Der ZIA sieht nach der EZB-Zinserhöhung weiter hohe Hürden für Investitionen und fordert politische Gegenmaßnahmen.
Mit der Anhebung des Einlagenzinses auf 2,25 Prozent hat die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit September 2023 wieder an der Zinsschraube gedreht. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) sieht dadurch die Herausforderungen für Investitionen in Wohnungsbau, Modernisierung und Klimaschutz nicht kleiner werden.
„Die EZB handelt im Rahmen ihres Mandats zur Preisstabilität. Für die Immobilienwirtschaft bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung bestehen: Finanzierungskosten liegen weiterhin deutlich über dem Niveau früherer Jahre, während hohe Baukosten Investitionen in Wohnungsbau, Modernisierung und Klimaschutz erschweren“, erklärt Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA.
Projekte werden verschoben
Nach Angaben des Verbands zeigen sich die Folgen bereits am Markt. Genehmigte Projekte würden verschoben, Neubauten neu kalkuliert oder gestoppt und energetische Sanierungen vertagt. Gleichzeitig bleibe der Druck auf dem Wohnungsmarkt hoch.
Deutschland benötigt laut ZIA bis 2040 jährlich rund 257.400 neue Wohnungen. Tatsächlich werde jedoch deutlich weniger gebaut. In vielen Regionen liege der Leerstand bei lediglich rund zwei Prozent oder darunter.

„Fehlt die Wirtschaftlichkeit, fehlen am Ende auch die Wohnungen – mit Folgen für Mieten und soziale Stabilität. Familien suchen oft monatelang nach bezahlbarem Wohnraum, während Projekte trotz Baugenehmigung in der Schublade bleiben“, so Schöberl. „Wir brauchen also ein politisches Gegensteuern.“
ZIA fordert bessere Rahmenbedingungen
Gemeinsam mit weiteren Bau-, Wohnungs- und Finanzverbänden hat der ZIA einen Appell für einen „Bau-Turbo II“ sowie einen Finanzierungsturbo veröffentlicht. Gefordert werden unter anderem eigenkapitalersetzende Maßnahmen wie Bürgschaften, Garantien oder Zuschüsse. Zudem sprechen sich die Verbände für verlässliche Abschreibungsmöglichkeiten sowie ein Aussetzen der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber aus.
„Die EZB macht Ihre Arbeit als Währungshüterin. Ob jedoch tatsächlich wieder verstärkt investiert und gebaut wird, hängt maßgeblich von den politischen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen ab, die die Bundesregierung jetzt setzen muss“, betont Schöberl.