Wie Städte und Kommunen Wasser speichern, mehrfach nutzen und Quartiere widerstandsfähiger machen können, erläutert Philipp Alber von Drees & Sommer.
Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in Deutschland immer deutlicher: Hitze und längere Trockenphasen belasten den Wasserhaushalt, niedrige Flusspegel beeinträchtigen die Schifffahrt. Gleichzeitig können Starkregenereignisse binnen kürzester Zeit Straßen überfluten und ganze Regionen lahmlegen. Der regionale Wasserhaushalt gerät aus dem Gleichgewicht. Für Schifffahrt, Landwirtschaft, Industrie und Wasserversorger wächst damit der Druck, mit den vorhandenen Ressourcen effizienter umzugehen. Auch Städte und Kommunen stehen vor einer großen Herausforderung: Sie müssen Wasser in Trockenphasen verfügbar halten und Quartiere so planen, dass das Wasser länger im Kreislauf bleibt, statt verloren zu gehen. Mit einem effizienten Wassermanagement kann das gelingen.
Regenwasser dort halten, wo es fällt
Vielerorts leiten Städte das Regenwasser noch immer möglichst schnell ab. In Zeiten zunehmender Trockenheit wird das zum Problem. Das Schwammstadtprinzip kann hier gegensteuern: Städte sollen Regenwasser dabei wie ein Schwamm aufsaugen, es speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Dafür braucht es mehr Rückhalteräume, die Wasser aufnehmen und zurückhalten können. Eine Möglichkeit sind Mulden-Rigolen-Systeme, also begrünte Senken mit unterirdischen Speicherräumen, die Niederschlagswasser sammeln und versickern lassen. Über die begrünten Flächen kann zudem Wasser verdunsten. Daneben machen Zisternen Niederschlagswasser für spätere Nutzungen verfügbar. Sie entlasten die Wasserversorgung, indem sie den Trinkwasserbedarf senken.

Auch Schulhöfe und andere Freiflächen können zu urbanen Wasserspeichern werden. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Projekt in Berlin-Lichtenberg: Dort wurde untersucht, wie 24 Schulen Regenwasser künftig besser bewirtschaften können. Die Analysen zeigen das Potenzial, rund 135.000 Quadratmeter versiegelter Fläche – das entspricht etwa 19 Fußballfeldern – vom Kanalnetz abzukoppeln. Dafür kommen Grün- und Versickerungsflächen sowie Mulden und Rigolen infrage. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, hängt auch von den verfügbaren Finanzierungsmitteln ab. Ziel ist es, das Regenwasser direkt vor Ort zurückzuhalten, statt es ungenutzt in die Kanalisation abzuleiten. So können die Schulhöfe die Aufenthaltsqualität verbessern und gleichzeitig den lokalen Wasserhaushalt stärken.
Regenwasser zu speichern reicht jedoch allein nicht aus. Städte und Kommunen müssen auch verhindern, dass bereits aufbereitetes Trinkwasser verloren geht. Genau hier liegt ein oft unterschätztes Potenzial: Durch undichte Leitungen gehen wertvolle Trinkwasserressourcen verloren. Digitale Leckageortung, intelligente Sensorsysteme und ein kontinuierliches Monitoring helfen dabei, Schäden frühzeitig zu erkennen und gezielt zu beheben. Wer seine Netze konsequent saniert und modernisiert, reduziert Wasserverluste, schont Ressourcen und sichert die Versorgung auch in längeren Trockenphasen.
Wasser mehrfach nutzen
Nicht jede Anwendung benötigt Wasser in Trinkwasserqualität. Trinkwasser lässt sich auch einsparen, indem aufbereitetes Regen- oder Grauwasser zur Bewässerung von Grünflächen, für Toilettenspülungen und zur Versorgung technischer Anlagen eingesetzt wird. Gerade in Quartieren und größeren Liegenschaften steckt hier viel Potenzial.
Moderne Aufbereitungssysteme reinigen Wasser aus Duschen, Waschbecken oder technischen Prozessen so, dass es erneut genutzt werden kann. Membranfiltration, biologische Verfahren und digitale Steuerung ermöglichen eine Aufbereitung entsprechend der benötigten Wasserqualität und schließen Kreisläufe im Gebäude oder im Quartier. Werden bereits im Neubau getrennte Leitungsnetze für die Erfassung von Grauwasser und die Verteilung des aufbereiteten Betriebswassers vorgesehen und strikt von der Trinkwasserinstallation getrennt, lassen sich wertvolle Trinkwasserressourcen schonen sowie langfristig Abwasser- und Betriebskosten reduzieren.
imAward 2027: Leben – Urbanität – Konnektivität
Beim immobilienmanager-Award 2027 zählt die Kategorie Stadtentwicklung & Infrastruktur als Königsdisziplin. Bewerben Sie sich noch bis zum 13. Dezember 2026 mit Ihrem Projekt! Einmal angelegt, können Sie Ihre Bewerbung bis zu diesem Zeitpunkt jederzeit anpassen.
