Gebäude mit Bäumen davor
In Bestandsbauten schafft das Internet of Things die Voraussetzung für Energieeffizienz und CO2-Einsparung. (Quelle: Siemens AG)

Digitalisierung

08. July 2022 | Teilen auf:

Intelligent und nachhaltig umrüsten

Mit IOT-Technologien sind Energieeinsparungen bis zu 35 Prozent möglich. Von Rainer Haueis

Als einer der großen Energieverbraucher spielen Gebäude auf dem Weg zur Klimaneutralität eine zentrale Rolle. Auch angesichts steigender Energiepreise lohnt es sich mehr denn je, entsprechende Einsparpotenziale auszuschöpfen. Und nicht nur das: Die Taxonomie-Verordnung der EU verpflichtet Finanzmarktteilnehmer, ihre nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten offenzulegen. ESG-Kriterien entscheiden heute mit über den Wert einer Immobilie. Mit aktuellen IOT-Technologien lassen sich auch Bestandsgebäude bilanzneutral zukunftsfähig machen: Die Energiekosten sinken, der Gebäudewert wird nachhaltig gesteigert.

Gebäude verursachen in Deutschland 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und 30 Prozent der CO2-Emissionen. Trotzdem verfehlt der Gebäudesektor die von der Bundesregierung gesteckten Klimaziele 2030 deutlich. Neben dem Umweltfaktor fällt vor allem auch der Kostenfaktor ins Gewicht: Die Energiekosten machen die Hälfte der Gebäude-Betriebskosten aus. Ohne Effizienzmaßnahmen erhöht sich der Betriebskosten-Anteil weiter, nicht nur, weil die Energiepreise steigen, sondern weil auch der Preis für die Emission von CO2 von Jahr zu Jahr zunimmt.

Der Schlüssel zu Energiewende und Klimaneutralität liegt in der Datenerfassung und Dezentralisierung der Energieversorgung: Nur wenn bekannt ist, wann und wo wieviel Energie in Gebäuden verbraucht wird, lassen sich Immobilien auf Dauer klimaneutral betreiben.

Modernisierung mit „Dekarbonisierung als Service“

Besonderes Augenmerk verdienen in diesem Zusammenhang Bestandsbauten. Denn sie machen 90 Prozent des Gebäudesektors aus. Doch Eigentümer verfügen oft nur über ein geringes Modernisierungsbudget. Bei Bestandsgebäuden braucht es indes nicht zwangsläufig aufwendige und teure Renovierungen. Im „Internet of Things“ (IOT) sorgen vernetzte Sensoren und Datenpunkte für die nötige Transparenz. Diese schafft die Voraussetzung für eine höhere Energieeffizienz und geringere CO2-Emissionen. Mit „Dekarbonisierung als Service“ lassen sich CO2-Einsparungen einfach wie eine Dienstleistung buchen. Eine cloudbasierte Energie- und Datenmanagement-Plattform sorgt dabei zunächst für eine automatisierte Erfassung, Speicherung und sichere Übertragung der Energie- und Gebäudedaten.

In einem zweiten Schritt werden diese Daten dann mit Hilfe von künstlicher Intelligenz automatisiert und fortlaufend analysiert. Das IOT-System erkennt Anomalien und Störungen und visualisiert die Analyseergebnisse in einem Dashboard. Auf Basis der Datenanalyse erstellt die Energie- und Datenmanagement-Plattform einen Maßnahmenkatalog zur Betriebs- und Energieoptimierung.
Aufgrund der konkreten Maßnahmen sinken der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen um bis zu 35 Prozent. Zusätzlich lassen sich die Energieverbrauchs-Daten im Rahmen der ESG-Nachhaltigkeits-Berichterstattung (Environment, Social, Governance) nutzen.

Für Gebäudeeigentümer und -betreiber – die sich für flexible Umsetzungsmodelle der IOT-Modernisierung entscheiden können – entsteht neben der Reduzierung der Energie- und CO2-Kosten weiterer Mehrwert: Sie haben keine CAPEX-Kosten, benötigen dank des OPEX-Modells mit kontinuierlichen Serviceraten (abhängig von der erzielten CO2-Reduzierung) kein Budget – und verfügen am Ende der Laufzeit über freien Cashflow.
Das Ergebnis: Die Gebäudeeffizienz und der Komfort werden erhöht, der Energieverbrauch gesenkt und der Betrieb automatisiert. Zugleich trägt die Investition in IOT-Technologien dazu bei, den Gebäudewert zu steigern.

Reiner Haueis ist Head Digital Enterprise Business, Siemens Smart Infrastructure.

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zuletzt editiert am 08.07.2022