Ein Mann in einem dunklen Anzug steht mit verschränkten Armen vor einem großen Fenster in einem modernen Gebäude.
Gastautor Derek McNamara ist Vice President des Global Supply Chain Management bei der internationalen Bauberatung Linesight. (Quelle: Linesight)

Projekte 2026-04-22T12:21:22.132Z Baukosten: Iran-Krieg belastet Lieferketten

Geopolitische Spannungen treiben Energiepreise und Frachtraten. Projektplaner müssen bei Stahl, Kupfer und Zement mit hoher Volatilität kalkulieren. Von Derek McNamara

Der Iran-Krieg ist für die Bauwirtschaft kein fernes geopolitisches Ereignis. Er zeigt vielmehr die Verzahnung zwischen politischen Konflikten und die Energieversorgung, die Schifffahrt und den Rohstoffhandel. Für Deutschland zeigt sich, dass die Folgen geopolitischer Krisen je nach Material unterschiedlich ausfallen. Projektplaner sollten die aktuellen Entwicklungen genau im Blick behalten.

Globale Lieferketten unter Druck

Wie stark Konflikte auf Bauprojekte durchschlagen, zeigt sich vor allem in der Logistik. Steigende Fracht- und Versicherungsgebühren wirken sich direkt auf die Kosten vieler Vormaterialien aus, während unsichere Transportwege zugleich das Lieferrisiko erhöhen. Bereits im Februar 2022 waren Spannungen in den globalen Lieferketten zu verzeichnen. Auch der neue Konflikt in Nahost lässt Roh- und Baustoffmärkte 2026 besonders empfindlich reagieren. 

Grafik des Global Supply Chain Stress Index (GSCSSI) mit markierten Ereignissen wie dem Russland-Ukraine-Konflikt und der Iran-Hormuz-Krise.
Entwicklung des Global Supply Chain Stress Index (GSCSI). (Quelle: World Bank)

Für die Bauwirtschaft ist der Konflikt im Persischen Golf vor allem deshalb folgenschwer, weil er sich auf Energiepreise, die Schifffahrt und Rohstoffströme auswirkt. Diese Faktoren bestimmen bei vielen Baustoffen nicht nur das Preisniveau, sondern auch Lieferzeiten, Angebotsfristen und damit die Planbarkeit von Projekten.

Stahl: Kürzere Angebotsbindungen, unsichere Lieferzeiten

Stahl gehört zu den Materialien, die besonders schnell auf geopolitische Spannungen reagieren. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist die Herstellung energieintensiv. Strom, Gas und Kohle sind die zentralen Kostenfaktoren in der Produktion, sodass steigende Energiepreise die Kostenbasis rasch verändern. Zum anderen ist Stahl äußerst transportaufwendig. Die Preise reagieren sensibel auf höhere Frachtkosten, veränderte Schifffahrtsrouten und längere Transitzeiten.

Das führt jedoch nicht automatisch zu Knappheit. Vielmehr ist mit volatilen Preisen zu rechnen, mit kürzeren Angebotsbindungen und unsicheren Lieferzeiten. Gerade in Europa bleibt die Verfügbarkeit von Stahl anfällig, wenn sich die Kosten für Halbfertigprodukte und Seetransporte erhöhen.

Ein Liniendiagramm, das die Preisentwicklung von Rohöl und Stahl in Europa von 2021 bis 2026 vergleicht.
Preisentwicklung von Öl und Stahl, US-Dollar pro Barrel bzw. Tonne. (Quelle: World Bank)

Die Stahlpreise erreichten bereits 2022 einen Höchststand infolge des starken Anstiegs der Rohölpreise. Von Mai 2021 bis Mai 2022 stiegen die Ölpreise um etwa 66 Prozent, während die Stahlpreise um rund 75 Prozent zulegten. Für Deutschland zeigt sich ein differenziertes Bild: Betonstahl lag Ende 2025 rund elf Prozent über dem Niveau von Q1 2021 und damit deutlich unter den Aufschlägen energieintensiver Baustoffe.

Aluminium: Aufschläge steigen parallel zu Weltmarktpreisen

Auch Aluminium reagiert in Konfliktzeiten äußerst sensibel. Die Golfregion spielt in der globalen Produktion von Aluminium eine wichtige Rolle. Sobald Lieferwege oder Exportströme dort unter Druck geraten, schlägt sich das in der Regel in Form von Preisaufschlägen nieder.

Die Golfregion macht rund neun Prozent der weltweiten Primäraluminiumproduktion aus. Ein Großteil davon wird exportiert.  Da die Bestände meist nur für wenige Wochen reichen, können schon logistische Störungen, auch ohne Schäden an den Anlagen selbst, die Produktion unter Druck setzen und das globale Angebot verknappen.

Ein Liniendiagramm, das die Preisentwicklung von Aluminium in nominalen US-Dollar pro Tonne von 2021 bis 2026 darstellt.
Preisentwicklung Aluminium, US-Dollar pro Tonne (Quelle: World Bank)

Europa und die USA sind davon besonders betroffen, weil sie zu den wichtigsten Absatzmärkten für Metall aus der Golfregion gehören. Entsprechend sind dort auch die regionalen Aufschläge parallel zu den Weltmarktpreisen gestiegen.

