Steigende Verteidigungsausgaben verändern die Nachfrage nach Industrie- und Logistikflächen und eröffnen neue Chancen für den Immobilienmarkt – ein Kommentar von Bertrand Ehm.
Die geopolitischen Herausforderungen für die NATO und somit auch Deutschland führen zu tiefgreifenden Verschiebungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist das auf dem NATO-Gipfel im Juni 2025 beschlossene Ziel, zukünftig 3,5 Prozent der Bruttoinlandsprodukte für militärische Kernkompetenzen bereitzustellen.
Auch der Bundeshaushalt 2025 zeigt, dass die neue verteidigungspolitische Linie des Militärbündnisses in Deutschland einen hohen Stellenwert einnimmt: Circa 62 Milliarden Euro sind für Verteidigungsausgaben vorgesehen – ein Anstieg um rund zehn Milliarden Euro im Vergleich zu 2024. Zusätzlich sollen rund 24 Milliarden Euro aus den Mitteln des Sondervermögens Bundeswehr genutzt werden. Insgesamt werden 86 Milliarden Euro für verteidigungspolitische Maßnahmen aufgewendet – ein Anteil von 2,4 Prozent am deutschen BIP. Diese neue Ausrichtung trägt bereits heute zu einer klaren Verschiebung und zum Wachstum der deutschen Industrie- und Logistikinfrastruktur bei.
Neue Anforderungen und neue Prioritäten
Die infolge der Eskalation des Ukraine-Kriegs eingeläutete Zeitenwende führt zu staatlichen Militärausgaben in einem Ausmaß, wie es sie in Deutschland seit dem Kalten Krieg nicht mehr gegeben hat. Sollte das Ausgabenziel von 3,5 Prozent des BIP durch die NATO-Staaten innerhalb der nächsten sieben Jahre erreicht werden, würde laut aktuellen Savills-Berechnungen ein Bedarf von bis zu 37 Millionen Quadratmetern Industrie- und Logistikfläche in Europa entstehen – rund sechs Millionen Quadratmeter davon in Deutschland.
Nicht jede Fläche ist jedoch für den Verteidigungsbereich geeignet. Gebraucht werden Standorte mit optimaler Verkehrsanbindung, stabiler Energieversorgung und guter digitaler Infrastruktur. Die Flächen sollten baurechtlich unkompliziert nutzbar sein. Abhängig vom Nutzungs- oder Einsatzzweck können hohe Sicherheitsstandards gefordert werden – etwa Zugangskontrollen oder Widerstandsfähigkeit gegen Sabotage. Besonders begehrt sind zusammenhängende Grundstücke ab mehreren Hektar mit Erweiterungsoptionen. Aufgrund dieser Anforderungen entstehen häufig maßgeschneiderte „build-to-suit“-Lösungen, die physische, technische und cybersicherheitsspezifische Vorgaben einbeziehen.
Der Infrastrukturbericht 2024 der Bundeswehr zeigt: Das Bauvolumen lag bei rund 1,6 Milliarden Euro und steigt 2025 auf 1,7 Milliarden Euro. Parallel wächst auch das Engagement privater Unternehmen. Ein Beispiel ist Rheinmetall, das im September 2025 in Unterlüß das künftig größte Munitionswerk Europas eröffnete und dafür laut eigener Aussage rund 500 Millionen Euro investiert hat.
Zeitenwende auch für Immobilienmärkte
Die steigenden Verteidigungsausgaben markieren nicht nur eine sicherheitspolitische, sondern auch eine wirtschaftliche Zäsur. Mit dem Bedarf an hoch spezialisierten Produktionsstätten, Forschungszentren und Logistikflächen eröffnen sich neue Chancen für die Industrieimmobilienbranche. Deutschland nimmt dabei eine Schlüsselrolle in Europa ein.
Unerlässlich wird sein, wie gut Politik, Militär und private Unternehmen ihre Investitionen aufeinander abstimmen – denn die sicherheitspolitische Zeitenwende wird die Immobilienmärkte auf Jahre hinaus prägen. Gleichzeitig wächst der Druck, geeignete Flächen schnell bereitzustellen. Um den erhöhten Bedarf zu decken, sind beschleunigte Genehmigungsprozesse, klare Sicherheitsanforderungen und eine leistungsfähige Infrastruktur – etwa durch Schienenanbindungen – unerlässlich. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Behörden, Projektentwicklern und politischen Entscheidungsträgern.
