Der Umbau der Flächen im Corporate Real Estate duldet keinen Aufschub mehr, betont Hendrik Staiger in seinem Kommentar.
Vor sechs Jahren sorgte Professor Dr. Andreas Pfnür mit einer ZIA-Studie zum Thema Corporate Real Estate Management für Aufsehen: Damals prognostizierte er, dass rund die Hälfte der Corporate-Real-Estate-(CRE)-Flächen innerhalb eines Jahrzehnts entweder ersetzt oder grundlegend modernisiert werden müssen. Bei rund einem Drittel sei ein grundlegendes Redevelopment erforderlich. Diese Zahlen waren damals ein Weckruf – heute sind sie ein Handlungsimperativ.
Sechs Jahre später hat der Transformationsdruck im CRE-Markt nicht nachgelassen – im Gegenteil, er hat sich verschärft. Die fortschreitende Digitalisierung, hybride Arbeitsmodelle, ESG-Vorgaben und ein sich zuspitzender Fachkräftemangel haben nicht nur die Notwendigkeit verstärkt, CRE-Flächen zu modernisieren, sondern erfordern auch eine grundlegende Neubewertung ihrer Nutzung.
Beispiel Büro: Die pandemiebedingte Umstellung auf Homeoffice hat den Bedarf an klassischen Büroflächen reduziert, während gleichzeitig der Bedarf an flexiblen Arbeitsräumen, Coworking-Spaces und hybriden Arbeitsmodellen deutlich gestiegen ist. Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des Wunsches von Unternehmen, ihre Beschäftigten wieder verstärkt ins Büro zu locken, gewinnen attraktive und flexible Arbeitsräume an Bedeutung.
Trotzdem verharren viele Unternehmen im Wartemodus. Die strategische Ausrichtung ihrer Immobilien hinkt oft hinter der Realität zurück – nicht aus Ignoranz, sondern aufgrund der hohen Komplexität. Die Gleichung ist herausfordernd: steigende Investitionskosten auf der einen Seite, notwendige Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsausgaben auf der anderen. Wer modernisieren will, muss priorisieren – und zwar richtig.
Zaghafter Fortschritt – aber in die richtige Richtung
Dennoch: Es bewegt sich etwas. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert intelligenter CRE-Konzepte. Wichtige Themen dabei sind ein durchdachter Umgang mit den Bestandsimmobilien und die Entwicklung von neuen, flexiblen und nachhaltigen Gebäuden. Gerade größer angelegte Campus-Entwicklungen zeigen, wie Innovationen und Nachhaltigkeit ineinandergreifen können, um die Unternehmensareale effizienter, attraktiver und zukunftsfähiger zu machen.
Der Perspektivwechsel ist entscheidend: Immobilien dürfen nicht länger als bloßer Kostenblock betrachtet werden. Sie sind ein strategisches Asset, das Unternehmen nicht nur dabei hilft, ihre Mitarbeiter zu binden, sondern auch ihre Flexibilität und Innovationskraft zu steigern. Wer vorausschauend plant, steigert die betriebliche Effizienz sowie die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz des Unternehmens.
Die Herausforderung, die Professor Dr. Pfnür 2019 in seiner Studie beschrieben hat, ist noch nicht gemeistert, aber die Notwendigkeit zur Umsetzung von Veränderungen ist dringender denn je. Nur durch eine langfristig orientierte CRE-Strategie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Immobilienbestände auch in den nächsten zehn Jahren noch ihren Platz in der modernen Arbeitswelt behaupten. Unternehmensimmobilien sind heute mehr als Beton und Fläche – sie sind ein Spiegelbild unternehmerischer Weitsicht. Wer heute investiert, baut nicht nur Gebäude, sondern gestaltet Zukunft.
Ein Kommentar von Hendrik Staiger, Vorstandssprecher der Beos AG.
