together
Gemeinsam durch die Krise: Die Antworten von Unternehmen auf das Corona-Virus. (Bild: Adi Goldstein/Unsplash)

News 2020-04-09T00:00:00Z Corona: Immobilienwirtschaft solidarisiert sich - 4. Teil

Stammkunden bleiben treu, Mitarbeiter halten zusammen, Manager verzichten auf Geld: Antworten von Unternehmen auf die Corona-Krise und weitere gute Nachrichten der Woche.

Alle ziehen an einem Strang: Aktionen im Zeichen der Solidarität, die guten Nachrichten und Best-Practice-Beispiele der Woche. Außerdem Maßnahmen- und Erfahrungsberichte von Unternehmen im Rahmen der Corona-Krise:

„Aufgeschoben ist hoffentlich nicht aufgehoben "

Der Essener Immobiliendienstleister Brockhoff & Partner berichtet über seine Erfahrungen mit Transaktionen, Homeoffice, Mitarbeitern und der Stammkundschaft:

Einige Transaktionen, die noch vor Tagen kurz vor dem Abschluss standen, werden von unseren Kunden verschoben. Wir hoffen, dass sie nach der Krise noch eingetütet werden können. Unsere Makler arbeiten aus dem Homeoffice beziehungsweise aus dem Büro und wickeln auch noch Deals ab. Nicht alle Kunden haben die Ampel auf rot gestellt. Wir haben in dieser Woche Vermietungen abgeschlossen und rechnen damit, dass auch in den nächsten Tagen und Wochen einige der sich in der Verhandlung befindlichen Vorgänge eingetütet werden.
Konzerne dürfen zum Teil nicht besichtigen und sind gehandicapt dabei, Due Diligence Prozesse durchzuführen, weil die Bewerter keine Objektbesichtigungen durchführen. Teilweise lassen auch die Mieter keine Käufer und Bewerter in die Flächen. Deshalb ist es im Verkauf größerer Objekte und Pakete schwieriger geworden.
Wir haben aber auch einige private Käufer, die sagen „jetzt grade“ und die Gunst der Stunde nutzen und schnell und unkompliziert kaufen. Die Banken übrigens finanzieren nach wie vor, und es gibt eine Reihe von Kunden, die von der Corona-Krise wirtschaftlich nicht oder nur wenig in ihrem Handeln beeinträchtigt werden.
Positiv ist, dass unser Team, das immer schon gut zusammenarbeitet, jetzt besonders gut zusammenhält. Obwohl es weniger zu tun hat. Auch unsere Stammkunden bleiben uns weiterhin treu.

Vorabbesichtigungen via Facetime

Immobilienmakler Gäu kommentierte via Facebook:

Gerade bei Kunden von außerhalb haben wir positive Erfahrungen mit Vorabbesichtigungen zur Klärung von ersten Fragen über Facetime etc. gemacht. Das Konzept wird nun natürlich noch wichtiger in unserem Serviceportfolio. Dennoch denken wir, dass die persönliche Besichtigung kaufentscheidend sein sollte. Gerade bei Wohnimmobilien.
 
Unterstützung der Mitarbeiter: die „50/50-Regel"

Auch Siemens Real Estate berichtete von Maßnahmen und Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Eltern in Betreuungsnotlagen konnten sich vorerst bis zum Anfang der Osterferien unter Anrechnung von Gleitzeit bezahlt freistellen lassen:

Eine besondere Betreuungsnotlage liegt dann vor, wenn aufgrund von Arbeitsinhalt und Infrastruktur kein Homeoffice möglich ist und der Mitarbeiter alleinerziehend ist oder der Partner ebenfalls arbeiten muss. Die Regelung gilt für Kinder bis zum 14. Lebensjahr, die zu Hause betreut werden müssen.

