Porträtbild Peter Holzer
Peter Holzer (Quelle: J. Rolfes)

Unternehmen & Köpfe 2023-07-12T08:47:25.094Z "Raus aus dem Mittelmaß: Mehr Mut zur Klarheit"

Was zeichnet eine gute Führungskraft aus? Und woran scheitern Firmen immer wieder? Wir haben bei Unternehmer-Coach Peter Holzer nachgefragt.

Peter Holzer ist Unternehmer-Coach in nicht börsenorientierten Familienunternehmen sowie Autor und Vortragsredner zu Themen wie Lebens- und Unternehmensführung sowie Change-Management-Prozessen. Im Interview erklärt er, woran Firmen immer wieder scheitern, was eine gute Führung ausmacht und welche kritischen Fragen wir uns immer einmal stellen sollten.

Herr Holzer, wie nehmen Sie die Arbeitswelt derzeit wahr?

Peter Holzer: In vielen Unternehmen scheint sich zunehmend die Haltung zu verbreiten, dass Arbeit etwas Unangenehmes ist. Etwas das anstrengend ist und was man idealerweise zurückfahren sollte. Irgendwie auch verständlich, denn unser Leben ist endlich. Warum also Malochen wie ein Berserker? Doch die Anspruchshaltung, nur noch 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich zu arbeiten, ist dekadent. Leider ist in unserer Gesellschaft die Bequemlichkeit des Mittelmaßes zur Normalität geworden. Wir sollten uns als Gesellschaft fragen: Was ist uns wirklich wichtig und gehört Wohlstand dazu? Wo ist unser Streben nach Exzellenz geblieben?

Ihr neues Buch heißt „Mut zur Lebens-Führung – Wie Sie in einer unsicheren Welt selbstbestimmt bleiben — oder es endlich werden“ - Wie können wir wieder zu mehr Gelassenheit kommen und uns auf das Wichtige fokussieren?

Peter Holzer: Was wirklich wichtig ist, kann nur jeder selbst entscheiden. Dazu braucht es den Mut zur Klarheit. Jeder sollte in den eigenen Spiegel schauen und sich fragen, wohin will ich in meinem Leben? Und bin ich auch bereit, den Preis dafür zu zahlen? Wer selbstbestimmt handelt, eckt eben auch an. Viele Menschen scheuen sich zum Beispiel, dem Chef zu sagen, wenn ihnen etwas nicht passt oder man anderer Meinung ist - aus Angst dann nicht mehr zum Zirkel dazuzugehören. Auch in unserer Gesellschaft fehlt es an einer konstruktiven Streitkultur - oft aus Sorge vor Ablehnung oder was andere über uns denken. Wir leiden unter dem "Gemocht-werden-wollen-Virus" und verstecken unsere Infektion unter übertriebenem Respekt. In einer Welt, die nun mal unsicher ist, hilft es nur, die eigene Angst zu überwinden und einen persönlichen, mutmachenden Horizont zu verfolgen.

Sie haben selbst mehrere Lebenskrisen durchlebt. Wie können wir kraftvoll durch schwierige Situationen kommen?

Peter Holzer: Als ich damals in der Finanzindustrie arbeitete, konfrontierte mich die Diagnose Krebs überraschend mit meiner eigenen Endlichkeit. Bei einem Schicksalsschlag wie diesem hat man nur zwei Möglichkeiten: Entweder zerbricht man an der Krise oder man wächst an ihr und wird stärker. So hart das klingt, aber das ist eine Frage der persönlichen Entscheidung. Ich wollte auf keinen Fall jammern und mich wie ein Opfer meinem Schicksal ergeben. Stattdessen habe ich meinen Horizont klar im Blick. Weiß, wo ich hin will. Natürlich habe ich auch mal schlechte Tage. Dann mache ich einfach Gegenwart: Mal rettet mich eine Runde Sport, mal eine Creme Brûlée – und auf jeden Fall die Gewissheit, dass morgen die Sonne wieder aufgeht.

Sie haben Ihr zweites Buch mit „Führung stirbt nicht“ betitelt. Was machen Führungskräfte falsch und was sollten sie verbessern?

