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Corona: Immobilienwirtschaft solidarisiert sich - 1. Teil

„Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“ – das gilt auch für die Immobilienwirtschaft. Die Coronakrise bringt tatsächlich auch positive Entwicklungen mit sich. Wir machen den Branchen-Check.

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Gemeinsam durch die Krise: Wie reagiert Ihr Unternehmen? Schreiben Sie uns: redaktion@immobilienmanager.de (Bild: Adi Goldstein/Unsplash)

„Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“ – das gilt auch für die Immobilienwirtschaft. Bei den zahllosen Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen, schauen wir aus einem möglichst positiven Blickwinkel auf die Corona-Pandemie und fragen: Welche ermutigenden Entwicklungen gibt es? Wie reagiert die Branche?

Wir machen den Branchen-Check: Mit welchen Maßnahmen reagiert Ihr Unternehmen auf die Coronakrise? Wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie uns: redaktion@immobilienmanager.de

Die Immobilienwirtschaft zeigt Flexibilität. Sie macht einen Zeitsprung hinsichtlich moderner Arbeitsmodelle, die sich flächendeckend in den Berufsalltag etablieren. Homeoffice, Videokonferenzen & Co. sichern den Unternehmen in diesen Zeiten ihre Existenz und sind obendrein ressourcenschonend.

Doch ganz abgesehen davon zeichnet sich eine Konzentration auf das Wesentliche ab: Auf Tugenden, die lebensnotwendig für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sind. Neben der oben genannten Flexibilität, Vertrauen und Ehrlichkeit ist eine von besonderer Bedeutung: Solidarität.

Hilfsaktion für Kreativbranche: #dontstopcreativity

Beispielhaft ist die Unterstützung durch Projektentwickler bei der Kampagne #dontstopcreativity des Bundesverbands Kreative Deutschland. Bauwens, Büschl und Ehret + Klein erlassen den Künstlern und Start-ups im Mucbooc Clubhaus am Münchener Hauptbahnhof zum Teil mehr als 80 Prozent der Miete. Die Zwischennutzung für die Kreativbranche soll mit dieser Hilfsaktion überlebensfähig bleiben: „Mit dem vorübergehenden Verzicht möchten wir ein Zeichen setzen für mehr Solidarität und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten“, erklärte Michael Ehret, geschäftsführender Gesellschafter von Ehret + Klein die Maßnahme.

„Verständnis für etwaige Zahlungsprobleme“

Auch Haus & Grund Württemberg appelliert an seine mehr als 100.000 Mitglieder, Solidarität mit ihren Mietern zu üben: „In schwierigen Zeiten sollten private Vermieter Verständnis für etwaige Zahlungsprobleme ihrer Mieter aufbringen und angemessen und umsichtig reagieren“, betont der Landesverbandsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich. Inwiefern? Etwa durch Mietstundungen oder Ratenzahlungen. Besonders bei Gastronomen, Freiberuflern und kleineren Gewerbetreibenden könne es aufgrund von Umsatzrückgängen zu Liquiditätsengpässen oder gar Existenzgefährdungen kommen. Aber auch Wohnungsmieter könnten betroffen sein, wenn deren Arbeitgeber Löhne nicht mehr oder nur noch schleppend bezahlen können.

Planungssicherheit und Perspektive bieten

„Gemeinsame Lösungen“ will die Deutsche Wohnen mit privaten, aber auch mit gewerblichen Mietern finden, die aufgrund der aktuellen Situation in finanzielle Engpässe geraten. Gerade bei Einzelhandelsmietern will man mit "besonderem Augenmaß" handeln, da deren Lage durch Schließungen schnell prekär werden könne. In entsprechenden Situationen sollen Einzelfalllösungen gefunden werden, um so "beispielsweise über die Stundung von Mietzahlungen den Mietern Planungssicherheit und Perspektive“ zu bieten.

Nachbarschaftshilfe für Ältere und Kranke

Ebenso reagiert die städtische Wohnungsgesellschaft Saga aus Hamburg auf die Folgen der Pandemie: „Die Corona-Krise betrifft uns alle. Sie ist die größte Herausforderung für unsere Stadt seit der Flutkatastrophe von 1962. Die Saga Unternehmensgruppe wird in dieser besonderen Situation Mieterinnen und Mietern helfen, wenn diese infolge der aktuellen Krise in eine finanzielle oder soziale Notlage geraten sollten“, verkündete Dr. Thomas Krebs, Sprecher des Saga-Vorstands. Dies betreffe sowohl Wohnungs- als auch Gewerbemieter. Zu den Maßnahmen zählt das Aussetzen von Mieterhöhungen, die Vermeidung von Kündigungen und die Ermöglichung von Stundungen. Saga geht noch einen Schritt weiter und will zudem Nachbarschaftshilfe für Ältere und Kranke organisieren.

„Man muss an den Tag danach denken“

Mit den von Corona-Maßnahmen betroffenen Einzelhändlern solidarisiert sich auch die Ikea-Tochter Ingka. Für die Zeit der behördlich angeordneten Laden- oder Centerschließungen verzichtet das Unternehmen gänzlich auf die Miete, die Nebenkostenpauschale und die Marketingpauschale in seinen weltweit 45 Einkaufszentren. "Man muss an den Tag danach denken", sagte ein Ingka-Sprecher. "Was nützt es uns, wenn Händler in die Pleite rutschen und uns bei der Wiedereröffnung unserer Center 30 Prozent der Mieter fehlen?"

Viele Unternehmen haben ihre gesellschaftliche Verantwortung erkannt und handeln entsprechend. Im besten Fall bleibt der Fokus auf die oben genannten Tugenden auch nach der Krise weiterhin bestehen.

Wir machen den Check: Mit welchen Maßnahmen reagiert Ihr Unternehmen auf die Coronakrise? Wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie uns: redaktion@immobilienmanager.de

Autor: Thorsten Schnug

20.03.2020