Bei gesunkenen Mieten nutzen Händler die Gelegenheit, in attraktiven Lagen zu eröffnen oder ihre Flächen zu vergrößern. Seit Anfang des Jahres wechselten auch einige Retailobjekte den Besitzer. Von Bianca Diehl
„Vielfalt belebt die Innenstadt und dies wiederum das Geschäft“, beschreibt Sven Bechert, Bereichsleiter Laden & Gastronomie bei Grossmann & Berger die Situation in der Hamburger City. Die genannte Vielfalt geht allerdings auf Kosten der Mieten, Vertragslaufzeiten und der Ladenfläche. So hatten in jüngerer Zeit Pop-up-Stores einen deutlich größeren Anteil an den abgeschlossenen Mietverträgen als je zuvor. „Wenn sich hier also neue Konzepte ansiedeln oder Unternehmen günstigere Standorte finden, die ihnen die langfristige Fortführung ihres Geschäftsbetriebs erlauben, sichert dies die Attraktivität unserer Innenstadt“, ergänzt Bechert.
Zu Beginn des Jahres lag die erzielbare Maximalmiete am Neuen Wall für 80 bis 120 Quadratmeter große Flächen um elf Prozent niedriger als 2019 und für 300 bis 500 Quadratmeter große Läden um 17 Prozent. Ähnlich entwickeln sich die Maximalmieten auch in den anderen 1A-Lagen der Hamburger Innenstadt. Die teuersten Einkaufsstraßen der City bleiben die Spitalerstraße, der Neue Wall und die Mönckebergstraße. Für die Hochfrequenzlage Spitalerstraße erwartet Grossmann & Berger nach wie vor mit 150 beziehungsweise 270 Euro pro Quadratmeter und Monat für beide Flächensegmente die höchsten erzielbaren Maximalmieten der Innenstadt.
Die Gunst der Stunde nutzte zum Beispiel Anfang des Jahres der Juwelier Wempe, der seine Flächen in der Alsterarkaden auf 1.000 Quadratmeter verdoppelte. Vermieter Signa will aktuell durch eine umfangreiche Sanierung die Retailflächen der Immobilie moderner und hochwertiger gestalten.
Großvermietung in der Hafencity
Erst im kommenden Jahr wird Breuninger im Überseequartier einen neuen Flagship-Store eröffnen – als mit Abstand größter Ankermieter im Herzen der Hafencity. 14.000 Quadratmeter Gesamtfläche wird der Laden umfassen. „Als Händler führt einen der Weg langfristig immer nach Hamburg“, kommentiert Breuninger-CEO Holger Blecker die Expansionsentscheidung. „Breuninger glaubt fest an einen gut gemachten, stationären Handel sowie lebendige Innenstädte und Stadtquartiere. Was hier in der Hafencity entsteht, ist eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte Europas, und daran möchten wir aktiv teilhaben."
Ganz so enthusiastisch waren die Investoren im vergangenen Jahr dagegen nicht. Das Investmentvolumen lag in Hamburg, laut BNP Paribas Real Estate, bei 274 Millionen Euro – also deutlich unterdurchschnittlich. Die Spitzenrendite für Core-Objekte in Top-Lage beträgt 3,00 Prozent.
Deutlich aktiver zeigten sich die Käufer Anfang dieses Jahres. So kaufte ein Joint Venture aus Otto Wulff, WPH Wohnbau und Projektentwicklung Hamburg sowie der Imvest Gruppe das Geschäftshaus in Hamburg-Eimsbüttel, das an den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof vermietet ist. Dieser Mietvertrag geht bis 2026 mit einer zehnjährigen Vertragsverlängerungsoption. Verkäufer des Objekts ist Quantum Immobilien. In dem Gebäude mit seiner Bruttogrundfläche von 32.760 Quadratmetern befinden sich außerdem Filialen der Drogeriemarktkette DM und des Lebensmitteldiscounters Aldi.
Urban Outfitters ist einer der Mieter in der Büro- und Einzelhandelsimmobilie am Gänsemarkt 45, die ebenfalls Anfang dieses Jahres in den Besitz der Versicherungskammer überging. Verkäufer war Invesco Real Estate, die das Objekt zehn Jahre lang im Bestand hatten.
Im Stadtteil Langenhorn befindet sich das Krohnsteig Center, das die HBB in den vergangenen Jahren umfangreich revitalisiert. Mit Auslaufen des Mietvertrags des ehemaligen Mieters Marktkauf hatte die HBB das Center neu ausgerichtet. Edeka betreibt seitdem auf einer verkleinerten Fläche einen Verbrauchermarkt, und Decathlon wurde als Mieter neu hinzugewonnen. Weitere Bestandsmieter sind innerhalb des Objekts umgezogen, Flächen wurden modernisiert und neu aufgeteilt. Belohnt wurden diese Bemühungen mit dem Verkauf an Ampega Investment Management.
