Porträt Vanja Schneider
Vanja Schneider (Quelle: Alfred Steffens Photograpy)

Unternehmen & Köpfe 2025-10-27T07:14:07.928Z Vanja Schneider gründet Beratungsgesellschaft

Bauwertkreis begleitet Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche bei der Einführung zirkulärer Bau- und Nutzungskonzepte. Wir haben Gründer Vanja Schneider drei Fragen gestellt.

Mit der Gründung der BauWertKreis GmbH startet eine neue bundesweit tätige Beratungsgesellschaft, die sich auf Kreislaufwirtschaft im Bauwesen spezialisiert. Ziel ist es, Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft bei der Entwicklung und Umsetzung zirkulärer Strategien zu unterstützen.

„Die Branche weiß, dass wir umdenken müssen. Doch aktuell scheitert es häufig an der Frage, wie sich ökologische Maßnahmen umsetzen lassen und wirtschaftlich tragfähig sind“, sagt Gründer Vanja Schneider. „Genau hier setzt Bauwertkreis an: Wir entwickeln Lösungen, um unseren Kunden auf den richtigen Weg zu bringen und zeigen, wie kreislauffähiges Bauen in der Praxis funktioniert und einen wirtschaftlichen Mehrwert mit sich bringt.“

Der diplomierte Wirtschaftsingenieur verfügt über langjährige Erfahrung in der Projektentwicklung und im ökologischen Bauen. Bis 2025 war Schneider geschäftsführender Gesellschafter bei Moringa. Zuvor war er rund 16 Jahre für Interboden tätig. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Schneider als Gastdozent für nachhaltiges Bauen an der RWTH Aachen und der Bergischen Universität Wuppertal aktiv.

Das neue Unternehmen mit Sitz in Grevenbroich richtet sich an Bauherren, Materialhersteller, Projektentwickler, Bestandshalter, Bauunternehmen und Kommunen. Die Leistungen reichen von der strategischen Planung über die praktische Umsetzung bis zur Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle. Im Zentrum steht ein ökologisch ausgerichtetes Projektmanagement, das wirtschaftliche Aspekte von Beginn an mitdenkt.

Drei Fragen an... Vanja Schneider

Herr Schneider, Sie sprechen von einem „wirtschaftlichen Mehrwert“ zirkulärer Bauweisen. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Stellschrauben, um Ökologie und Ökonomie in Projekten sinnvoll zu verbinden?

Vanja Schneider: Das ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, die von Anfang eines Planungsprozesses mit einzubeziehen sind. Die wesentlichen „Stellschrauben“ sind: 

  • Ressourcenoptimierung durch intelligente, kreislaufgerechte Konstruktionsweisen (z.B. geringere Statik = weniger Baumasse),
  • Einbeziehung von Finanzierungsvorteilen durch Berücksichtigung von ESG-Mehrwerten,
  • frühzeitige Klärung zur Beschaffung kreislaufgerechten und CO2-reduzierter Materialien,
  • Vereinbarung von Rücknahmeverpflichtungen idealerweise mit Rückvergütung der Restwerte,
  • Verzicht auf Komfortansprüche zu Gunsten von ökologischen Innovationen (z.B. in der TGA oder bei bauphysikalischen Vorgaben),
  • Mieten der Materialien anstatt Kaufen („Product-as-a-Service“),
  • perspektivisch werden CO2-Gutschriften noch einen höheren ökonomischen Mehrwert mit sich bringen.

Viele Unternehmen in der Branche stehen beim Thema Kreislaufwirtschaft noch ganz am Anfang. Wo sollte man Ihrer Erfahrung nach ansetzen – und welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Vanja Schneider: Der Handlungsbedarf und das Zukunftspotenzial auf Seiten der Produkthersteller und bauausführenden Betriebe ist erkannt. Inzwischen gibt es ein sehr breites Angebot an technischen Lösungen sowie Unternehmen, die das umsetzen können. Auch die Planer haben sich dazu in den letzten Jahren eine tiefergehende Expertise angeeignet. Aktuell scheitert es aber häufig an der Bereitschaft der Geldgeber diesen Weg zu gehen, da ökologische Mehrwerte meist mit höheren Kosten in Verbindung gebracht werden. Natürlich ist das eine „Gradwanderung“. Es muss aber nicht so sein, wenn von Anfang an der Blick auf Ökologie und Ökonomie fokussiert wird und der oben beschriebene ganzheitliche Prozess konsequent in allen Projektphasen berücksichtigt wird. Es gibt ja inzwischen auch gute Praxisbeispiele, bei denen das gelungen ist, wie zum Beispiel die Eco-Bauweise der Ratisbona. Davon brauchen wir mehr und müssen daraus lernen.

Zirkuläres Bauen ist komplex und oft stark reguliert. Wo sehen Sie aktuell den größten strukturellen Handlungsbedarf – bei Marktakteuren, bei der Politik oder in den Genehmigungsprozessen?

Vanja Schneider: Der größte Hebel liegt darin, dass wir endlich wegkommen müssen von der Frage „was kosten Investitionen in Nachhaltigkeit“ sondern wir müssen dahinkommen uns zu fragen „was kostet es, wenn wir das nicht tun“. Ökologische Mehrwerte müssen zu klar definierten ökonomischen Vorteilen führen. Wir brauchen harte Währungen, wie Rohstoffwerte und CO2-Gutschriften, die in unseren Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zum Standard werden. In Dänemark ist bei Neubauten inzwischen vorgeschrieben, einen Ökobilanzwert nachzuweisen. In den Niederlanden wird es künftig bei Neubauten eine Vorgabe an Zirkularität geben. Das kann ein erster guter Schritt auch für uns sein.

Kreislaufgerechte Materialien haben doch dann einen Wert, wenn diese nach Gebrauch unkompliziert und zerstörungsfrei demontiert sowie wiedereingesetzt werden können. Das heißt diese Materialien haben einen Restwert, der dann aktiviert wird, wenn der Wiedereinsatz feststeht. Diese Werte finden aber noch keinen Ansatz, da der Kapitalmarkt das noch nicht ausreichend würdigt. Hierbei könnte die EU-Taxonomieverordnung eine entscheidende Rolle einnehmen. Aktuell ist die EU-Taxonomie lediglich eine Offenlegungsverpflichtung im Sinne einer Bilanzierung, bei der es aber noch keine Konsequenzen gibt, wenn diese nicht zur Anwendung gelangt. Aus meiner Sicht könnte die EU-Taxonomie aber eine Grundlage für ein umweltausgleichendes System auch für unsere Branche werden, bei denen die Immobilien, die nachhaltig geplant, gebaut und bewirtschaftet werden, belohnt werden und diejenigen die das nicht aufweisen, bestraft werden. Ohne Politik wird es demnach nicht gehen.

Zum Glück gibt es immer mehr Akteure, die den Handlungsbedarf erkannt haben und den Weg ohne politische Vorgaben eingeschlagen haben. Immerhin ist unsere Branche der größte Umweltverschmutzer und eine gewisse Selbstpflicht ist für uns und künftige Generationen obligatorisch. Außerdem können sich ja auch interessante neue Geschäftschancen ergeben.

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zuletzt editiert am 28. Oktober 2025
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