Im ersten Halbjahr wurden 15,1 Prozent mehr Wohnungen genehmigt. Besonders der Mehrfamilienhausbau legt zu – allerdings von niedrigem Niveau.
Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Insgesamt wurden 126.300 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 15,1 Prozent beziehungsweise 16.600 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.
Es ist der stärkste prozentuale Anstieg in einem ersten Halbjahr seit 2016. Allerdings kommt die Entwicklung von einem niedrigen Ausgangsniveau: In den ersten sechs Monaten 2024 waren lediglich 106.700 Wohnungen genehmigt worden, 2025 waren es 109.800. Die aktuelle Zahl bewegt sich damit trotz des Anstiegs ungefähr auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2011 mit damals 108.600 genehmigten Wohnungen.
Auch im Juni setzte sich die positive Entwicklung fort. Bundesweit wurden 21.600 Wohnungen genehmigt, 13,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Davon entfielen 17.800 Wohnungen auf Neubauten und 3.900 auf Umbaumaßnahmen im Bestand.
Mehrfamilienhäuser mit deutlichem Plus
In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im ersten Halbjahr insgesamt 103.100 Wohnungen genehmigt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um 15,8 Prozent.
Besonders relevant für die Wohnraumversorgung ist die Entwicklung bei Mehrfamilienhäusern. Hier stieg die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen um 16,9 Prozent auf 67.000 Einheiten. Bei Einfamilienhäusern gab es ein Plus von 12,7 Prozent auf 24.000 Wohnungen. In Zweifamilienhäusern erhöhte sich die Zahl um 27,3 Prozent auf 7.700 Wohnungen.
Weitere 20.800 Wohnungen wurden im ersten Halbjahr im Rahmen von Umbaumaßnahmen an bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das waren 9,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
ZIA warnt vor verfrühtem Optimismus
Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) wertet insbesondere die Entwicklung im Mehrfamilienhausbau positiv. Der kontinuierliche Zuwachs bei den Genehmigungen lasse vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr blicken, sofern die Rahmenbedingungen bei Finanzierung und Baukosten stabil blieben.

Von einer Trendwende bei der tatsächlichen Wohnungsproduktion will der Verband jedoch noch nicht sprechen. „Ein dauerhafter Aufschwung ist damit aber noch nicht gesichert: Genehmigungen sind ein Frühindikator, keine Baubeginnanzeige“, betont ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan. „Für eine echte Entspannung am Wohnungsmarkt in Form von Fertigstellungen muss jetzt unter anderem beim Gebäudetyp E schnell Klarheit geschaffen werden.“
Auch die derzeit verstärkt diskutierte Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnungen könne den Neubau nach Einschätzung des Verbands nicht ersetzen. „Umnutzung ist ein wichtiger Baustein, aber sie ersetzt den Neubau nicht. Das grundsätzliche Problem der Wohnungsbaukrise – vor allem in den Metropolregionen – wird damit nicht behoben“, sagt Özkan.
Ähnlich bewertet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie die Halbjahreszahlen. Der Verband verweist ebenfalls auf das weiterhin niedrige absolute Genehmigungsniveau und warnt davor, aus dem prozentual starken Anstieg bereits eine Erholung des Wohnungsbaus abzuleiten.
Als Belastungsfaktoren nennt der Verband weiterhin hohe Zinsen und Baukosten. Zudem verweist er auf fragile Auftragseingänge und die Erwartungen der Wohnungsbauunternehmen. Laut einer vom Verband angeführten Ifo-Konjunkturumfrage rechnet mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen im zweiten Halbjahr mit einer ungünstigeren Entwicklung.
Auch für den ZIA bleibt deshalb der tatsächliche Neubau entscheidend. Der Verband fordert unter anderem Klarheit beim Gebäudetyp E, einen verlässlichen Finanzierungsrahmen und den Abbau regulatorischer Kostentreiber. „Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen will, muss das Bauen wieder vereinfachen – und zwar vom Bauantrag bis zum fertigen Haus“, sagt Özkan.