Peter Holzer: Friseure, Ärzte, Piloten machen nicht nur eine intensive Ausbildung, sondern bilden sich auch regelmäßig fort. Nur bei Führung erliegen wir der Illusion, dass man das kann, wenn man fachlich gut ist und einmal einen 2-Tages-Kurs für Kommunikation besucht hat. Entsprechend gibt es leider viele Führungskräfte, die gar nicht führen können – und rund ein Drittel, die es auch gar nicht wollen.

Deswegen sollten Unternehmen ehrlicher sein, worauf es ankommt. Nämlich erstens: auf die innere Haltung. Habe ich das Zeug zu führen? Wer nur das Prestige oder den höheren Gehaltsscheck will, sollte nicht führen. Entscheidend ist, dass man auch die unangenehmen Seiten der Führung beherrscht. Wer das nicht kann, darf nicht führen. Wir haben zu viele konfliktscheue Führungskräfte.

Zweitens: Wir brauchen mehr eingeschworene Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und erster Führungsebene. In der Praxis begegnen mir eher Komitees; Gruppen von Individuen, in denen jeder sein Ding macht und mit dem Finger gegenseitig die Schuld zugewiesen wird. Stattdessen sollten wir eine respektvolle Streitkultur trainieren, in der es nicht darum geht, wer etwas sagt – sondern, dass die beste Idee gewinnt. Und die entsteht eben meist im Diskurs.

Drittens: Klarheit. Wo wollen wir hin? Das ist die entscheidende Führungsfrage. Mir begegnen immer wieder Anführer, die darauf keine Antwort haben. Wo ist Ihr verlockender Horizont? Die mutmachende Story, die den Menschen im Unternehmen Orientierung gibt und für Aufbruchstimmung sorgt?

Viertens: Mehr machen. Weniger reden. Erfolg scheitert nicht an guten Ideen, sondern an schlechter Umsetzung. Führungskräfte müssen für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen, damit die Menschen für Ergebnisse sorgen können.

Was zeichnet für Sie eine gute Führungskraft aus?

Peter Holzer: Sie muss gewinnen wollen, konsequent in der Zielerreichung sein, hohe Ansprüche verfolgen und diese in machbare Ziele übersetzen. Das Überstrapazieren von Empathie führt zu Mittelmaß. Eine gute Führungskraft muss klare Kante zeigen. Hart in der Sache, fair zum Menschen.

Am 8. August werden Sie im Rhein-Energie-Stadion in Köln mit Führungskräften zum Thema „Weltmeisterlich führen“ sprechen. Worum geht es da genau?

Peter Holzer: Das Thema Führen wird in vielen Unternehmen sehr stiefmütterlich behandelt. Für die Entwicklung von echter Führungsfähigkeit bleibt wegen des Tagesgeschäfts oft keine Zeit.

Erfolg fällt nicht mehr vom Himmel. Gute Führung ist gefragt. Gut ist Führung dann, wenn die Menschen, die geführt werden, stärker und mutiger werden. Mit dieser Veranstaltung laden wir Führungskräfte ein, die sich den Herausforderungen unserer Zeit stellen wollen. Die daran glauben, dass eine konstruktive Streitkultur die Basis ist, auf der die besten Ideen entstehen. Mit Dilar Kisikyol wird die Boxweltmeisterin im Leichtgewicht zu Gast sein. Sowie Dr. Werner Wolf, der am Beispiel des 1. FC Köln das Thema Führung im Spannungsfeld aus sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg betrachtet.

Wer soll mit der Veranstaltung angesprochen werden?

Peter Holzer: Dieses exklusive Abend-Event richtet sich an Geschäftsführer, Vorstände, Unternehmer und Führungskräfte. Menschen, die etwas bewegen wollen. Die Besucher können sich auf drei inspirierende Vorträge von hochkarätigen Referenten freuen und einen qualitativ hochwertigen Rahmen für den Austausch unter Gleichgesinnten.

Wie sollten sich Unternehmen für die Zukunft aufstellen?

Peter Holzer: Mehr Mut zur Haltung ist wichtig. Ich muss als Kunde, als Führungskraft, als Mitarbeiter wissen: Wofür steht das Unternehmen? Führungskräfte sollten „richtig Bock“ haben, mit ihrem Team zu gewinnen und ein starker Charakter sein mit allen Ecken und Kanten. Nichts ist schlimmer, als immer einem Zeitgeist hinterherzurennen.

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zuletzt editiert am 12. Juli 2023