Porträt Susanne Eickermann-Riepe
Susanne Eickermann-Riepe (Quelle: ICG-Institut)

Nachhaltigkeit & ESG

24. May 2022 | Teilen auf:

Responsibility 2.0 – Ein ernstzunehmender Wandel

Die EU definiert die Anforderungen an das Management und die Aufsichtsgremien neu. Was das für Unternehmen bedeutet, kommentiert Susanne Eickermann-Riepe, Vorstandsvorsitzende des ICG-Instituts, Chair of the European World Regional Board und Chair of the Advisory Board Germany der RICS.

Die Welt ist im Wandel, wird zunehmend komplex, und die Unsicherheiten nehmen zu. Für diejenigen, die die Unternehmen lenken, eine Herausforderung, aber auch eine Verpflichtung. Und die Verantwortlichkeiten nehmen zu, nicht nur für die Steuerung des Unternehmens und die Mitarbeitenden, sondern auch für Kunden, beauftragte Dritte sowie für Umwelt und Gesellschaft.

Die Europäische Regulierung zeigt mit den ersten Entwürfen zur CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), dass es ernst gemeint ist, denn die Verantwortung des Managements und der Aufsichtsgremien wird neu definiert. Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft stehen gleichberechtigt neben der ökonomischen Verantwortung. Nicht nur finanzielle Berichterstattung ist wichtig, auch nicht-finanzielle Angaben werden in die Beurteilung der Unternehmen und Produkte einfließen.

Risiken müssen berücksichtigt werden

Dabei sind vor allem die sozialen und ökologischen Risiken im Blickpunkt, denen ein Unternehmen (auch in seiner Wertschöpfungskette) ausgesetzt ist. Es bedeutet auch, sich damit zu befassen, wie sich diese Risiken auf das Geschäft selbst, aber auch auf das Geschäftsmodell und die Wettbewerbsposition des Unternehmens auswirken könnten. Im Sinne des von der SFDR (Sustainable Finance Regulation Directive) eingeführten Konzepts der „doppelten Wesentlichkeit" muss der Vorstand eines Unternehmens nicht nur die Risiken für das Unternehmen (outside-in), sondern auch die vom Unternehmen verursachten Risiken für die Umwelt, die Stakeholder und die Gesellschaft insgesamt (inside-out) berücksichtigen.

Daher müssen die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sein und Ausschüsse eingerichtet werden. Die Veröffentlichung einer Kompetenzmatrix für Management und Aufsichtsgremium ist dabei nur der formale Weg, um sicherzustellen, dass die benötigten Fähigkeiten und erforderlichen Qualifikationen vorhanden sind.

Finanzielle und nachhaltigkeitsbezogene Ziele

Auch der DCGK (Deutscher Corporate Governance Kodex) hat diese Verantwortung in den Entwurf zur Konsultation aufgenommen und Ergänzungen in Bezug auf das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem und auf die Ausrichtung auf finanzielle und nachhaltigkeitsbezogene Belange formuliert: „Der Vorstand soll die mit den Sozial- und Umweltfaktoren verbundenen Risiken und Chancen für das Unternehmen sowie die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit systematisch identifizieren und bewerten. Die Unternehmensstrategie soll Auskunft darüber geben, wie die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ziele in einem ausgewogenen Verhältnis umzusetzen sind. Die Unternehmensplanung soll finanzielle und nachhaltigkeitsbezogene Ziele enthalten.“

Korrespondierend werden die Aufgaben und Kompetenzen des Aufsichtsrats ergänzt: „Der Aufsichtsrat soll insbesondere überwachen: wie die ökologische und soziale Nachhaltigkeit bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und deren Umsetzung berücksichtigt wird; dass strategische und operative Pläne finanzielle und nachhaltigkeitsbezogene Ziele umfassen; dass das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem auch auf nachhaltigkeitsbezogene Belange ausgerichtet ist (…) Das Kompetenzprofil des Aufsichtsrats soll auch Expertise zu den für das Unternehmen bedeutsamen Nachhaltigkeitsfragen umfassen.“

Der „Tone-from-the-top“ wird darüber entscheiden, wie die Verantwortlichkeiten intern und extern wahrgenommen werden. Eine neue Art von Governance-Qualität wird Einzug halten.

Auch interessant:

zuletzt editiert am 24.05.2022