Ein bekanntes Beispiel für integriertes Wassermanagement ist der Potsdamer Platz in Berlin. Dort sammeln vier unterirdische Zisternen mit einem Gesamtvolumen von 2.550 Kubikmetern Niederschlagswasser. Das gesammelte Regenwasser wird unter anderem für Toilettenspülungen, Grünflächenbewässerung und als Löschwasser genutzt.
Wasserentnahmen transparenter steuern
Mit knapper werdenden Wasserressourcen verstärken sich auch die Nutzungskonflikte: Landwirtschaft, Industrie, Energieversorgung und Kommunen greifen auf dieselben Ressourcen zu. Oft wissen die Beteiligten jedoch nicht, wer wann wie viel entnimmt. Für wasserabhängige Betriebe im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau sind verlässliche Wasserressourcen ein entscheidender Standortfaktor.
Um diese Konflikte zu verringern, kommen neben einer großflächigen Verbesserung der Grundwasserneubildung durch Schwammstadt- und Schwammlandschaftsmaßnahmen auch digitale Wasserbücher zum Einsatz. Sie schaffen mehr Transparenz, indem sie insbesondere Wasserrechte und die dazugehörigen Festlegungen dokumentieren. Ergänzt um aktuelle Mess- und Meldedaten zu tatsächlichen Wasserentnahmen und zum verfügbaren Wasserdargebot können sie Kommunen und Behörden dabei unterstützen, Engpässe früh zu erkennen und gezielter zu steuern.
Aus Grau wird Grün
Asphalt- und Betonflächen verhindern, dass Wasser versickern kann. Wo Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt und Grünanlagen klimaangepasst gestaltet werden, bleibt mehr Wasser im Boden. Gebäudebegrünungen, Parkanlagen und Grünbrücken verbessern das Stadtklima, schützen Böden vor Austrocknung und stärken die Biodiversität. Gründächer und Fassadenbegrünungen kühlen Städte zusätzlich und verringern die Aufheizung dicht bebauter Quartiere. Auch dort, wo sich Flächen nicht vollständig entsiegeln lassen, können kleinere Maßnahmen viel bewirken: Rasengittersteine statt geschlossener Pflasterflächen und wasserdurchlässige Wegränder halten Regenwasser länger vor Ort und ermöglichen die Versickerung.

Wie solche Maßnahmen konkret geplant werden können, zeigt ein Projekt am Potsdamer Telegrafenberg. Auf dem 27 Hektar großen Wissenschaftscampus sind nach Angaben von Drees & Sommer vom August 2025 bereits 78 Prozent des Baumbestands durch Hitze und Trockenstress geschädigt. Um den Wasserhaushalt langfristig zu stabilisieren, wurde für das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung ein neues Landschaftskonzept erarbeitet. Es sieht unter anderem klimaangepasste Neupflanzungen vor, die besser mit Trockenheit zurechtkommen als der teilweise über 100 Jahre alte Baumbestand. Ergänzend soll Niederschlagswasser künftig stärker auf dem Gelände gehalten und dezentral genutzt werden.
Früh planen statt teuer nachrüsten
Viele Lösungen für ein nachhaltiges Wassermanagement sind schon verfügbar und können langfristig auch wirtschaftlich sein. Häufig bremsen jedoch noch knappe Budgets, unklare Zuständigkeiten und lange Amortisationszeiten die Umsetzung. Integrieren Städte und Kommunen intelligentes Wassermanagement schon früh in ihre Umbau- und Neubauprojekte, können sie Kosten sparen und Synergien mit weiteren Baumaßnahmen wie ohnehin anstehenden Sanierungen nutzen.
Kommunen müssen in Sachen Wasser jetzt umdenken und kontinuierlich handeln, um neben der Sanierung auch die Transformation der Infrastruktur voranzutreiben. So können sie sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Wo Städte und Kommunen Flächen öffnen, Regenwasser speichern, Stadtgrün stärken und Wasser mehrfach nutzen, bleiben Quartiere langfristig nutzbar, lebenswert und leistungsfähig.
Ein Beitrag von Philipp Alber, Experte für wasserbewusste Stadtentwicklung und urbanes Wassermanagement bei Drees & Sommer.