Visualisierung eines großen Gebäudes mit Glasfassade und bepflanzten Dachterassen
Nach den Entwürfen von David Chipperfield Architects sollen beim Neubau anstelle des alten Galerie-Kaufhof-Komplexes Glasflächen für viel Licht, Terrassen und Dächer für viel Grün sorgen. (Quelle: Filippo Bolognese Images)

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20. January 2023 | Teilen auf:

München: Die Bagger sind los

Einige große Einzelhandelsobjekte in München werden gerade saniert beziehungsweise durch Neubauten ersetzt. Von BIanca Diehl

Am Beginn der Schützenstraße will Signa Real Estate in Zukunft nur noch den historischen, denkmalgeschützten Teil des heutigen Galeria-Kaufhof-Komplexes zwischen Hauptbahnhof und Stachus als Warenhaus nutzen. Dieses ehemalige Hertie-Gebäude mit seinem markanten Eckturm aus dem Jahr 1905 bleibt erhalten und wird derzeit für knapp 100 Millionen Euro saniert.

Der Erweiterungsbau aus den 1970er-Jahren – einschließlich der vier bisher eigenständigen Geschäftshäuser an der Schützenstraße – soll durch eine neue Bebauung mit Einzelhandels-, Gastronomie-, Dienstleistungs-, Kultur- und Büroflächen ersetzt werden. Gewinner des Ideenwettbewerbs für den Neubau war im Frühjahr David Chipperfield Architects mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin.

"Denkmalcharakter soll erhalten bleiben"

Auch das ehemalige Karstadt Sports-Gebäude in der Neuhauser Straße 20/Herzog-Max-Straße 4 in der Fußgängerzone befindet sich gerade mitten in einer Transformation. Bauherr Euro Real Estate und Developer Accumulata Real Estate Group verwandeln die bisher reine Handelsimmobilie in ein Mixed-Use-Objekt mit Multi-Tenant-Struktur. Unter dem Namen „Herzog Max" soll es in der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder eröffnen.

„Der Denkmalcharakter und die historisch gewachsene Bedeutung der Immobilie sollen erhalten bleiben, was sich auch in der Namensgebung widerspiegelt“, erklärt Ralf Peter, Geschäftsführer der Euro Real Estate. „Die in der historischen Dachlandschaft vorgegebenen Senken werden wir für das behutsame Errichten von in die Gebäudetiefe greifenden, begrünten Innenhöfen nutzen. Dieses Öffnen des Baukörpers wird Tageslicht bis auf das Erdgeschossniveau lenken und die Nutzung der ehemals dunklen Etagen als zeitgemäße und tageslichtdurchflutete Arbeitswelten ermöglichen.“

Und für das ehemalige Karstadt-Areal am Nordbad gibt es ebenfalls bereits Zukunftspläne: Die Ariston GmbH hat vor, auf dem Grundstück eine Markthalle im Erdgeschoss und weitere Nahversorgungs- und Einzelhandelsflächen im ersten Untergeschoss mit zusammen rund. 6.200 Quadratmetern Fläche sowie weitere 28.000 Quadratmeter Bürofläche zu bauen.

Sportscheck bleibt im Joseph Pschorr Haus

Ein großer, traditioneller Händler bleibt der Innenstadt jedoch erhalten. Sportscheck hat im Frühjahr seinen Mietvertrag mit der Bayerischen Hausbau für den rund 10.000 Quadratmeter umfassenden Flagshipstore im Joseph Pschorr Haus in der Münchener Fußgängerzone verlängert. „Wir sind natürlich stolz auf die langjährige Tradition unseres Hauses in München. Wir blicken aber vor allem nach vorne und setzen auf die Stärkung unserer Online- und Offline-Kanäle. Unsere Zukunftsprognose für den stationären Handel gerade hier ist absolut positiv“, bekennt sich Sportscheck-CEO Matthias Rucker zu dem Standort.

Dafür wurde aber auch einiges getan: Sportscheck will in München noch in diesem Jahr CO2-neutral werden. Aus diesem Grund musste auch das Gebäude nachhaltiger werden: Für das Joseph Pschorr Haus überprüft die Bayerische Hausbau die Steuerung der technischen Anlagen sowie eine Ausweitung der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hauses, um die CO2-Emissionen im Betrieb zu senken.

100 Millionen Euro für Einzelhandelsimmobilien

Doch es wird nicht nur saniert und neu gebaut: Savills erfasst im zweiten Quartal 2022 in München Transaktionen mit Einzelhandelsobjekten im Wert von 100 Millionen Euro, was ein Plus von 422 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum darstellt. BNP Paribas kommt sogar auf mehr als 130 Millionen Euro, was etwa neun Prozent des gesamten Investmentgeschehens auf dem Münchener Immobilienmarkt im zweiten Quartal dieses Jahres ausmacht.

Die Spitzenrendite für Geschäftshäuser lag in diesem Zeitraum unverändert bei 2,8 Prozent. Nach Beobachtungen von JLL betrug die Spitzenmiete pro Quadratmeter in München im zweiten Quartal 2022 auf der Kaufingerstraße und dem Marienplatz rund 340 Euro – und war damit noch auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum. Viele andere Standorte verzeichnen dagegen fallende Spitzenmieten.

zuletzt editiert am 20.01.2023