Beim Tag der Immobilienwirtschaft dominierten Bürokratieabbau, Reformdruck und Zweifel an der politischen Umsetzungskraft.
Der diesjährige Tag der Immobilienwirtschaft (TDI) des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) stand unter dem Motto „Einfacher. Entschlossener. Schneller.“ – und spiegelte damit die Stimmung vieler Branchenvertreter wider. Rund 1.800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten in Berlin vor allem über Bürokratieabbau, Wohnungsbau, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionshemmnisse.
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl griff zum Auftakt ein Zitat aus der „Ruck-Rede“ des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog auf. Die damalige Kritik an überbordender Regulierung wirke heute aktueller denn je. Schöberl warnte zudem vor zunehmender staatlicher Eingriffsdebatte im Wohnungsmarkt und den Folgen für den Finanzplatz Deutschland.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger formulierte seine Kritik an langwierigen Verfahren deutlich: „Behörden betrachten jeden Bauantrag wie einen Verdachtsfall.“ Dafür erhielt er spürbaren Beifall aus dem Publikum. Wohnen sei nicht nur eine soziale Frage, sondern zunehmend auch ein Standortfaktor für die deutsche Wirtschaft.
Weniger Applaus für politische Ankündigungen
Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte auf dem TDI eine geplante Verlängerung der EH55-Plus-Förderung an. Das bislang bis Ende Juni 2026 befristete Programm soll weiterlaufen, bis die bereitstehenden Mittel in Höhe von 800 Millionen Euro ausgeschöpft sind. Pro Wohneinheit stehen zinsverbilligte Kredite von bis zu 100.000 Euro zur Verfügung.
ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan sprach von einem „starken Signal für die Bau- und Immobilienbranche“. Gleichzeitig wurde auf dem TDI aber auch deutlich, dass viele Marktteilnehmer politischen Ankündigungen zunehmend skeptisch begegnen. Zwar standen erneut Themen wie Bauturbo, Gebäudetyp E und Reformen des Baugesetzbuchs im Fokus. Die Reaktionen im Saal fielen jedoch zurückhaltender aus als in den Vorjahren.
Mehrfach war auf und abseits der Bühne zu hören, dass die Branche weniger Erkenntnisprobleme als vielmehr ein Umsetzungsproblem sehe. Der Tenor vieler Gespräche: Der Reformbedarf sei erkannt, konkrete Fortschritte kämen jedoch zu langsam voran.
Südekum und Linnemann werben für Entbürokratisierung
Der Ökonom Jens Südekum sprach sich für umfassende Strukturreformen aus. Zentral seien Bürokratieabbau, steuerliche Reformen sowie mehr Vertrauen in Marktmechanismen. Gleichzeitig müsse Europa wirtschaftliche Abhängigkeiten strategisch reduzieren.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann forderte ebenfalls weniger Berichtspflichten und geringere staatlich verursachte Baukosten. Diese lägen in Deutschland bei rund 27 Prozent, in den Niederlanden dagegen nur bei acht Prozent. Auch seine Forderung nach einer „Zutrauenskultur statt Misstrauenskultur“ erhielt Zustimmung aus dem Publikum.
Innovationen als Hoffnungsträger der Branche
Neben den politischen Debatten standen auf dem TDI auch Zukunfts- und Innovationsthemen im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Aroundtown verlieh der ZIA die „Innovation of the Year“-Awards 2026 in den Kategorien Design & Build, Real Estate und Proptech.
- In der Kategorie Design & Build wurde die CEPA-Energiefassade der TOWERN3000 Projekt- & Medienagentur ausgezeichnet. Die Lösung kombiniert Dämmung sowie Heiz- und Kühlsysteme in einem vorgefertigten Fassadenelement.
- Den Preis in der Kategorie Real Estate erhielt Midstad Advisory für das „Social Impact Dashboard“, das die gesellschaftliche Wirkung von Immobilienprojekten datenbasiert analysiert.
- In der Kategorie Proptech gewann EnerCube mit einem vorgefertigten Wärmepumpenmodul für Mehrfamilienhäuser.
„Uns hat tief beeindruckt, mit welcher Qualität und Bandbreite die drei prämierten Unternehmen Innovationen in der Immobilien- und Bauwirtschaft vorantreiben“, so Aygül Özkan.
Auch Themen wie Digitalisierung, KI und neue Datenlösungen erhielten auf dem TDI mehr Raum als in den Vorjahren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Unternehmen die großen Effizienzpotenziale zwar erkennen, die tatsächliche Transformation der Branche jedoch weiterhin nur langsam voranschreitet.
Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage blieb der TDI auch 2026 ein zentraler Treffpunkt der Branche. Neben politischen Debatten und Reformforderungen prägten zahlreiche Gespräche, Networking und persönliche Treffen die Atmosphäre der Veranstaltung.