Viktor Weber
Viktor Weber ist Gründer von Acquirepad. (Quelle: Acquirepad)

Digitalisierung 2023-12-08T08:00:56.754Z „Wir stehen erst am Anfang“

Chat GPT und Co. in der Immobilienwirtschaft: Nicht abwarten, sondern nutzen lautet die Devise. Viktor Weber liefert in seinem Kommentar Einblicke aus der Praxis.

Vielleicht gehören Sie zu den Leuten, die sich fragen was der ganze Hype um Chat GPT und andere Sprachmodelle für die Branche wirklich bringt? Aus dem Silicon Valley hört man, dass es eine so bedeutende Entwicklung sei wie das World Wide Web. Bei Blockchains haben das auch manche behauptet, aber bis auf einen Kryptocrash und geplatzte Investorenträume ist bisher wenig davon übriggeblieben. Daher möchte ich in diesem Artikel anhand dreier Beispiele, auch aus eigener Erfahrung, die Fähigkeiten dieser Sprachmodelle einordnen und einen Ausblick geben.

Eines vorweg: Open AI hat mit Chat GPT eine Plattform geschaffen, die die Konfiguration von komplexen KI-Anwendungen ohne Programmieren möglich macht, sodass so ziemlich alle damit arbeiten können. Wer technisch versierter ist, kann Software innerhalb von Tagen programmieren, die noch vor einem Jahr, vielleicht Wochen Entwicklungszeit gekostet hat. Das ist also wirklich revolutionär und hat auch viele Vorteile für unsere Branche, die nach wie vor in Sachen Digitalisierung hinterherhinkt.

GPT & Co. im Transaktionsprozess - Einblicke aus der Praxis

KI ist aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, vor allem im Zusammenhang mit digitalen Transaktionsprozessen, die wir für professionelle Investoren auf Acquirepad ermöglichen. Aktuell arbeiten wir daran, unsere KI-Fähigkeiten weiter auszubauen, um informativere Ankaufsprofile von Käufern zu erstellen, welche dann in die Empfehlungen für unsere Verkäufer einfließen können. Dafür arbeiten wir an kalibrierten Sprachmodellen, um Investorenprofile auf Aktualität zu prüfen, Unternehmensinformationen, vergangene Transaktionsmeldungen und relevante Nachrichtenmeldungen zu verarbeiten.

Diese Informationen wollen wir aggregiert in unseren Matching-Algorithmus einfließen lassen, der Verkäufern von Bestandsimmobilien, Entwicklungen oder Grundstücken professionelle Investoren vorschlägt. Diese Modelle könnten dann auch in unserem Datenraum nützlich sein, um bereitgestellte Dokumente zu analysieren, diese zu strukturieren und Lücken zu erkennen. Folglich wäre es spannend den Investoren auf Acquirepad neben dem Teaser auch einen Red-Flag Report bereitzustellen, um deren Due Diligence zu unterstützen.

Auch wenn manche der Entwicklungen noch etwas dauern, steht es außer Frage, dass sie irgendwann Realität werden. Dafür muss man jedoch nicht zwingend GPT-Modelle nutzen, sondern kann für die jeweiligen Anwendungsfälle passende Modelle auswählen, die man dann entsprechend anpasst. Auch größere Investmenthäuser arbeiten vermehrt an eigenen KI-Lösungen für das Asset-, Property- oder Portfolio-Management, um ihre Informationsverarbeitung zu beschleunigen und Prozesse zu automatisieren, um die Arbeit für die Mitarbeitendenen angenehmer sowie effizienter zu gestalten.

Sprachmodelle für Portfolio-Management und die Baustelle

Wirklich spannend sind die Möglichkeiten mehr Kontext, und zwar bis zu 300 Seiten, zu erfassen, wie es mit GPT Turbo 128K möglich ist. Das bedeutet, dass sich das Sprachmodell die bereitgestellten Inhalte merkt. Hierfür ist aber (noch) Entwicklungsarbeit notwendig. Die kann sich aber lohnen, wenn beispielsweise Portfoliomanager Reportings und zugehörige Datensätze einlesen können, um teil-automatisiert mit aktuellen Daten neue Reports zu erstellen. Auch bei der Datenanalyse und Visualisierung ist das hilfreich und steigert die Effizienz merklich. Schreiten die Entwicklungen so rasant weiter wie bisher, werden bald konkrete Empfehlungen für ESG-Maßnahmen im eigenen Portfolio möglich sein oder das Analysieren von komplexen Vertragswerken, um automatisierte Handlungsabläufe zum Beispiel Ausschüttungen zu steuern.

Im Bauwesen können Sprachmodelle dazu beitragen, die Planung und Durchführung von Bauprojekten zu verbessern. Spannend ist vor allem, dass man nun Bilddaten, Text und Datensätze verarbeiten kann, um beispielsweise alte Baubeschreibungen, Planungen und Bauzeitenpläne zu analysieren. Die Erkenntnisse können dann auf neue Projekte übertragen werden, zum Beispiel indem man Anforderungen formuliert und dann gleich konkrete Empfehlungen für die Leistungsbeschreibung erhält. Dokumentenwust wird somit überblickbar und das nahezu unabhängig von der Sprache, was auch auf der Baustelle Barrieren abbauen kann. Wer möchte, kann auch in wenigen Klicks sein eigenes Baumanagement GPT konfigurieren, vorausgesetzt man ist Chat GPT Plus Kunde.

Nicht abwarten, sondern Nutzen lautet die Devise

Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Sprachmodelle, eröffnen uns und der gesamten Immobilienbranche, spannende Möglichkeiten. Wer nicht programmieren kann oder möchte, hat mit Chat GPT die Möglichkeit dennoch KI zu nutzen. Wer versierter ist, kann die jeweils passenden Modelle per API nutzen und dabei auch auf Open Source Entwicklungen oder Modelle von Google, Meta, Aleph Alpha zurückgreifen. Während Chat GPT potenziell Datenschutzrisiken birgt und das Teilen von Informationen wohlüberlegt sein will, können lokal installierte und eigens-kalibrierte Modelle in sicheren Umgebungen mit vertraulichen Daten genutzt werden.

Wir stehen erst am Anfang und dürfen gespannt sein, wohin die Reise geht. Wichtig ist, nicht an der Seitenlinie zu verweilen, sondern die eigene IT dafür zu sensibilisieren oder selbst damit zu experimentieren. Fazit: Nicht abwarten, sondern Nutzen lautet die Devise.

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zuletzt editiert am 14. Dezember 2023
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