Helix Alpha setzt auf lokale Expertise in Europa. CEO Martin Eberhardt erläutert im Interview Strategie, Standortfaktoren und technologische Trends.
Helix Alpha, ein auf Life-Science-Immobilien spezialisierter Investment Manager, treibt die paneuropäische Expansion seiner Plattform durch die Ernennung von Länder- und Regionalrepräsentanten in Frankreich, Spanien und Skandinavien voran. Dominique Dudan, Manuel Tabuyo, Ignacio Salvador und Mikael Wadsten sollen die lokale Marktexpertise stärken und die Verbindung zwischen nationalen Märkten und Life-Science-Ökosystemen intensivieren.
„Mit der gezielten Stärkung unserer lokalen Präsenz schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und eine professionelle Umsetzung unserer Investmentstrategie in Europa“, so Martin Eberhardt, Gründer und CEO von Helix Alpha.
Im Gespräch mit immobilienmanager erläutert Eberhardt die Positionierung und Vision seines Unternehmens sowie die Herausforderungen und Chancen der Branche.
Interview: Life Science als zukunftsträchtige Assetklasse
Herr Eberhardt, Sie haben mit Helix Alpha einen besonderen Ansatz im Immobilienmarkt etabliert. Wie würden Sie die Positionierung des Unternehmens in wenigen Sätzen beschreiben?
Martin Eberhardt: Die Immobilienwirtschaft versteht nur bedingt die Anforderungen des Life-Science-Sektors. Zu diesem Ergebnis kam eine Befragung der TU Darmstadt. Unternehmen der Pharmaindustrie, Biotechnologie und Medizintechnik suchen Partner, die sie bei immobilienspezifischen Fragestellungen ganzheitlich begleiten und die für den gesamten Wertschöpfungsprozess notwendigen Flächen zur Verfügung stellen.
Von dieser Erkenntnis abgeleitet positionieren wir uns als europäischer Spezialist für Life-Science-Real Estate an der Schnittstelle von Life-Science-Unternehmen, Immobilien und institutioneller Kapitalanlage. Genauer als „Life Science Enabler“, der auf Grundlage eines tiefen Nutzerverständnisses von der Beratung über die Projektentwicklung bis zum Investment Lösungen anbietet.
Was unterscheidet Helix Alpha aus Ihrer Sicht am deutlichsten von klassischen Beratungs- oder Investmenthäusern?
Martin Eberhardt: Der wichtigste Unterschied ist unser fokussiertes und integriertes Modell: Wir kombinieren Nutzer- und Sektorexpertise mit Immobilien- und Investmentmanagement und bauen daraus eine belastbare Expertise für eine hochkomplexe Assetklasse.
Klassische Immobilienlogiken bewerten Immobilien häufig rein objektspezifisch; bei Life Science ist aber das Geschäftsmodell- und Regulierungsrisiko des Nutzers oft der dominierende Treiber. Genau hier setzen wir mit spezifischer Expertise, Nutzerperspektive und interdisziplinärer Governance an.
Die Assetklasse Immobilien steht weiterhin unter erheblichem Druck. Wie bewerten Sie den aktuellen Marktzyklus – Risiko, Chance oder notwendige Bereinigung?
Martin Eberhardt: Die aktuelle, kritische Lage ist nicht primär konjunkturell beziehungsweise zyklisch bedingt, sondern strukturell und systemisch. Wir sehen die Marktsituation als notwendige Bereinigungsphase mit Chancenfenster.
Es gilt, sich der Transformation der Immobilienwirtschaft zu stellen. Die Zeit für eine strategische und operative Reorganisation von Unternehmen, dem Hinterfragen der tradierten Geschäftsmodelle ist spätestens jetzt gekommen. Für Bestandshalter bedeutet es, ihre Portfolios neu auszurichten. Dieser notwendige Prozess der Reallokation von Beständen sollte nicht aufgeschoben werden.
Life-Science-Immobilien können in diesem Investitionsumfeld helfen, weil sich Nutzer häufig langfristig binden und die Geschäftsmodelle weitgehend konjunkturunabhängig und zudem resilient sind. An Gesundheit wird zuletzt gespart.
Ist der deutsche Immobilienmarkt im internationalen Vergleich zu träge – oder schlicht sehr stabil?
Martin Eberhardt: Die Trägheit war lange Zeit ein Vorteil, bedeutete sie doch auch Stabilität. Die mit Brachialgewalt durchdringenden Veränderungen aus den Megatrends bedeuten aber das Ende des deutschen Zuckerwattelands.
Jetzt ist schnelles Handeln angesagt. Der lange Superzyklus und der Status als globaler Safe Haven haben uns träge gemacht. Eine Transformation ist notwendig. Auf öffentlicher Ebene ist die lähmende Bürokratie und Technikfeindlichkeit abzustellen, sonst beschleunigt sich die Abwärtsspirale aus nachlassender Mietnachfrage und fallenden Werten zunehmend.
