Ein Bauleiter mit weißem Schutzhelm trägt einen Bauplan unter dem Arm und betrachtet von hinten ein Einfamilienhaus im Rohbauzustand auf einer Baustelle.
Steigende Arbeits- und Materialkosten erhöhen den Druck auf Bauprojekte. Sophie Nieder von Wüest Partner analysiert die aktuelle Baupreisentwicklung. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2026-08-19T06:43:56.499Z Baupreise ziehen wieder stärker an

Arbeitskosten bleiben der größte Kostentreiber. Doch auch Materialien werden wieder teurer – mit Risiken für die Erholung im Wohnungsbau. Von Sophie Nieder

Nachdem sich der Anstieg der Baupreise in den vergangenen beiden Jahren deutlich abgeschwächt hatte, deuten die im Juli 2026 veröffentlichten Baupreisindizes des Statistischen Bundesamtes darauf hin, dass die Baupreise wieder schneller steigen. Für Wohngebäude lagen die Baupreise im Mai 2026 um fünf Prozent über dem Vorjahresniveau, für Bürogebäude um 5,2 Prozent und für gewerbliche Betriebsgebäude um fünf Prozent.

Zwar bleibt der aktuelle Anstieg unter den außergewöhnlich hohen Preissteigerungen der Jahre 2021 bis 2023. Dennoch zeigt sich, dass der Baupreisauftrieb erneut an Dynamik gewinnt. Auch das bereits erreichte Preisniveau bleibt hoch. Entscheidend ist dabei weniger das Ausmaß der Preissteigerungen als ihre Zusammensetzung. Während bislang vor allem steigende Arbeitskosten die Baukosten erhöhten, verteuern sich inzwischen auch die Materialkosten wieder stärker.

Ein horizontales Balkendiagramm, das die Baupreissteigerung nach Gebäudearten darstellt. Es werden jeweils die Werte für Wohngebäude, Bürogebäude und gewerbliche Betriebsgebäude aufgezeigt, unterteilt in das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr (rote Balken) und das mittlere jährliche Wachstum der letzten 5 Jahre (blaue Balken).
Baupreisteuerung nach Gebäudeart in Prozent - Stand: Q2/2026 (Quelle: Destatis/Wüest Partner)

Für den Wohnungsbau, in dem sich erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigen, ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Ob sich neue Projekte wirtschaftlich realisieren lassen, hängt maßgeblich davon ab, ob der Kostendruck tatsächlich nachlässt oder lediglich seine Ursache wechselt. In einer eng verflochtenen Weltwirtschaft bestehen weiterhin Risiken, die die Baupreise in den kommenden Quartalen erneut nach oben treiben könnten.

Materialkosten als neuer Kostentreiber

Die Baukosten werden im Wesentlichen durch zwei Komponenten bestimmt: Arbeits- und Materialkosten. Während die Arbeitskosten infolge des anhaltenden Fachkräftemangels und steigender Tariflöhne seit Jahren kontinuierlich steigen, ziehen inzwischen auch die Materialkosten wieder an. Überdurchschnittlich betroffen sind vor allem arbeitsintensive und technisch komplexe Leistungen, beispielsweise Dämm- und Brandschutzarbeiten sowie Elektro- und Hausinstallationen.

Die aktuellen Zahlen zeigen dies deutlich. Im ersten Quartal 2026 lagen die Baukosten insgesamt 3,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Arbeitskosten stiegen um 4,1 Prozent und bleiben damit der wichtigste Kostentreiber. Gleichzeitig beschleunigte sich der Anstieg der Materialkosten auf 3,0 Prozent.

Ein Liniendiagramm, das die Entwicklung der Baukostenindizes für Wohngebäude von 2016 bis 2026 darstellt, unterteilt in Baukosten insgesamt, Materialkosten und Arbeitskosten.
Baukostenindizes für Wohngebäude (Index Q1/2016 = 100; Art der Baukosten) - Stand Q1/2026 (Quelle: Destatis/Wüest Partner)

Auch die Entwicklung der Energiepreise rückt wieder stärker in den Fokus. Geopolitische Konflikte haben zuletzt zu steigenden Energie- und Kraftstoffkosten geführt. Für die Bauwirtschaft ist das besonders relevant, da viele Baustoffe energieintensiv produziert werden und die Transportkosten unmittelbar auf die Kraftstoffpreise reagieren.

Steigende Energiepreise verteuern nicht nur Kraftstoffe und Heizenergie, sondern sowohl die Produktion energieintensiver Baustoffe als auch Transport und Logistik. Die Auswirkungen zeigen sich oft zeitverzögert in den Baustoffpreisen. Vor diesem Hintergrund spricht einiges dafür, dass der Kostendruck bei den Baumaterialien in den kommenden Quartalen weiter zunehmen könnte.

Auch bei den Lieferketten steigt der Druck. Nach den starken Verwerfungen während der Pandemie haben sich die Lieferketten weitgehend normalisiert. Seit Anfang 2026 steigt der Global Supply Chain Pressure Index (GSCPI) jedoch wieder deutlich an. Im zweiten Quartal 2026 erreichte er laut der Federal Reserve Bank of New York den höchsten Stand seit Mitte 2022.

Ein wirtschaftliches Diagramm, das die Entwicklung der Materialpreisänderung im Vergleich zum Vorjahr und den Global Supply Chain Pressure Index (GSCPI) von 2016 bis 2026 darstellt.
Entwicklung der Materialpreisteuerung und des GSCPI - Stand Materialkosten Q1/2026, GSCPI Q2/2026 (Quelle: Destatis/FED NY/Wüest Partner)

Für den Bausektor ist diese Entwicklung besonders relevant, da zahlreiche Baustoffe und Vorprodukte über internationale Lieferketten bezogen werden. Verschlechterte Beschaffungsbedingungen können zu höheren Transportkosten und steigenden Materialkosten führen.

Wohnungsbau zwischen Erholung und Kostendruck

Für den Wohnungsbau kommt diese Entwicklung zu einem sensiblen Zeitpunkt. Nach dem deutlichen Einbruch erholt sich der Markt langsam. Die Zahl der genehmigten Wohnungen dürfte ihren Tiefpunkt durchschritten haben und steigt wieder leicht an. Dennoch bleibt die Bautätigkeit im historischen Vergleich weiterhin niedrig.

Gerade deshalb kommt es jetzt darauf an, wie sich die Baupreise entwickeln. Sollte sich der energiegetriebene Kostendruck verfestigen, könnte die beginnende Erholung rasch wieder ins Stocken geraten.

Der Wohnungsbau sendet damit zwiespältige Signale. Die Zahl der Baugenehmigungen spricht für eine vorsichtige Erholung. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und angespannte Lieferketten den Kostendruck und sorgen weiterhin für Unsicherheit. Gleichzeitig ist der Ölpreis nach seinem zwischenzeitlichen Anstieg bereits wieder gesunken, da sich die Lage im Nahen Osten zuletzt etwas entspannt hat.

Setzt sich diese Entwicklung fort, dürfte auch der Druck auf die Baupreise nachlassen. Für Marktteilnehmer bleibt es daher wichtig, die weitere Entwicklung der Baukosten genau zu beobachten.

Ein Beitrag von Sophie Nieder, Senior Economic Market Analyst bei Wüest Partner.

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zuletzt editiert am 19. August 2026
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