Noch Anfang 2026 kündigte Peters Development den Aufbau einer bundesweiten Plattform mit mehr als 100 Gewerbehöfen und mehreren tausend Hotelzimmern an. Nun ist die zentrale Developmentgesellschaft der Hamburger Peters Group ein Insolvenzfall. Der schnelle Wechsel von Expansion zu Insolvenz wirft Fragen nach der Finanzierung des Wachstums auf. Wie weit die Probleme in die Unternehmensgruppe hineinreichen, ist dagegen noch offen.
Beim Amtsgericht Hamburg läuft ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Peters Development GmbH. Am 4. August 2026 wurden Sicherungsmaßnahmen veröffentlicht. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Nach dem derzeit öffentlich erkennbaren Stand ist nicht pauschal die gesamte Peters Group insolvent, sondern die Peters Development GmbH. Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um eine unbedeutende Projektgesellschaft. Peters Development ist die Entwicklungs- und Projektsteuerungseinheit der Gruppe und vertritt die Peters Group auch in deren Impressum. Geschäftsführer ist Jakob Peters, der zugleich als CEO der Peters Group auftritt.
Rasantes Wachstum vor der Insolvenz
Bemerkenswert ist vor allem das Tempo, mit dem Peters Development zuletzt expandierte. Die Peters Group beschreibt sich als inhabergeführtes Investmenthaus mit mehr als 25 Jahren Immobilienerfahrung. Nach eigenen Angaben betreute die Gruppe zuletzt mehr als 30 Projekte in Umsetzung und nannte ein Brutto Projektvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt seien in der Unternehmenshistorie mehr als 100 Projekte mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro begleitet worden. Der jüngste Wachstumsschub konzentrierte sich insbesondere auf die Hanse Gewerbehöfe und die Hotelmarke YORS Hotels.
Bei den Hanse Gewerbehöfen wollte Peters Development eine bundesweite Plattform kleinteiliger Gewerbeparks aufbauen. Das Konzept richtet sich mit Flächen ab rund 200 Quadratmetern vor allem an Handwerker, Dienstleister und mittelständische Unternehmen. Ende Februar 2026 zog Peters Development eine ambitionierte Zwischenbilanz: Allein 2025 seien 25 Projekte mit einem Verkaufsvolumen im dreistelligen Millionenbereich gesichert worden. Die Pipeline umfasse mehr als 100 Standorte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Gleichzeitig wurde das Akquisitionsteam ausgebaut. CEO Jakob Peters kündigte an, in den kommenden Jahren mehr als 100 Hanse Gewerbehöfe zu realisieren. Parallel sollte gemeinsam mit YORS Hotels ein deutschlandweites Hospitality Portfolio mit mehreren tausend Zimmern entstehen.
Knapp sechs Monate später folgte das Insolvenzverfahren. Dieser zeitliche Verlauf ist zumindest auffällig. Noch Anfang des Jahres kommunizierte das Unternehmen Personalaufbau, bundesweite Expansion und eine wachsende Projektpipeline. Wenige Monate später musste die zentrale Developmentgesellschaft Insolvenz anmelden. Eine öffentlich belastbare Erklärung zu den Ursachen, zur Höhe der Verbindlichkeiten oder zu möglicherweise gescheiterten Finanzierungen liegt bislang allerdings nicht vor.
Viel Pipeline, hoher Kapitalbedarf
Die von Peters kommunizierten Größenordnungen müssen dabei sorgfältig eingeordnet werden. Ein Brutto Projektvolumen von 1,5 Milliarden Euro bedeutet nicht, dass Immobilien dieses Wertes bereits fertiggestellt wurden oder vollständig der Gruppe gehören. Ebenso sind mehr als 100 Standorte in einer Pipeline nicht gleichbedeutend mit 100 angekauften und finanzierten Projekten. Auch die Aussage, 25 Gewerbehofprojekte seien „gesichert“, lässt offen, wie weit Grundstücksankauf, Finanzierung, Genehmigung und Entwicklung jeweils fortgeschritten waren.
Genau diese Phase kann für schnell wachsende Entwickler finanziell anspruchsvoll werden. Grundstücke werden gekauft oder gesichert, Planungen finanziert, Genehmigungen vorbereitet und neue Mitarbeiter eingestellt. Einnahmen aus Projektverkäufen entstehen dagegen häufig deutlich später. Je schneller eine Developmentplattform wächst, desto größer kann deshalb der Kapitalbedarf werden, bevor Verkäufe und laufende Projekte ausreichend Liquidität erzeugen. In einem Markt mit hohen Finanzierungskosten, vorsichtigen Banken und zurückhaltenden institutionellen Käufern verschärft sich dieses Risiko. Ob diese Mechanik konkret zur Insolvenz von Peters Development geführt hat, lässt sich derzeit nicht belegen. Die zeitliche Nähe zwischen dem massiven Ausbau der Pipeline und der Insolvenz macht die Finanzierung der Expansion aber zu einer der zentralen Fragen des Verfahrens.