Kupfer: Schwefel aus Golfregion benötigt

Kupfer hat vor allem in technisch anspruchsvollen Projekten, wie etwa Rechenzentren oder Industrieanlagen, eine hohe Relevanz. Auch für die Stromversorgung, die Gebäudetechnik, für die Ladeinfrastruktur und für zahlreiche elektrotechnische Anwendungsgebiete ist Kupfer von hoher Relevanz.

Der Nahe Osten ist zwar selbst kein großer Kupferproduzent, für den Markt aber dennoch von Bedeutung: Die Region ist ein wichtiger Lieferant von Schwefel, einem Nebenprodukt aus der Öl- und Gasförderung, das für die Herstellung von Schwefelsäure benötigt wird. Diese ist wiederum unverzichtbar für die Verarbeitung von Kupfererz. Weil der aktuelle Konflikt Schwefelexporte über Häfen im Persischen Golf stört und die Logistik belastet, drohen Engpässe bei diesem wichtigen Vorprodukt. Das erhöht den Kostendruck in der Kupferverarbeitung und kann die Produktion von raffiniertem Kupfer verlangsamen.

Ein Liniendiagramm, das die Entwicklung der Kupferpreise in nominalen US-Dollar pro Tonne von 2021 bis 2026 zeigt.
Preisentwicklung Kupfer, US-Dollar pro Tonne (Quelle: World Bank)

Bereits im Jahr 2024 kletterte Kupfer über die Marke von 11.000 US-Dollar pro Tonne. Kupfer lag Ende 2025 rund 35 Prozent über dem Niveau von Q1 2021 und bewegte sich damit deutlich volatiler als klassischer Baustahl, aber deutlich unter dem dauerhaft erhöhten Preisniveau energieintensiver Baustoffe wie Zement oder Beton.

In den letzten Wochen erlebte Kupfer einen erneuten Preisanstieg mit neuen Rekordhochs aufgrund eines knappen Angebots und einer hohen Nachfrage, insbesondere aus dem Bereich der grünen Energie und dem Bau von Rechenzentren.

Zement: Deutlich erhöhtes Preisniveau

Bei Zement liegt das Risiko seltener in den steigenden Kosten, sondern in einer unmittelbaren Verknappung des Baustoffes. Die Herstellung ist energieintensiv und auch der Transport schwerer mineralischer Baustoffe reagiert sensibel auf höhere Treibstoff- und Logistikkosten. Wenn sich die Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen nach oben bewegen, steigt dadurch fast automatisch auch der Kostendruck in der Zement- und Betonproduktion.

Für Projekte heißt das: Nicht der abrupte Lieferausfall ist das wahrscheinlichste Szenario, sondern eine schleichende Belastung der Kalkulation. Preisrevisionen, volatilere Angebote und zunehmende Unsicherheit bei größeren Rohbau- und Betonpaketen sind die typischen Folgen. Gerade bei Projekten mit ohnehin engem Budgetrahmen kann das spürbar werden.

Ein Liniendiagramm zeigt die Veränderung der Zementpreise im Vergleich zu Q1 2021 für verschiedene Länder, darunter Deutschland, USA und Japan.
Veränderung der Zementpreise (Quelle: Global Data)

Das aktuelle Muster spiegelt die Erfahrungen der Jahre 2021 und 2022 wider, als die Zementpreise stark anstiegen, weil sich die globalen Energiemärkte verknappten und die Ölpreise auf über 120 US-Dollar pro Barrel kletterten.

Für Deutschland lässt sich dieser Effekt klar belegen: Zement lag Ende 2025 weiterhin rund 74 Prozent über dem Preisniveau von Q1 2021. Das zeigt, dass energieintensive Baustoffe ihre Ausschläge aus der Energiekrise nicht wieder vollständig abgebaut haben. Damit gehört Deutschland weiterhin zu den Märkten mit einem deutlich erhöhten Zementpreisniveau gegenüber 2021.

Fünf Punkte, auf die es jetzt ankommt

Steigende Energiepreise, volatile Frachtraten und unsichere Lieferketten treffen auf Beschaffungsprozesse, die oft auf Stabilität ausgelegt sind. Umso wichtiger ist es, Risiken nicht erst dann zu adressieren, wenn sie bereits in Angeboten oder Bauzeitenplänen sichtbar werden. Auf diese Aspekte sollten Projektplaner und Bauverantwortliche achten:

  • Lieferantenbasis verbreitern: Gerade bei Stahl und kritischen Aluminiumprofilen sollten Entscheider prüfen, wo sich Abhängigkeiten reduzieren lassen.

  • Logistik realistisch neu planen: Längere Transportzeiten und höhere Ausfallrisiken gehören in aktuelle Termin- und Versandpläne.

  • Frühindikatoren beobachten: Öl-, LNG- und Versicherungsdaten können frühe Hinweise auf neue Preisbewegungen geben.

  • Verträge nachschärfen: Preisgleitklauseln und klare Regelungen zu Zusatzkosten gewinnen an Bedeutung.

  • Mehr Puffer einbauen: Vor allem importabhängige und frachtintensive Lieferungen brauchen realistischere Kosten- und Zeitreserven.

Die aktuelle Herausforderung für deutsche Bauherren und Projektplaner besteht darin, dass die Preisvolatilität bei Kupfer, Aluminium und in gewissem Maße auch bei Stahl vor allem auf internationale Märkte und Lieferketten zurückzuführen ist, die stark mit geopolitischen Faktoren verknüpft sind.

Ein Beitrag von Derek McNamara, Vice President des Global Supply Chain Management bei Linesight.

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zuletzt editiert am 22. April 2026