Eurogeldscheine und Dollarscheine
Lieber Kreditfonds als direkte Immobilienanlagen: Diese Strategie ist bei institutionellen Anlegern in angelsächsischen Ländern schon weit verbreitet, setzt sich nun aber auch in Deutschland durch. (Quelle: Ibrahim Boran/Unsplash)

Finanzierung

02. March 2022 | Teilen auf:

Große Nachfrage nach Kreditfonds

Vor allem Versicherungen springen momentan auf den Zug auf, weil sie Alternativen zu direkten Immobilieninvestments benötigen.

Real Estate Debt Funds gewinnen bei institutionellen Investoren erheblich an Bedeutung. Diese Entwicklung begann schon nach der Finanzkrise, sie hat sich durch die Corona-Pandemie aber noch einmal beschleunigt. Hauptgründe für diesen Wandel sind die gestiegene Zurückhaltung der Banken seit Pandemiebeginn und das unverändert anhaltende Niedrigzinsumfeld. Der Fokus liegt dabei auf Whole-Loan- und Mezzanine-Fonds. Das Senior-Segment spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Die Zielrenditen (IRR) liegen im Whole-Loan-Bereich bei sechs Prozent und im Mezzanine- beziehungsweise Preferred-Equity-Bereich bei acht Prozent. Vor allem Versicherungen wenden sich seit zwei Jahren der Assetklasse Real Estate Debt zu. Sparkassen und Volksbanken bewegen sich auch, aber zögerlicher. Kreditfonds finanzieren in der Regel Immobilien in Sondersituationen – also Projektentwicklungen, Grundstücksankäufe oder Value-Add-Objekte. Deutschland hinkt beim Thema Real Estate Debt hinterher. In den USA und auch im Vereinigten Königreich ist das Segment schon seit Jahren etabliert.

Dr. Steffen Hartmann, Abteilungsleiter Transactions & Strategy Real Assets bei Helaba Invest, sieht Real Estate Debt innerhalb der Immobilienportfolios institutioneller Investoren seit 2012 mit einem durchschnittlichen jährlichen Plus von rund 20 Prozent - ein großes Wachstumsfeld, das allerdings von einem vergleichsweise niedrigen Niveau kommend.

Manuel Köppel, verantwortlich für die Kreditfonds der BF.capital, berichtet aus der Praxis: „Für Kreditfonds ist die klassische Bestandfinanzierung meist nicht attraktiv. Interessant sind dagegen Wertschöpfungs- und Sondersituationen wie beispielsweise Ankaufsfinanzierungen, Projektentwicklungen mit gesichertem, aber entwicklungsfähigem Baurecht oder Value-Add-Objekte mit größeren Leerständen. Debt Funds können in solchen Situationen häufig schneller und flexibler als Banken agieren.“

Ankaufsfinanzierungen und Projektentwicklungen im Fokus

Manuel Köppel, verantwortlich für die Kreditfonds der BF.capital, berichtet aus der Praxis: „Für Kreditfonds ist die klassische Bestandfinanzierung meist nicht attraktiv. Interessant sind dagegen Wertschöpfungs- und Sondersituationen wie beispielsweise Ankaufsfinanzierungen, Projektentwicklungen mit gesichertem, aber entwicklungsfähigem Baurecht oder Value-Add-Objekte mit größeren Leerständen. Debt Funds können in solchen Situationen häufig schneller und flexibler als Banken agieren.“

Im angelsächsischen Ausland sind Debt Funds bereits seit langem deutlich etablierter als in Deutschland. Thomas Gütle, Geschäftsführender Gesellschafter bei Primera Advisors, dazu: „In den USA ist Real Estate Debt seit Jahrzehnten eine etablierte Assetklasse. Der Marktanteil nicht bankgebundener Kreditgeber ist dort viermal höher als in Europa. In Europa ist der Markt im Vereinigten Königreich am weitesten fortgeschritten. Dort ist der Anteil nicht bankgebundener Kreditgeber zweieinhalbmal so hoch wie im restlichen Europa. Die große Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet, dass die Entwicklung in Kontinentaleuropa nachzieht, da die Banken ihr Immobiliengeschäft weiter reduzieren und alternative Kreditgeber ihren Marktanteil im Gegenzug weiter ausbauen."

Außerdem interessant:

zuletzt editiert am 02.03.2022