Ein Mann. 30 Praktika. In verschiedensten Unternehmen der Immowelt. Ron Hess wird in unserer Serie #ichlernenoch freiwillig zum Langzeitpraktikanten.
Samstag früh 8:15 Uhr im (noch) November - wir fahren nach Berlin – aus einem guten Grund oder sagen wir lieber einem guten Zweck. Denn ich hatte die tolle Möglichkeit, mein letztes Praktikum für 2024 bei einem wahren Herzensprojekt absolvieren zu dürfen: Dem Heat24. Einem 24-Stunden-Spendenlauf, dessen Ziel es ist, ein klares Zeichen für die „Unsichtbaren“ der Stadt zu setzen, die weder ein Dach über dem Kopf oder ein warmes Bett haben, in das sie sich an kalten Wintertagen zurückziehen können.

Dafür musste ich mich aber erst einmal in einen Zug nach Berlin setzen. Mit im Gepäck die klassischen drei E´s: Elan, Engagement und Esprit – ach und Sylvio, meinem Head of Key Accounting, geschätzten Kollegen und Reise-Bestie. Der war so begeistert von der Idee des Heat24, dass er kurzerhand ebenfalls mitmachen wollte. Also machten wir uns gemeinsam an einem für den November außergewöhnlich sonnigen Morgen Richtung Hauptstadt, um unser Terrain für die nächsten 24 Stunden am Wittenbergplatz zu erkunden.
Die ersten Läuferinnen und Läufer standen Punkt 12 auch schon bei fünf Grad Außentemperatur – gefühlt eher minus 15 Grad - in den Startlöchern. Jeder Meter zählt: Sechs bis sieben Kilometer Strecke werden hier je Läufer für den guten Zweck erlaufen, bis der Staffelstab an die nächste Gruppe weitergeben wird. Und das wird mit einer neuen Gruppe zu jeder vollen Stunde wiederholt – insgesamt 24 Mal. Die letzte Gruppe hat dann die ehrenvolle Aufgabe, die Spendensumme zur Berliner Stadtmission zu tragen.
Von der Schnapsidee zur lebensrettenden Aktion

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Anastasija Radke – meiner neuen Chefin auf Zeit. Beheimatet in der Immobilienwirtschaft hat Sie mit Ihrem Spendenlauf, welchen sie zunächst als wahre Schnapsidee abstempelte, in den vergangenen Jahren geschafft, insgesamt rund 235.000 Euro für den guten Zweck zu sammeln.
Mir stand derweil nur eins ins Gesicht geschrieben: Pure Begeisterung und Erfrierungen an der Nasenspitze. Nicht nur für die Aktion selbst, sondern auch für meine Aufgaben in den nächsten 24 Stunden. Denn jemand der solche Visionen hat, braucht natürlich auch einen passenden Assistenten – mich. Kurzerhand tauchte ich in die geheimnisvolle der Welt der Personal Assistants ein und sorgte dafür, dass es Anastasija weder an warmen Kaffee noch an netten Pläuschchen fehlt. Nichts einfacher als das!
Der Gecko vom Ku'damm

Die Zeit verging trotz des eisigen Windes schneller als gedacht und plötzlich war es schon 22 Uhr. Nach müde kommt bekanntermaßen blöde – nur gut, dass ich Sylvio dabei hatte, denn er konnte mir wenigstens noch mitteilen, dass mittlerweile die zehnte Runde des Spendenlaufes in vollen Zügen war. Zeit mich in mein Gecko Kostüm zu werfen und auch mal eine Runde mitzurennen – oder mitzuwalken (wenn man ganz ehrlich ist). Meine Chefin hat es sich nicht nehmen lassen, sich auch in etwas wärmeres zu werfen. Ein Papageienkostüm. Denn wichtig ist es Aufmerksamkeit zu erzeugen, so dass auch die letzten in der hintersten Reihe der Immobilienwirtschaft vom Heat24 mal gehört haben.
Schlag Mitternacht hieß es für uns dann endlich Zeit für Currywurst mit Pommes, um die Reserven wieder aufzufüllen und um eventuell die eine oder andere Synapse vor dem Tode zu bewahren. Gegen vier Uhr war es dann jedoch nicht nur die Müdigkeit, die uns die Kräfte raubte, sondern auch die klirrende Kälte. Mittlerweile waren es minus ein Grad und uns offenbarte sich die tägliche Realität für viele Obdachlose – nicht nur in Berlin, sondern überall. Sogar den Kältebus mussten wir einmal holen.
Irgendwann konnten wir die Morgensonne am Himmel erahnen und gleichzeitig näherte sich der Heat24 sich dem Ende. Insgesamt wurden in diesen 24 Stunden 54.321 Euro erlaufen – wenn das ja mal keine Standing-Ovation wert ist.
Traumberuf: Personal Assistant für den guten Zweck
Und damit endete auch mein wohl anstrengendstes und ergreifendstes Praktikum, das ich bislang hatte. Ich hatte das Privileg an dieser fantastisch organisierten Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Besonders beeindruckend fand ich das Engagement, mit welchem die Läuferinnen und Läufer zu allen Tages- und Nachtzeiten sowie Minusgraden ihr Bestes gegeben haben. Sie wussten alle, wofür sie gelaufen sind – und auch die Sponsoren aus der Immobilienwirtschaft konnten endlich mal etwas zurückgeben. Und zwar dort, wo es gebraucht wird: bei Menschen in Not.
Ein Hoch auf Anastasija, der KVL-Gruppe, den unzähligen Läufern und dem Heat24! Und wenn Ihr nicht wisst, was Ihr in 2025 zum ersten Adventswochenende mit euch anstellen sollt – kommt zum Wittenbergplatz!
Praktikums-Barometer
