Ein Glas mit Münzen aus denen eine grüne Pflanze wächst. Quelle: Micheile/Unsplash
Bei der Überführung von politischen und gesellschaftlichen Zielen in wirtschaftliche Praxis können Banken eine wichtige Rolle spielen. Quelle: Micheile/Unsplash

Nachhaltigkeit & ESG

15. September 2021 | Teilen auf:

Wie Banken in der Transformation Hebelwirkung entfalten

Welchen Beitrag kann die Finanzwirtschaft zum Erreichen von ökologischen Zielen leisten? Ein Gastbeitrag von Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender Berlin Hyp AG.

Der Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft ist eine Herkulesaufgabe, die mit einem gewaltigen Finanzierungsbedarf einhergeht. Alleine der „Green Deal“ der EU-Kommission, der den Weg dafür ebnen soll, dass die EU ihren Beitrag zum Klimaschutz leistet, beläuft sich auf ein Volumen von einer Billion Euro bis zum Jahr 2030. Um für die Europäische Union die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen, sind weitere gigantische Summen zu mobilisieren. Allein für das laufende Jahrzehnt schätzt die EU-Kommission den gesamten Investitionsbedarf auf 350 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Summe kann nicht allein von der öffentlichen Hand getragen werden. Hier ist auch die Finanzwirtschaft gefragt, denn über Banken als Hebel lassen sich ökologische Ziele in realwirtschaftliche Prozesse und Strukturen übertragen.

Expertise in Risikoanalyse und -bewertung

Die Bereitstellung von Kapital ist aber nicht die einzige Leistung, mit der Finanzunternehmen und Banken die Transformation stützen. Mindestens ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang ihre Expertise in der Analyse, Bewertung und Steuerung von Risiken. Der Klimawandel, aber auch weitere ökologische Herausforderungen verändern die Risikoposition von Immobilien. Direkte Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur, etwa nach Überflutungen, sind hier nur eine Facette. Doch auch ohne solche Extremereignisse bringt der Klimawandel zusätzliche Risiken. Etwa höhere Kosten, um Immobilien an strengere Energie- und Umweltstandards anzupassen oder zusätzliche Belastungen aus eventuellen künftigen Abgaben oder Strafzahlungen.

Für die Immobilienbranche, als eine der Haupt-CO2-Emittenten, ist klimaschonendes Wirtschaften deshalb überlebenswichtig. Reagiert die Branche sonst häufig eher nachgelagert und weniger stark auf Veränderungen im Umfeld, steht sie beim Klimaschutz im Zentrum. Mehr noch: Die Entwicklungen beeinflussen die Geschäftsgrundlage vieler Akteure direkt.

Klimabezogene Faktoren im Fokus

Über ihre Kreditvergabe und die Risikomanagement-Standards gibt die Finanzwirtschaft zudem Impulse, gezielt in mehr Klimaschutz zu investieren. So bieten etwa Immobilienbanken wie die Berlin Hyp, zinsvergünstigte Darlehen für Investitionen in die energetische Qualität von Bestandsgebäuden.

Die stärkere Verankerung umweltbezogener Faktoren in die Finanzierungspraxis ist unumkehrbar – nicht zuletzt aufgrund der entsprechenden Regulierung auf nationaler und europäischer Ebene. So hat die Europäische Zentralbank angekündigt, Klimarisiken zum Schwerpunkt des nächsten Banken-Stresstests zu machen, der im kommenden Jahr ansteht. Ebenfalls im kommenden Jahr will die EZB laut eigener Ankündigung, die Verfahren der Banken einer eingehenden aufsichtlichen Überprüfung unterziehen und, sofern nötig, konkrete Folgemaßnahmen ergreifen. Die US-Notenbank wiederum hat Ende 2020 den Klimawandel als Faktor in ihren halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht aufgenommen.

Optimierungspotenzial bei Datenverfügbarkeit

Bewusstsein, Bereitschaft, Nachfrage und finanzielle Mittel sind also vorhanden. Mit der Taxonomie für „grüne Investitionen“ hat die EU-Kommission bereits eine wichtige Grundlage zur Eingruppierung und Bewertung geschaffen. Die größte Herausforderung jedoch liegt vor allem in der Verfügbarkeit geeigneter Daten. So lässt sich der ökologische Fußabdruck einer Immobilienfinanzierung heute in den meisten Fällen immer noch nur näherungsweise bestimmen. Es fehlt noch an vielen Stellen an einer verlässlichen Datenbasis. Mithilfe geeigneter Modelle und Berechnungsverfahren lässt sich allerdings die Zeit überbrücken, bis eine volle Datentransparenz gewährleistet ist. So wird die Berlin Hyp voraussichtlich ab 2023 eine vollständige Transparenz über den CO2-Abdruck ihres gesamten Kreditportfolios erreichen. Das wiederum schafft die Voraussetzung, portfoliobezogene Klimaziele in die Gesamtbanksteuerung zu integrieren und nachzuhalten. Bei der Berlin Hyp sollen so 2030 die CO2-Emissionen des Gesamtportfolios um 40 Prozent niedriger liegen als im Basisjahr 2020.

Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender Berlin Hyp AG. Quelle: Berlin Hyp

Der Weg zu einer echten „grünen“ Wirtschaft ist noch lang und die größten Herausforderungen liegen noch vor uns. Gerade wenn es darum geht, politische und gesellschaftliche Ziele in wirtschaftliche Praxis zu überführen, sind Banken ein unerlässlicher Hebel für die Transmission. Je besser alle Akteure zusammenarbeiten, desto stärker profitieren nicht nur Umwelt und Gesellschaft, sondern am Ende auch sie selbst.