Andere Unterstützungsmöglichkeiten sind beispielsweise der Abbau von Gleitzeit, unbezahlte Freistellung, Abbau von Resturlaub und Urlaub oder Möglichkeit von Nacharbeit. Das ist eine Möglichkeit zur Flexibilisierung und Unterstützung unserer Mitarbeiter. Darüber hinaus begegnen wir im betrieblichen Immobilienmanagement (CREM) natürlich in vielfältiger Weise der Corona-Pandemie. Das oberste Ziel ist die Sicherstellung der „Business continuity“ der operativen Einheiten. Unsere Fabriken müssen, da wo es geht, weiterlaufen, und der Betrieb (Infrastruktur, Reinigung, Logistik, Verpflegung, Sicherheit) muss Sichergestellt werden. In den Fällen wo ein Büro- oder Produktionsstandort geschlossen wird muss der „Shutdown“ vernünftig gemanagt werden.

Vielleicht erlebt die Immobilienbranche durch die Pandemie aber noch einen ganz anderen Beschleuniger, der das Office-Umfeld und damit die Flächenanforderungen betrifft: Das Homeoffice erlebt einen Boom, es wird von den Mitarbeitern zukünftig stärker nachgefragt, und die Akzeptanz bei den Arbeitgebern steigt. Es wird zur Regel und wirkt sich unmittelbar auf die zukünftigen Flächenanforderungen aus.

Und auch in dieser Woche gab es wieder positive Meldungen mit Vorbildfunktion:

Sonderzahlung an Minijobber

Der Facility-Manager Piepenbrock hat für einige Unternehmensbereiche Kurzarbeit angemeldet. Tausende Minijobber, die keinen Anspruch auf staatliches Kurzarbeitergeld haben, werden dabei nicht alleine gelassen: Piepenbrock zahlt als temporäre Maßnahme freiwillig für den Monat März einen Betrag in Höhe von 60 Prozent des entfallenen Lohns.

Management mit Gehaltsverzicht

Maßnahmen bei CBRE, um die finanziellen Folgen der Corona-Bekämpfung auf den Konzern etwas abzufedern: Robert Sulentic, CEO der CBRE Group, verzichtet auf sein komplettes Grundgehalt. Außerdem kürzen Executive Officers, die direkt an ihn berichten, ihre Fixbezüge für unbestimmte Zeit um 15 Prozent. Zudem verzichten die Direktoren im Board of Directors auf 33 Prozent ihrer jährlichen Vergütung als Board-Mitglied für 2020.

Mietstundungen für Kultureinrichtungen

Die Treucon Gruppe unterstützt Kultureinrichtungen in Leipzig im Zuge der Corona-Krise. Das Berliner Immobilienunternehmen stundet der Kupfersaal GmbH und dem Kabarett „academixer“ die Miete. Beide Institutionen nutzen den Dresdner Hof für ihre Auftritte. „Vielen Mietern, insbesondere kulturellen Einrichtungen, macht das Coronavirus schwer zu schaffen. Kulturelle Vielfalt ist wichtig für unsere Gesellschaft. Als Vermieter versuchen wir deshalb, unseren Beitrag zu leisten und durch einen offenen Austausch eine für alle Seiten praktikable Lösung zu finden“, kommentierte Thomas Doll, Geschäftsführer der Treucon Gruppe Berlin.

Kurzarbeit mit Gehaltsausgleich

Gewerbeimmobilienmakler NAI Apollo reagiert auf die ungewohnte Ruhe auf den Investment- und Vermietungsmärkten. Das Unternehmen hat Kurzarbeit für seine Beschäftigten angemeldet, jedoch werden im Gegenzug die Grundgehälter aufgestockt: „Wir gleichen die Reduzierung bis auf Weiteres komplett aus, denn wir stehen auch in schwierigen Zeiten zu unseren Mitarbeitern", so Andreas Wende, Geschäftsführer und Managing Partner der Apollo Real Estate Holding.

April-Ausgabe von immobilienmanager gratis

Noch nicht genug von positiven Nachrichten? Hier lesen Sie Teil 1 , Teil 2 , und Teil 3 unserer Serie „Solidarität in der Immobilienwirtschaft". Und wir haben noch mehr für Sie: Die neue Ausgabe unseres Fachmagazins ist jetzt als ePaper für jeden kostenfrei zugänglich. Hier geht es zum immobilienmanager 4-2020 .

Wir freuen uns weiterhin auf Ihre Berichte: Mit welchen Maßnahmen reagiert Ihr Unternehmen auf die Coronakrise? Wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie uns: redaktion@immobilienmanager.de

Autor: Thorsten Schnug

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
Newsletter