Signa-Gründer René Benko ist auf Antrag der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsanwaltschaft in seiner Villa festgenommen worden.
Der Unternehmer und Gründer der Signa-Gruppe, René Benko, ist in seiner Innsbrucker Villa festgenommen worden. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (Wksta) erhebt schwere Vorwürfe gegen ihn, darunter Beweisfälschung, Veruntreuung, Vermögensverschleierung, betrügerischen Bankrott sowie Kapitalerhöhung durch ein sogenanntes Geldkarussell. Besonders im Fokus stehen auch mutmaßliche Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Luxusimmobilie am Gardasee sowie beim Immobilienprojekt Corbinian - ehemals Hertie/Karstadt - zwischen dem Münchener Bahnhofsplatz und dem Stachus.
Nach Benkos Vernehmung hat die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragt aufgrund von Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Beide Gründe schließen eine Freilassung gegen Kaution aus. Sollte die Untersuchungshaft gerichtlich angeordnet werden, wird Benko nach Wien überstellt.
Die Wksta wirft Benko vor, Vermögenswerte verschleiert und Gläubiger systematisch benachteiligt zu haben. So soll er unter anderem als faktischer Machthaber der Laura Privatstiftung agiert und deren Vermögen dem Zugriff von Behörden und Masseverwaltern entzogen haben. Darüber hinaus sollen Gelder aus einer Kapitalerhöhung innerhalb der Signa Holding durch verschachtelte Überweisungen letztlich als Eigenbeitrag von Benko ausgegeben worden sein. Zudem soll er eine luxemburgische Beteiligungsgesellschaft und ihre Villa Eden Gardone am Gardasee ohne entsprechende Gegenleistung an eine liechtensteinische Stiftung übertragen haben.
Die Ermittlungen erstrecken sich über vier Länder: Neben Österreich sind auch Deutschland, Liechtenstein und Italien involviert. Eine Vielzahl von Hausdurchsuchungen hat bereits stattgefunden, um Beweismittel zu sichern. Im Rahmen eines gemeinsamen Ermittlungsteams mit den Staatsanwaltschaften in Berlin und München wurde zudem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit intensiviert.
Zusätzlich wird Benko verdächtigt, hochpreisige Gegenstände wie Uhren und Waffen unrechtmäßig veräußert oder verborgen zu haben, um Gläubiger zu benachteiligen. Im Zusammenhang mit dem Bahnhofsplatzprojekt in München sollen Mittel aus einem ausländischen Staatsfonds zweckentfremdet worden sein, anstatt wie vereinbart vollständig in das Projekt zu fließen.
Mit insgesamt rund 150 Gesellschaften und Schulden in Höhe von 30 Milliarden Euro steht die Signa-Gruppe unter großem Druck. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen haben in den vergangenen Monaten durch Telefonüberwachungen, Nachrichtenanalysen und Zeugenaussagen von Geschäftspartnern und Mitarbeitern erhebliche Beweise gegen Benko gesammelt.
Update: Untersuchungshaft verlängert
Das Landgericht Wien hat am 31. Januar die Untersuchungshaft für René Benko um vier Wochen verlängert. Gegen diese Entscheidung kann aber innerhalb von drei Tagen Beschwerde erhoben werden. Spätestens am 28. Februar muss das Landgericht dann über eine weitere Verlängerung entscheiden.
