Visualisierung eines Geschäftshauses mit historischer Fassade neben einem Stadttor
Direkt am Karlstor verwandelt Accumulata den früheren Karstadt Sports in ein Büro- und Geschäftshaus namens Herzog Max. (Quelle: Accumulata Gruppe / Beyond Visual Arts GmbH)

Standorte & Märkte 2023-10-09T10:14:41.544Z Vermieter verlangen zu viel

Einzelhandel in der Münchener Innenstadt: Die Fußgängerzone ist stark frequentiert, aber Baustellen und zu hohe Mietforderungen beeinträchtigen die City. Von Roswitha Loibl

Wer behauptet, die Münchener Innenstadt sei eine einzige Baustelle, der übertreibt. Aber nur ein wenig. Shopping-Touristen kommen zwar immer noch auf ihre Kosten, doch an vielen Stellen gibt es Bauzäune und leere Vitrinen anstelle von dekorierten Schaufenstern zu bewundern. In der Fußgängerzone machen sich noch immer die Absperrungen des Signa-Projekts Alte Akademie breit, das RFR-Sanierungsprojekt an der Neuhauser Straße ist nicht zu übersehen, und am Karlstor verschwindet der ehemalige Karstadt Sport hinter den Planen, die das künftige „Herzog Max“ von Accumulata ankündigen. Auf der anderen Seite des Stachus geht es genauso weiter. An der Schützenstraße verschwindet der frühere Karstadt. Dazu kommen die Baustellen, die mit dem Ausbau der S-Bahn-Stammstrecke zu tun haben.

Dennoch meint Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, dass die Highstreet- und Toplagen gut von den Kunden angenommen werden. „Wir sehen, dass die Touristen und Shopper zurück sind und sich dies sehr positiv auf den Handel auswirkt.“ Mit bis zu 2,7 Millionen Passanten im Monat Juli waren die Neuhauser und die Kaufingerstraße mit Abstand die meist frequentierten Einkaufsstraßen in Deutschland, hat Hystreet ermittelt. 

"Nachfrage ist in jedem Fall da"

Nicht zu übersehen sind Leerstände in der Fußgängerzone. „Größere Projekte haben teilweise noch Flächen verfügbar, weil Mieter und Vermieter noch kein gemeinsames Preisniveau gefunden haben. Die Nachfrage ist aber in jeden Fall da“, erläutert Wichner die Situation. Die Sendlinger Straße profitiere von der Aufwertung zum Fußgängerbereich. „Aber die Händler tun sich schwer, weil das Mietniveau in manchen Fällen noch etwas zu hoch ist. Entsprechend sind Flächen in fast allen Teilabschnitten und vielen Größen verfügbar.“ Immerhin konnte – direkt am Anfang der Sendlinger Straße – Breuninger im Juli seine neu gestalteten Flächen im ehemaligen Konen-Gebäude eröffnen.

In Zahlen ausgedrückt: Die Spitzenmiete am Marienplatz und an der Kaufingerstraße liegt konstant bei 340 Euro pro Quadratmeter und ist damit die höchste in Deutschland. Die Spitzenrendite hat sich nach Angabe von JLL gegenüber dem ersten Quartal 2023 leicht erhöht und lag im zweiten Quartal bei 3,20 Prozent, was bundesweit der niedrigste Wert ist. Mehr als halbiert hat sich der Flächenumsatz im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: nur noch 3.100 Quadratmeter statt zuvor 6.800 Quadratmeter. Wie wenig das ist, zeigt der Blick auf den Fünfjahresschnitt: Er liegt bei 15.000 Quadratmetern.

Kaufhof zu neuem Leben erwacht

Eine zwischenzeitlich tote Fläche ist im September wieder zum Leben erwacht. Im Kaufhof am Stachus leuchten nicht nur die Rolltreppen in Orange, auch sonst geht es bunt zu. „Lovecraft" heißt die kulturelle Zwischennutzung, die sich über 25.000 Quadratmeter erstreckt und auf zwei Jahre angelegt ist.

Um zu den Baustellen zurückzukommen: Die Fans des FC Bayern München dürften sich über die Arbeiten freuen, die gerade in der Neuhauser Straße 7 im Gange sind. Dort entsteht bis zum Jahresende ein neuer, großer FC-Bayern-Store.

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zuletzt editiert am 09. Oktober 2023
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