2025 wurden in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Verbände warnen vor Folgen für Wirtschaft und Wohnungsmarkt.
Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Deutschland ist 2025 erneut deutlich gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent beziehungsweise 45.400 Wohnungen weniger als im Vorjahr.
Damit ging die Zahl der Fertigstellungen bereits im zweiten Jahr in Folge deutlich zurück. Niedriger lag der Wert zuletzt im Jahr 2012. Besonders stark betroffen waren Neubauwohnungen in Wohngebäuden. Dort sank die Zahl der Fertigstellungen um 20 Prozent auf 172.600 Wohnungen.
Rückgänge verzeichnete Destatis bei allen Gebäudearten. Die Zahl fertiggestellter Einfamilienhäuser fiel um 23,3 Prozent auf 41.800. Bei Zweifamilienhäusern lag das Minus bei 21,4 Prozent. In Mehrfamilienhäusern entstanden mit 109.800 Wohnungen rund 18,9 Prozent weniger Neubauwohnungen als im Vorjahr.
Osten stärker betroffen als Westen
Regional entwickelte sich der Wohnungsbau unterschiedlich stark. Während die Zahl fertiggestellter Neubauwohnungen im Westen um 16,7 Prozent zurückging, lag das Minus im Osten bei 34,3 Prozent. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Mehrfamilienhäusern in Ostdeutschland aus.
Auch die Bauzeiten verlängerten sich weiter. Im Durchschnitt vergingen zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung eines Wohngebäudes inzwischen 27 Monate. Im Jahr 2020 hatte die durchschnittliche Dauer noch bei 20 Monaten gelegen.
Zugleich blieb der Bauüberhang mit 760.700 genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen nahezu unverändert hoch. Davon befanden sich Ende 2025 rund 307.200 Wohnungen bereits im Bau.
Verbände warnen vor Folgen für Wachstum und Wohnungsmarkt
Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen sieht in den Zahlen ein Warnsignal für die Gesamtwirtschaft. „Die Fertigstellungszahlen beim Wohnungsbau sind Gradmesser für den Erfolg des Landes insgesamt. Denn die Wertschöpfung beim Wohnungsbau findet komplett inländisch statt. Ohne ausreichend Wohnungsneubau fehlt das Fundament für Wachstum“, sagt BFW-Präsident Dirk Salewski.
Der Verband verweist zudem auf eine steigende Überbelegungsquote, eine verschlechterte Geschäftslage im Wohnungsbau und rückläufige Beschäftigtenzahlen im Baugewerbe. „Es wird Zeit, dass aus den Ankündigungen endlich Gesetze werden“, so Salewski weiter.
Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnt: „45.400 Wohnungen weniger innerhalb nur eines Jahres sind ein wohnungspolitischer Alarmruf. Wenn in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt werden, zeigt das schonungslos, wie sehr der Wohnungsbau durch Überregulierung, hohe Baukosten und politische Unsicherheit ausgebremst wird“, so GdW-Präsident Axel Gedaschko.
Der Verband fordert unter anderem einfachere Baustandards, verlässliche Förderbedingungen und schnellere Abwägungs- und Genehmigungsverfahren.
Zahl erloschener Baugenehmigungen steigt deutlich
Parallel zu den rückläufigen Fertigstellungen nahm die Zahl erloschener Baugenehmigungen deutlich zu. Nach Angaben von Destatis verfielen im Jahr 2025 insgesamt 35.700 Baugenehmigungen für Wohnungen. Das war der höchste Stand seit 2002.
Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im Jahr 2025 zwar wieder um 10,6 Prozent auf 238.100 Wohnungen. Allerdings liegt weiterhin ein hoher Anteil genehmigter Projekte auf Eis oder wird verzögert umgesetzt.
