Porträt Frank Wojtalewicz
Frank Wojtalewicz (Quelle: d.i.i. Deutsche Invest Immobilien)

Unternehmen & Köpfe 2024-04-26T07:59:47.957Z D.i.i. beurlaubt Vorstandsvorsitzenden Frank Wojtalewicz

Frank Wojtalewicz wird mit sofortiger Wirkung beurlaubt – Rechtsanwalt Miguel Grosser übernimmt die Insolvenzverwaltung der d.i.i. Investment.

Bei Prüfungen im Zuge des Insolvenzverfahrens der d.i.i. Deutsche Invest Immobilien AG sind Unregelmäßigkeiten aufgefallen, die nun vertieft weiter untersucht werden. Vor diesem Hintergrund haben sich die Insolvenzverwalterin Dr. Romy Metzger von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz und d.i.i.-Vorstandsvorsitzender Frank Wojtalewicz auf eine Beurlaubung des Managers mit sofortiger Wirkung verständigt. Das gab das Unternehmen am Donnerstag, 25. April 2024, bekannt.

Zu Details machte die Insolvenzverwalterin keine Angaben. Sie betonte jedoch, dass die Vorkommnisse in keinem Zusammenhang mit dem Compliance-Fall aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag stehen. „Es bestehen Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten. Wir prüfen detailliert die entsprechenden Sachverhalte“, sagt Metzger. „Etwaige Maßnahmen in diesem Zusammenhang haben keine Auswirkungen auf das operative Geschäft der d.i.i.-Gruppe und die Handlungsfähigkeit des Unternehmens.“

Der laufende Geschäftsbetrieb konnte nach dem Insolvenzantrag in kürzester Zeit stabilisiert werden. Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens sagt Metzger: „Nach wie vor habe ich das Bild, dass die Entwicklungsperspektiven des Geschäftsmodells der d.i.i. sehr gut sind. Erste Gespräche mit strategischen Investoren zur Fortführung und Sanierung der Gruppe sind positiv angelaufen. Der Prozess wird aktiv durch einen renommierten, großen Finanzgläubiger der d.i.i. Deutsche Invest Immobilien AG unterstützt.“

Miguel Grosser als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt

Auf Antrag der Finanzaufsicht Bafin mit Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt am Mai vom 22. April 2024 wurde indes Rechtsanwalt Miguel Grosser von der Kanzlei Jaffé als vorläufiger Insolvenzverwalter der d.i.i. Investment GmbH bestellt. Die d.i.i. Investment GmbH ist eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die über die Erlaubnis verfügt, Investmentvermögen zu verwalten und untersteht als solche der Aufsicht der Bafin. Aktuell verwaltet und managt sie 16 Alternative Investmentfonds mit einem Volumen von insgesamt rund 621 Millionen Euro vorwiegend für professionelle Anleger, die schwerpunktmäßig in Wohnimmobilien investieren.

Grosser soll das Vermögen der Gesellschaften sichern und erhalten. Erste Maßnahmen dazu sind bereits eingeleitet und umgesetzt. Bis zur Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens soll der Geschäftsbetrieb weiter fortgeführt werden. Für die 31 Mitarbeiter der d.i.i. Investment GmbH wird gegenwärtig die Vorfinanzierung des ihnen zustehenden Insolvenzgeldes geprüft. Die Verwaltung und Betreuung der Fonds ist weiter gewährleistet.

Den Insolvenzantrag für das Fondshaus d.i.i. Investment GmbH hatte die Bafin am 17. April 2024 gestellt und gleichzeitig ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Grund für den Insolvenzantrag der Bafin war die Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung der d.i.i. Investment GmbH. Die Alleingesellschafterin der d.i.i. Investment, die Muttergesellschaft d.i.i. Deutsche Invest Immobilien AG, hatte bereits am 2. April 2024 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt am Main eingereicht.

Gefahr für Vermögenswerte – Sicherungsmaßnahmen eingeleitet

Die d.i.i. Investment GmbH erzielte nach den bislang vorliegenden Zahlen 2023 Umsatzerlöse in Höhe von 16,3 Millionen Euro vor allem aus Vergütungen für die Verwaltung der Investmentvermögen sowie aus Vergütungen für die Zeichnung von Investmentfondsanteilen beziehungsweise für die Investoren- und Objektbetreuung. Zuletzt konnten einige der Investmentvermögen die verschiedenen an die Gesellschaft zu leistenden Vergütungen wegen Liquiditätsschwierigkeiten nicht mehr bezahlen. Vor diesem Hintergrund sah die Bafin eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit der dem Institut anvertrauten Vermögenswerte sowie für die Erfüllung anderer Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern und stellte Insolvenzantrag.

Auch für die Objektgesellschaft d.i.i. 14. Neubau E GmbH, Gräfelfing, wurde vom Amtsgericht Frankfurt am Main nun die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Miguel Grosser als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Diese Objektgesellschaft hält das Projekt „Viktoria Viertel“ in Wiesbaden und gehört zum Fonds 14. GmbH & Co. Geschlossene Investment KG. Dieser Fonds umfasst insgesamt fünf Objektgesellschaften. Auch für ihn soll ein Insolvenzantrag gestellt werden.

Die Probleme führt das Unternehmen nicht nur auf höhere Baukosten, Lieferengpässe und Zurückhaltung bei potenziellen Käufern zurück, sondern auch auf ausbleibende Fördermittel. „Hinzu kommt, dass die dringend für Projektentwicklungen benötigten öffentlichen Fördermittel im Fonds 14 mit dem Entwicklungs-Fokus Hamburg, Düsseldorf und Wiesbaden nicht oder nur in begrenztem Umfang genutzt werden konnten. Die Projekte sind zum überwiegenden Teil komplett frei finanziert. Es hätte daher im Rahmen des Sanierungs- und Refinanzierungskonzepts ein nicht unerheblicher Bedarf an neuem Eigenkapital bestanden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Auch in diesem Verfahren hat der vorläufige Insolvenzverwalter Miguel Grosser bereits Maßnahmen ergriffen, um die Vermögenswerte der Gesellschaft zu sichern und zum Schutz der Gläubiger vor nachteiligen Veränderungen zu bewahren. Er führt gegenwärtig Gespräche, um sowohl die  d.i.i. Investment GmbH wie auch die d.i.i. 14. Neubau E GmbH zu stabilisieren. Ziel ist, in Abstimmung mit der Bafin im weiteren Verlauf der Insolvenzverfahren eine ordnungsgemäße Abwicklung beziehungsweise Übertragung der Geschäftstätigkeit zu erreichen.

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zuletzt editiert am 26. April 2024