Ein modernes Bürogebäude mit Glasfassade bei Dämmerung, umgeben von Bäumen und Straßenlaternen.
In Berlin-Tiergarten hat die Berlin Hyp im vergangenen Jahr ihren neuen Standort „B-One“ bezogen. (Quelle: Berlin Hyp/Franz Brueck)

Finanzierung 2026-01-12T08:30:11.216Z Refinanzierungsdruck prägt das Immobilienjahr 2026

Berlin Hyp-Trendbarometer: Zinsstabilität gibt Hoffnung, doch Eigenkapitalbedarf und längere Laufzeiten bleiben zentrale Themen.

Der Immobilienmarkt in Deutschland steht auch 2026 unter Druck. Das zeigt die aktuelle Trendbarometer-Umfrage der Berlin Hyp unter mehr als 130 Branchenteilnehmern. Zwar erwarten viele Marktakteure durch die Zinsstabilisierung bessere Rahmenbedingungen für Finanzierungen, doch zentrale Herausforderungen wie hohe Finanzierungskosten, sinkende Beleihungswerte und regulatorische Hemmnisse bleiben bestehen.

„Der Markt – insbesondere in Deutschland – braucht offenbar mehr Zeit, um sich zu erholen. Die Ergebnisse des aktuellen Trendbarometers zeigen deutlich, dass der Markt weiterhin vor Herausforderungen steht. Dennoch deutet vieles auf eine weitere Stabilisierung im kommenden Jahr hin“, sagt Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp und Vorstandsmitglied der LBBW.

Refinanzierungswelle: strukturiert, aber mit begrenztem Spielraum

Ein zentrales Thema bleibt die Refinanzierung bestehender Immobilienfinanzierungen. Die Mehrheit der Befragten rechnet mit begrenzten Handlungsspielräumen bei Anschlussfinanzierungen.

Klaus: „Die anstehenden Refinanzierungsthemen sind im Markt bekannt. Der Umgang jedoch bleibt pragmatisch und die Refinanzierungswelle wird strukturiert abgearbeitet. Banken werden Refinanzierungen grundsätzlich dort begleiten, wo es sich ökonomisch rechtfertigen lässt – darüber hinaus ist wenig Spielraum zu erwarten.“

Zinsniveau stabilisiert Erwartungen – Projekte bleiben selektiv

76 Prozent der Befragten sehen die Stabilisierung der Zinsen als derzeit wichtigsten Impulsgeber. Sie könnte wieder mehr Transaktionen ermöglichen. Auch der Nachfrageüberhang im Wohnsegment (53 Prozent Zustimmung) wirkt stabilisierend. Allerdings reichen diese Faktoren nicht aus, um flächendeckend neue Dynamik auszulösen.

Verlässlichere Bewertungs- und Transaktionsdaten (34 Prozent) verbessern zwar die Orientierung im Markt, lösen aber die strukturellen Probleme nicht. Viele pausierte oder neu geplante Projekte dürften nur dann wieder anlaufen, wenn Nachfrage und Kostenstruktur zusammenpassen.

Refinanzierung: Maßnahmen und Risikoeinschätzung

38 Prozent der Befragten sehen kein oder nur geringes Refinanzierungsrisiko in ihren Beständen, 66 Prozent erwarten ein mittleres bis hohes Risiko.

Zur Risikobegrenzung setzen sie auf verschiedene Maßnahmen:

  • 46 % planen Eigenkapitalzuschüsse,
  • 45 % streben Laufzeitverlängerungen an,
  • 30 % bereiten gezielte Objektverkäufe vor.

Der Fokus liegt auf Bilanzstärkung, Fristenmanagement und selektiver Portfoliobereinigung.

Bauturbo: Umsetzung braucht Zeit

Die Sonderregelung im Baugesetzbuch – bekannt als „Bauturbo“ – stößt grundsätzlich auf Zustimmung. 87 Prozent der Befragten halten beschleunigte Genehmigungsprozesse für zentral. Auch Digitalisierung (45 Prozent) und serielle Bauweisen (40 Prozent) sollen zur Effizienz beitragen.

Kurzfristig erwarten jedoch 61 Prozent keine spürbare Entlastung bereits im Jahr 2026. Verzögerungen in der Verwaltung, externe Kostentreiber und mangelnde Kapazitäten verzögern die Umsetzung.

Im europäischen Vergleich wird der deutsche Markt weiterhin überwiegend positiv gesehen, allerdings differenziert. 44 Prozent der Befragten sehen keine Veränderung in der Attraktivität, 23 Prozent eine Zunahme, 34 Prozent eine Abnahme.

Stärken wie Transparenz und Planbarkeit stehen wachsenden Anforderungen, Kosten und langwierigen Verfahren gegenüber.

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zuletzt editiert am 12. Januar 2026