Der Global Cities Resilience Index 2026 von Wiredscore sieht München, Berlin und Frankfurt unter den weltweit resilientesten Büromärkten. Während die physische Widerstandsfähigkeit überzeugt, zeigen sich Defizite bei digitaler und Cyber-Resilienz.
Bürogebäude rücken zunehmend in die Nähe klassischer kritischer Infrastrukturen. Das ist eine zentrale Aussage des erstmals veröffentlichten „Wiredscore Global Cities Resilience Index 2026“. Im weltweiten Vergleich platzieren sich München (Rang 8), Berlin (Rang 10) und Frankfurt am Main (Rang 13) unter den 20 resilientesten Metropolen.
Wiredscore analysiert die Widerstandsfähigkeit urbaner Gebäudestrukturen entlang der Dimensionen physische Resilienz, digitale Resilienz und Cyber-Resilienz. Der Studienrahmen reflektiert veränderte Risikolagen für Immobilien, darunter klimabedingte Extremereignisse, steigende Abhängigkeiten von digitalen Systemen und wachsende Cyberbedrohungen.
Physisch robust, digital verwundbarer
Für die deutschen Standorte zeigt sich ein differenziertes Bild. Viele Bürogebäude verfügen laut Index über robuste physische Grundlagen, etwa durch Backup-Stromversorgung oder Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser- und Starkregenereignisse. Frankfurt erreicht in dieser Kategorie Rang 5. In den digitalen Disziplinen fallen die Ergebnisse jedoch zurück. Frankfurt liegt bei digitaler Resilienz auf Platz 12, bei Cyber-Resilienz auf Rang 13.
Als strukturelle Ursachen nennt Wiredscore unter anderem alternde Gebäudestrukturen, fragmentierte IT-Verantwortlichkeiten und fehlende standardisierte Cyber-Sicherheitsprüfungen. Europaweit konstatiert der Index eine systemische Schwäche bei der Cyber-Resilienz. Zwar existieren vielfach formale Sicherheitsrichtlinien, jedoch führen nur rund 57 Prozent der Gebäude regelmäßige, überprüfbare Vor-Ort-Assessments durch.
Besondere Risiken sieht die Analyse in der Betriebstechnik (Operational Technology, OT), da sicherheitsrelevante Vorfälle hier unmittelbare Auswirkungen auf Gebäude- und Geschäftsprozesse haben können. Gleichzeitig gewinnt die Qualität digitaler Konnektivität an Bedeutung. Defizite in der Gebäudeinfrastruktur könnten sich laut Studie zunehmend auf Produktivität, Mietdauern und Standortattraktivität auswirken.
Vor dem Hintergrund wachsender KI-Anwendungen verschärft sich der Handlungsdruck zusätzlich. Während Unternehmen entsprechende Systeme breit pilotieren, scheitert die Skalierung häufig an unzureichender digitaler Gebäudeinfrastruktur.
„Gebäude sind heute digitale Systeme mit einer physischen Hülle“, betont Merle Aldegarmann, Geschäftsführerin Wiredscore DACH. „Unsere Daten zeigen klar: Auch in Deutschland entscheidet sich der langfristige Wert von Immobilien zunehmend daran, ob Gebäude digital stabil, cyber-sicher und im Krisenfall funktionsfähig bleiben. Gerade Bürogebäude spielen dabei eine zentrale Rolle für die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft.“
