Wenn Hotelimmobilien in Berlin derzeit den Besitzer wechseln, hat der neue Eigentümer vielfach ganz andere Zukunftspläne mit den Herbergen. Von Bianca Diehl
Das Sheraton Berlin Grand Hotel in Kreuzberg wechselte im März für rund 116 Millionen Euro von Archer Hotel Capital in den Besitz der Deutschen Finance International (DFI). Damit gehörte dieser Deal, laut Grossmann & Berger, zu den größten Transaktionen in Berlin bis zum Ende des dritten Quartals dieses Jahres. Bei allen größeren Deals handelt es sich um Büroobjekte.
Mit dem Kauf sicherte sich DFI in Partnerschaft mit der Cells Group ein Fünf-Sterne-Hotel mit insgesamt 394 Zimmern. „Die attraktive Immobilie im Herzen Berlins bietet eine Reihe von Optimierungsansätzen, die das Potenzial der Immobilie signifikant erhöhen, ohne eine zukünftige Hotelnutzung auszuschließen“, beschreibt Dirk Ruppert, CIO der Cells Group, die Überlegungen der Partner zum Erwerb des Objekts. „Zusammen mit DFI werden wir einen weltbekannten Architekten beauftragen, um mit uns gemeinsam die Optionen für die Zukunft der Immobilie zu prüfen, während wir den aktuellen Hotelbetrieb mit einem mehrjährigen Mietvertrag fortführen.“
Das Sheraton Grand ist nicht die einzige Herberge in der Bundeshauptstadt, deren Zukunft als Hotel nicht gesichert ist. So wird aus dem ehemaligen Hotel- und Hostelgebäude „The Loom" am Warschauer Platz eine Multi-Tenant-Gewerbeimmobilie. Ein Münchener Family Office hat das denkmalgeschützte Gebäude im Oktober erworben. Und Coros kaufte eine Hotelimmobilie in Friedrichshain-Kreuzberg, die als digital verwaltetes Serviced Apartmenthaus neu positioniert werden soll.
Gäste kommen wieder – langsam
Dennoch gibt es weiterhin genug Bettenauswahl für Berlin-Besucher. Nachschub kommt zum Beispiel am Flughafen Berlin Brandenburg: Hier eröffnete im Oktober das Loginn Hotel Berlin Airport mit 180 Zimmern. Und am Estrel Hotel in Neukölln strebt der neue Tower weiter seiner Vollendung entgegen. Im August wurde die Bodenplatte erstellt, Ende 2024 soll das Gebäude mit einer Mischung aus Hotel, Serviced Apartments, Büros, Gastronomie und Veranstaltungsflächen erste Gäste empfangen.
Keine neuen Betten entstanden durch den Kauf eines Hotels am Berliner Hauptbahnhof durch A&O Hostels im April. Der Betreiber war schon seit zwölf Jahren Mieter am Standort und hat das Objekt ins Eigentum übernommen.
Von Januar bis August verzeichnete Berlin nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg rund 16,9 Millionen Übernachtungen. Das sind zwar über 158 Prozent mehr als im Vorjahr, aber im Vergleich zum Jahr 2019 fehlen noch immer 25,5 Prozent. Vor allem Gäste aus dem Ausland vermissen die Berlinern Hoteliers noch: Hier lag das Minus im Vergleich zu 2019 in diesem Zeitraum sogar bei 39,1 Prozent.
