssen uns mit dem Thema intensiver beschäftigen. Auch hinsichtlich einer nachhaltigen Betrachtung von aktuellen und Folge-Energieverbräuchen und gleichzeitig im Sinne von recycelten oder nicht verbrauchten Ressourcen. Es gilt daher, den gesamten Lebenszyklus im Sinne einer Kreislaufwirtschaft bereits bei der Planung eines neuen Gebäudes mitzudenken.

Sascha Klaus (Bild: Hoffotografen) (Quelle: Berlin Hyp)

Ob nun aber Um- oder Neubau: Nachhaltige und wirtschaftliche Aspekte müssen natürlich beide genau betrachtet werden. Umnutzung ist leider nicht immer die Lösung, denn Konversion ist häufig deutlich aufwändiger als Neubau. Die Bereitschaft zur Konversion hält sich daher bei Investoren oft noch in Grenzen, denn das bedeutet zunächst einmal Mehrkosten und auch die zahlreichen behördlichen Genehmigungen machen das Vorhaben nicht einfacher. Wir freuen uns über jedes Konversionsprojekt. Aber wir haben natürlich auch einen Blick auf die nachhaltige Finanzierbarkeit. Rentiert sich ein Umbau, oder soll abgerissen und neu gebaut werden? Unpassende Deckenhöhen oder auch fehlende Lichthöfe sind oft Aspekte, die einen Umbau schwierig machen. Natürlich ist die Transformation der Immobilienwirtschaft zu einer nachhaltigeren das übergeordnete Ziel. Daher sollte man schon immer intensiv alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.  

Diese Transformation ist kein Projekt, das wir von heute auf morgen schaffen können. Deshalb kann bei einer rationalen Betrachtung sowohl hinsichtlich ökonomischer als auch ökologischer Aspekte auch einmal die Entscheidung für „weder- noch“ die Beste sein. Das kann heißen, die Immobilie in ihrem augenblicklichen Zustand einfach noch rund zehn Jahre zu nutzen und dann nach neuestem Standard neu zu bauen.

Es gibt aber auch erfolgreiche Beispiele. Ein Blick zu unseren Nachbarn in die Niederlande ist immer sehr inspirierend. Umbau zum Beispiel von Büroimmobilien zu bezahlbaren Wohnmöglichkeiten findet dort häufiger statt. Das ist aus zwei Gründen interessant: Zum einen schont es Ressourcen, zum anderen schafft es alternative Wohnangebote. Dabei liegt aber auch die Vermutung nahe, dass deutlich mehr staatlicher Druck in Richtung Nachhaltigkeit und gleichzeitig weniger Regularien für den Umbau diese Stoßrichtung begünstigen. Ein Konzept zur Adaption in Deutschland?

Lenkt man den Fokus von der Konversion einzelner Immobilien auf ganze Quartiere, so ist der Wunsch nach einer stärkeren Durchmischung immer öfter zu hören. Nach den Trends zu Monokulturen in den 90ern und 00er Jahren sehen wir jetzt häufiger eine Durchmischung der Bürostandorte mit Wohnen und Gewerbe. So entwickelt sich zum Beispiel gerade der Frankfurter Stadtteil Niederrad zum Lyoner Quartier weiter. Nachhaltigkeit spiegelt sich eben nicht nur in einzelnen Objekten, sondern auch in der Gestaltung gemischter Quartiere wider.    

Hinsichtlich der akuten Wohnungsnot in Deutschland ist jedoch klar: Umbau von einzelnen Immobilien oder Quartieren allein kann keine Lösung sein. Flächenkonversion leistet einen Beitrag, wird aber lange nicht ausreichen. Hier hilft nur eine intensivere Bautätigkeit. Es bleibt zu hoffen, dass im Rahmen der neuen Regierungsformation Initiativen entstehen, die der sozialen Frage nach bezahlbarem Wohnraum vor allem in den Ballungsgebieten begegnen. Städte wie Wien oder Hamburg haben ja bereits erfolgreiche Konzepte entwickelt und können Vorbild sein.

zuletzt editiert am 12.11.2021