Ein Katalog mit dem Titel "Kriterienkatalog Gebäude im Betrieb" liegt auf einem Tisch. Auf dem Cover sind Symbole für Euro, Menschen und einen Baum abgebildet.
Die DGNB veröffentlicht die überarbeitete Fassung der Zertifizierung für Gebäude im Betrieb. (Quelle: DGNB)

Nachhaltigkeit & ESG 2026-02-11T13:36:18.459Z DGNB schärft System für Gebäude im Betrieb

Die DGNB überarbeitet die Zertifizierung für Bestandsgebäude. Fokus: EU-Taxonomie, Kennzahlen-Reporting und Einsatz auf Portfolioebene.

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Version 2026 ihres Zertifizierungssystems für Gebäude im Betrieb veröffentlicht. Der Kriterienkatalog wurde nach Angaben der Organisation an aktuelle regulatorische Vorgaben angepasst und insbesondere mit der EU-Taxonomie harmonisiert. Ziel ist eine stärkere Ausrichtung auf Bestandsimmobilien sowie eine verbesserte Anschlussfähigkeit an marktübliche Reporting-Standards.

„Die Diskussion um Nachhaltigkeit im Gebäudebereich ist nach wie vor zu sehr an den Neubau gekoppelt, obwohl längst klar ist, dass der Schlüssel zur Transformation im Bestand liegt und die Potenziale dort immens sind“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Genau das liefert die neue Version des DGNB Systems für Gebäude im Betrieb.“

Bestandsgebäude im Fokus der Nachhaltigkeitsstrategie

Mit der überarbeiteten Zertifizierung adressiert die DGNB vor allem Eigentümer, Bestandshalter und Betreiber von Immobilien. Ausgangspunkt der Systematik ist eine ganzheitliche Bestandsanalyse, die den Ist-Zustand eines Gebäudes transparent machen soll. Berücksichtigt werden unter anderem nutzungsbedingte Verbräuche, Kostenstrukturen sowie Wirkungen auf Umwelt und Nutzer.

Das System versteht sich dabei als Management- und Optimierungsinstrument. Nach dem Prinzip „Plan, Do, Check, Act“ sollen Verbesserungspotenziale identifiziert und systematisch umgesetzt werden. Ein wesentliches Ergebnis des Zertifizierungsprozesses sind gebäudespezifische Transitionspläne, die die langfristige Entwicklung der Objekte unterstützen sollen, etwa mit Blick auf Klimaneutralität.

Nach Angaben der DGNB soll die Anwendung des Systems zudem helfen, Risiken wie Leerstände oder die Entstehung sogenannter Stranded Assets frühzeitig zu adressieren.

Harmonisierung mit EU-Regulatorik und Reporting-Anforderungen

Ein zentraler Bestandteil der Überarbeitung ist die Anpassung an gestiegene regulatorische Anforderungen. Die Kriterien wurden mit relevanten EU-Vorgaben harmonisiert, insbesondere mit der EU-Taxonomie. Neu aufgenommen wurde unter anderem das Themenfeld Biodiversität als eigenständiges Kriterium.

Die Zertifizierung ist laut DGNB stärker auf das Reporting von Kennzahlen ausgerichtet. Anwendende erhalten über eine standardisierte Dokumentation strukturierte Informationen zu wesentlichen Leistungsindikatoren, die für Bewertung und Berichterstattung genutzt werden können.

Auch in der Version 2026 besteht die Möglichkeit, ergänzend zum DGNB Zertifikat eine ESG-Verifikation zur EU-Taxonomie zu erlangen.

Einsatz auf Portfolioebene vorgesehen

Die DGNB hebt die Eignung des Systems für Immobilienportfolios hervor. Die Methodik ermögliche eine vergleichbare Bewertung der Gebäudeperformance und könne damit als Grundlage für strukturierte Investitions- und Steuerungsentscheidungen dienen.

Adressiert werden neben Asset- und Property-Managern auch Portfolio-Manager sowie institutionelle Investoren, darunter Banken, Versicherungen und Pensionsfonds. Darüber hinaus nennt die DGNB Facility Manager, Mietende sowie Akteure im Bereich Corporate Real Estate und Kommunen als relevante Zielgruppen.

Die aktuelle Überarbeitung erfolgte nach Angaben der DGNB in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Partnerorganisationen, darunter die Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI), der Green Building Council Denmark (DK-GBC), die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) sowie der Green Building Council España (GBCe).

„Die gemeinsame Erarbeitung der Kriterienanforderungen ist ein wichtiger Baustein, um die optimale Anwendbarkeit unserer Betriebszertifizierung sowie eine Vergleichbarkeit auch über Ländergrenzen hinweg sicherzustellen“, so Lemaitre.

Struktur und Anwendungsrahmen bleiben erhalten

In der Grundstruktur bleibt das Zertifizierungssystem unverändert. Es umfasst zehn Kriterien, die den Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales zugeordnet sind. Bewertet werden betriebsrelevante, beeinflussbare und optimierbare Nachhaltigkeitsaspekte.

Voraussetzung für eine Zertifizierung ist, dass sich das Gebäude seit mindestens einem Jahr im Betrieb befindet. Die Gültigkeit des Zertifikats beträgt drei Jahre, eine Verlängerung erfordert eine Rezertifizierung. Die Auszeichnungsstufen reichen von Bronze bis Platin.

Anpassungen im Qualifizierungsangebot

Parallel zur Systemüberarbeitung passt die DGNB auch ihr Fortbildungsangebot an. Die bislang erforderliche Qualifikation als DGNB ESG-Manager wird in zwei separate Schulungen überführt. Künftig wird zwischen dem „DGNB Auditor Gebäude im Betrieb“ mit Fokus auf die Auditierung und dem „DGNB-geprüften Experten zur EU-Taxonomie“ mit Schwerpunkt auf regulatorischen Anforderungen und Reporting unterschieden.

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zuletzt editiert am 11. Februar 2026