Helix Alpha beschreibt sich als „Real Estate Transformation Specialist“. Was verstehen Sie unter Transformation in der Immobilienwirtschaft – und warum braucht die Branche diese Veränderung?
Martin Eberhardt: Im – übrigens sehr erfolgreichen – Buch „Transformation der Immobilienwirtschaft“ welches von Prof. Andreas Pfnür, Thomas Herr und mir herausgegeben wurde, beschreiben wir und viele weitere Autoren den tiefgreifenden Wandel der Immobilienbranche von einer transaktions- und objektzentrierten hin zu einer nutzer-, prozess- und wertschöpfungsorientierten Industrie.
Zentrale Treiber sind Digitalisierung, Nachhaltigkeit, neue Nutzungsmodelle sowie veränderte Kapitalmarkt- und Regulierungsanforderungen, die integrierte Geschäftsmodelle, neue Kompetenzen und eine stärkere Professionalisierung der Branche erzwingen. Darauf setzen wir bei Helix Alpha.
Wie verändern flexible Nutzungskonzepte, Mixed-Use und New-Work-Modelle Ihre Beratungspraxis?
Martin Eberhardt: Die drei Schlagworte haben auch für Life-Science-Immobilien eine große Bedeutung. Gerade Start-ups fragen „Lab-Ready“-Immobilien – also komplett eingerichtete Labore nach. Aus den USA und Großbritannien werden derzeit erfolgreich Betreiberkonzepte, also „Space as a Service“ in Kontinentaleuropa eingeführt.
Mixed-Use ist gerade in und um die Life-Science-Parks gefragt. Also Wohnraum für Wissenschaftler und Studenten, Hotels und Angebote, die das Leben am Standort angenehmer machen.
Wenn Sie einen Blick auf 2030 werfen: Wie sieht der Immobilienmarkt dann aus – und wofür steht Helix Alpha in diesem Szenario?
Martin Eberhardt: Im Immobilienmarkt haben sich eine Vielzahl junger Assetklassen in institutionellen Portfolios bewährt. Die Anzahl investierbarer Immobilien ist stark gestiegen. Sie nehmen in Summe eine beachtliche Größe ein – während die Bedeutung von Büroformen und Handelsflächen stark gesunken ist. Wie bereits heute in den USA geschehen, ist Life Science Real Estate als eigene und resiliente Assetklasse fest etabliert.
Als Spezialist und Pionier ist Helix Alpha ein anerkannter Name in der europäischen Life-Science- und Immobilienbranche.
Was braucht Deutschland, um im globalen Wettbewerb der Life-Science-Standorte aufzuschließen?
Martin Eberhardt: Deutschland ist grundsätzlich hervorragend im globalen Wettbewerb positioniert. Unternehmen wie Bayer, Merck, Boehringer Ingelheim, Biontech, Qiagen, Evotec, Aesculap, Siemens Healthineers und viele andere gehören zu den Besten der Welt.
Unser Land ist stark in der wissenschaftlichen Exzellenz und Grundlagenforschung, insbesondere via staatlichen Institutionen wie Max-Planck, Fraunhofer, Helmholtz und Universitäten, und verfügt über ein ausgeprägtes Netzwerk förderpolitischer Maßnahmen auf den Ebenen von Bund, Ländern und Gemeinden.
Auf der anderen Seite belasten hohe Unternehmenssteuern und komplexe Steuerregelungen Renditen im Vergleich zu USA, UK oder Schweiz. Die persönliche Steuerlast ist für viele ausländische Fachkräfte wenig motivierend. Zudem ist Deutschland zu oft technologie- und risikofeindlich mit einer zu hohen Regulierungsdichte. Langwierige Genehmigungsprozesse gerade in Bau, Betrieb, Umwelt- und Arbeitssicherheitsfragen verlangsamen Projekte deutlich. Und Geschwindigkeit ist für die Unternehmen ein ganz kritischer Faktor.
Abschließend: Welchen Rat geben Sie der Branche in einer Phase, die viele gleichzeitig verunsichert und herausfordert?
Martin Eberhardt: Unsicherheiten werden uns noch eine lange Zeit begleiten. Zu stark sind die Umbrüche. Daher gilt es, neu zu denken, alles in Frage zu stellen und vieles zu verändern. Aber nicht alles. Viele Unternehmen haben eine großartige DNA. Daher gilt es auch bestehende Kompetenzen in einem evolutionären Prozess ständig neu auszurichten
Und: konsequent vom Nutzer und dessen Wertschöpfung denken – nicht vom Standardprodukt. In einer anspruchsvollen Zeit wird Erfolg über Differenzierung, Expertise und Governance entschieden, nicht über Lautstärke. Zudem: Wer sich verzettelt und keine klare Strategie verfolgt hat verloren.
