Bülent Alemdag, Alexander Ego und Nicolas Werner, Geschäftsführer der Realogis Gruppe, mit einer Prognose zum Industrie- und Logistikimmobilienmarkt.
Zur Expo Real hatten viele das Gefühl, jetzt kommt die Aufbruchstimmung. Der Investmentmarkt für Industrie- und Logistikimmobilien hatte etwas Fahrt aufgenommen. Aber der Markt bleibt weiterhin gebremst. Das Sicherheitsbedürfnis von Investoren bleibt hoch – insbesondere vor dem Hintergrund der globalen Entwicklungen und offenen Fragen, wie sich eine neue US-Regierung auf Europa und die Wirtschaft auswirken wird. Hinzu kommt eine geschwächte Industrie in Deutschland.
Die Kapitalseite – Banken sowie Pensionskassen, Versicherungen und Fonds – tut sich schwer. Nach der langjährigen Boom-Phase in Logistikimmobilien-Investments in Deutschland bieten andere europäische Länder teilweise attraktivere Renditen oder für alternative Anlageinvestments. Bei Kaufverhandlungen dominiert vor allem der Preis.

Viele Unternehmen agieren hinsichtlich ihrer Entscheidungen restriktiv und versuchen die derzeitige Krise auszusitzen. Bei der geschwächten Industrie in Deutschland kommt das (Neu-)Geschäft für deren klassische Logistikdienstleister ins Stocken, mit Einfluss auf den Vermietungsmarkt für Industrie- und Logistikimmobilien.
Deutlich wird das bei der Automotive-Branche, die besonders im Fokus der Öffentlichkeit steht. Die Attraktivität der E-Mobilität bei den Endkonsumenten in Deutschland ist stark gesunken. Die Frage danach, wo der Strom herkommt und welche Infrastruktur den Fahrer in diesem Land erwartet, ist verstärkt in den Mittelpunkt gerückt. Wer kann, fährt sein (Verbrenner-)Fahrzeug länger. Neuanschaffungen bleiben aus.
Zwei Seiten einer Medaille
Während sich die Industrie weiterhin zu ihren Elektromobilitätsstandorten in Deutschland bekennt – wenn auch mit gedrosselter Produktion, Stellenabbau, Kurzarbeit und dem „Zwischenparken“ produzierter Fahrzeuge – erlebt der After-Sales-Bereich für Bestandsfahrzeuge eine neue Blütezeit.
Die Nachfrage nach Immobilien mit WGK, Gefahrgutlagern und temperaturgeführten Immobilien steigt bei Nutzern aus den Segmenten Pharma, (Batterie-)Produktion und Entwicklung.

Ein wesentlicher Treiber bleibt der Konsumentenmarkt. In Ballungsräumen wie z.B. in Berlin – ohne allzu viel Industrie – bleibt der stationäre und Online-Handel 2025 einer der stärksten Flächenabnehmer.
Die Lage der Immobilie wird 2025 eine sehr große Rolle spielen. Da sofort verfügbare Neubauflächen knapp sind, gewinnen freiwerdende Bestandsimmobilien an Bedeutung.
In Metropolregionen wie Berlin und München werden die Vermietungsumsätze auf dem Niveau der Vorjahre und des langjährigen Durchschnitts erwartet.
Auf dem Investmentmarkt liegt der Fokus auf nachhaltigen und innovativen Lösungen, innerstädtischen Flächen mit hoher Vermietungswahrscheinlichkeit sowie Standorten, die Deutschlands zentrale Rolle im europäischen Logistiknetzwerk betonen. Zudem bleibt das Interesse von Investoren an innerstädtischen Flächen in den Ballungsräumen Deutschlands aufgrund der großen Vermietungswahrscheinlichkeit hoch. In 2025 werden hier weitere Gewerbeparkentwicklungen erwartet.
Fazit: Es bleibt spannend.