Komplexe Struktur hinter der Gruppe
Hinzu kommt eine verzweigte Gesellschaftsstruktur. Rund um die Hanse Gewerbehöfe wurden seit 2025 zahlreiche eigenständige Gesellschaften gegründet, darunter mehrere HG Grundbesitzgesellschaften. Als Geschäftsführer treten regelmäßig Jakob Peters und Michael Aleksandrov auf. Unternehmenszweck ist unter anderem das Halten, Projektieren, Bebauen, Vermieten und Veräußern von Immobilien. Daneben existiert die MPM Holding GmbH, die ebenfalls von Peters und Aleksandrov geführt wird und im Impressum der Hanse Gewerbehöfe als verantwortliche Gesellschaft genannt wird.
Für die weitere Entwicklung ist diese Struktur entscheidend. Welche Grundstücke und Projekte tatsächlich in der insolventen Peters Development GmbH liegen und welche in eigenständigen Objektgesellschaften gehalten werden, lässt sich aus der Außendarstellung der Gruppe bislang nicht vollständig nachvollziehen. Die Insolvenz der Developmentgesellschaft bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sämtliche Projekte oder Gesellschaften ebenfalls insolvent sind. Umgekehrt können interne Finanzierungen, Garantien, Projektsteuerungsverträge oder andere wirtschaftliche Verflechtungen dazu führen, dass Schwierigkeiten der zentralen Developmentgesellschaft auf weitere Unternehmen ausstrahlen. Genau diese Verbindungen dürften nun auch für Gläubiger und Projektpartner von Interesse sein.
Auch historisch muss differenziert werden. Die Peters Group verweist auf mehr als 25 Jahre Immobilienerfahrung, die unter anderem auf das 1997 von Christian und Henning Peters gegründete Unternehmen Peters + Peters Wohn und Anlageimmobilien zurückgeht. Die jetzt insolvente Peters Development GmbH ist dagegen wesentlich jünger. Sie wurde erst 2022 gegründet, Jakob Peters übernahm 2024 die Geschäftsführung. Unter der gemeinsamen Marke Peters Group treffen damit eine langjährige Immobilienhistorie und eine deutlich jüngere, zuletzt sehr offensiv expandierende Developmentplattform aufeinander.
Jetzt entscheidet die Finanzierung der Projekte
Besonders interessant wird die weitere Entwicklung der Hanse Gewerbehöfe. Peters Development präsentierte das Konzept noch Anfang 2026 gegenüber institutionellen Investoren als potenziell resilienten Portfoliobaustein mit kleinteiligen Flächen, breiter Mietermischung und stabilen Cashflows. Die Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig, dass dieses Immobilienkonzept wirtschaftlich nicht funktioniert. Sie zeigt aber einen wesentlichen Unterschied: Ein möglicherweise resilientes Immobilienprodukt macht noch keine resiliente Projektentwicklungsplattform. Standardisierung und Skalierung können Kosten senken, doch der Aufbau einer bundesweiten Pipeline benötigt zunächst Kapital, Personal und erhebliche Vorleistungen.
Für die Bewertung des Falls fehlen deshalb noch entscheidende Informationen. Offen sind insbesondere der konkrete Insolvenzgrund, die Höhe der Forderungen, die Zahl der betroffenen Mitarbeiter und der tatsächliche Entwicklungsstand der angekündigten Projekte. Vor allem bei den 25 für 2025 als gesichert gemeldeten Hanse Gewerbehöfen wird sich zeigen müssen, welche Grundstücke bereits erworben wurden, wie die einzelnen Projekte finanziert sind und welche davon unabhängig von Peters Development weitergeführt werden können.
Fest steht bislang vor allem eines: Die Insolvenz trifft ausgerechnet jene Gesellschaft, die im Zentrum der zuletzt offensiv kommunizierten Wachstumsstrategie der Peters Group stand. Noch im Februar wollte Peters Development die Grundlage für eine bundesweite Plattform mit mehr als 100 Gewerbehöfen und mehreren tausend Hotelzimmern schaffen. Nun wird das Insolvenzverfahren zeigen müssen, wie viel von dieser Pipeline tatsächlich wirtschaftlich tragfähig ist und wie belastbar die Finanzierung hinter dem rasanten Wachstum war.
