Das Pilotprojekt in einem Ostsee-Hotel zeigt die Potenziale einer intelligenten Heizungssteuerung. Von Oliver Schönfeld
Wenn Menschen im Urlaub sind, verhalten sie sich oft anders als in den eigenen vier Wänden. Das Licht bleibt an, das Wasser läuft länger – und die Heizung arbeitet auf Hochtouren, während das Fenster weit geöffnet ist, um dem Meeresrauschen zu lauschen. Selbst beim Verlassen des Zimmers bleiben die Fenster offen und die Heizung aufgedreht. Schließlich soll es nach der Rückkehr vom Strandspaziergang behaglich warm sein. Für Hotelbetreiber ist dieses Verhalten ärgerlich: Es treibt nicht nur die Betriebskosten in die Höhe, sondern verschlechtert zugleich die eigene Ökobilanz und den CO2-Fußabdruck.
Daten statt Bauchgefühl
Caty Ost weiß um diese Herausforderung. Sie führt das „feels Beach Club Hotel“ in Kühlungsborn an der Ostsee. Ihr Haus ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Unternehmerpreis Mecklenburg-Vorpommern in der Kategorie Nachhaltigkeit. „Wir sind stolz auf die nochmals verbesserte Rezertifizierung im Jahr 2025 als Greensign Hotel“, berichtet die Geschäftsführerin. Gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie permanent daran, den CO2-Fußabdruck und somit auch die Produktkreisläufe zu optimieren.
Die Wärmeversorgung des Hauses nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Die Energiekosten für die Heizung bilden einen Löwenanteil der laufenden Ausgaben. Rund 69.000 Kilowattstunden Gas verbraucht das Hotel jährlich, davon entfallen etwa 80 Prozent auf die Beheizung der Zimmer. Nicht jeder Gast, räumt Caty Ost ein, verhält sich bei der Benutzung der Heizung so verbrauchsbewusst, wie sie es sich wünschen würde.
„Als Unternehmen brauchen wir dazu Daten, allein das Bauchgefühl reicht nicht aus“, sagt die Geschäftsführerin. Auf der Suche nach einer Heizungssteuerung, die mehr Transparenz schafft und automatisch zu Einsparungen führt, holte sich das Hotel Unterstützung durch 7m.concepts ins Haus. Gefragt war eine intelligente Heizungssteuerung, die sich im laufenden Betrieb nachrüsten und integrieren lässt, ohne Wände aufzureißen, und die für mehr Kontrolle sorgt.
Die Lösung: Fenster auf, Heizung aus
Die Wahl fiel auf das System „7m.cleverHeizen“. Der Ansatz dabei ist höchst pragmatisch und effektiv. „Fenster auf, Heizung aus. Das versteht jeder“, erklärt Markus Kluck, Geschäftsführer 7m.concepts, das Prinzip. Technisch umgesetzt wird dies durch intelligente Thermostate an den Heizkörpern und Sensoren an den Fenstern. Sobald ein Gast das Fenster öffnet, erkennen die Sensoren dies und drosseln selbstständig die Wärmezufuhr. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden alle Zimmer des Hotels umgerüstet. Da die Komponenten per Funk kommunizieren, mussten keine Kabel verlegt werden – ein entscheidender Vorteil für Bestandsimmobilien.
Zudem wurden die Komponenten vorab eingelernt, programmiert und beschriftet, um den Hotelbetrieb bei der Inbetriebnahme nicht zu stören. Das System ist jederzeit erweiterbar, und kann bei Bedarf mit einer vorhandenen Gebäudeautomation gekoppelt werden. Lösungen hierzu liefert 7m.concepts als erfahrener Systempartner.

Zentrale Steuerung per Tablet
Das Herzstück der Anlage bildet eine zentrale, auf den Hotelbetrieb zugeschnittene Visualisierung auf einem Tablet, das an der Rezeption verwendet wird. So hat das Personal auf einen Blick den Status jedes Zimmers im Blick: Ist eines der Fenster geöffnet? Wie hoch ist die Temperatur? Ist die Heizung aktiv? Das proaktive Energiemanagement bietet zahlreiche zeit- und kostensparende Vorteile für den täglichen Hotelbetrieb. Beispiel: Wenn ein Gast anreist, kann die Rezeption die Heizung im entsprechenden Zimmer bereits vorab zur passenden Uhrzeit aktivieren. Reist der Gast wieder ab, wird die Temperatur zentral abgesenkt.
Das Housekeeping muss nicht mehr jeden Heizkörper manuell kontrollieren. „Diese Kontrollmöglichkeit bietet uns einen erheblichen Nutzen“, erklärt Caty Ost. Auch bei Gäste-Nachfragen zu vermeintlich kalten Zimmern hilft die Technik. „Wir können dann sehen: Der Gast hatte die ganze Nacht das Fenster auf. Das gibt uns Argumente an die Hand.“
Funkstandard für die Gebäudetechnik
Technologisch basiert die Lösung auf dem EnOcean-Standard. Dabei handelt es sich um eine etablierte Funktechnologie für die Gebäudeautomation und insbesondere deren Komponenten. Der große Vorteil von EnOcean liegt in der Energieeffizienz. Viele Sensoren in diesem Ökosystem arbeiten batterielos und gewinnen ihre Energie aus der Umgebung (Energy Harvesting). Dies macht die Technologie besonders wartungsarm und nachhaltig.
Da es sich um einen offenen Standard handelt, lassen sich Produkte verschiedener Hersteller flexibel miteinander kombinieren, was die Investition zukunftssicher macht. „Das Projekt im feels Beach Club Hotel zeigt deutlich die Vorteile der kabellosen Nachrüstung auf und kann als Blaupause dienen für viele weitere touristische Einrichtungen, die sich mit unnötig hohen Heizenergieverbräuchen konfrontiert sehen“, sagt Markus Kluck.

Einsparungspotenzial und Amortisation
Die Ergebnisse des Projekts lassen aufhorchen. Durch die gezielte Modernisierung und die Vermeidung unnötiger Heizphasen rechnen die Verantwortlichen mit einer Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent. Bei den aktuellen Gaspreisen amortisiert sich die Investition somit innerhalb weniger Heizperioden.
Für das Hotel in Kühlungsborn geht es aber nicht nur um den Euro, sondern auch um den ökologischen Fußabdruck. Aktuell liegt dieser bei 11,9 Gramm CO2-Äquivalente pro Zimmer und Nacht. Durch den geringeren Gasverbrauch soll dieser Wert weiter sinken.
Sicherheit als Nebeneffekt
Neben der hohen Energieeffizienz bietet das System einen Zusatznutzen im Bereich Sicherheit. An der Ostseeküste sind offene Dachfenster bei aufziehenden Stürmen ein Risiko. Ein Blick auf das Tablet genügt nun, um zu sehen, wo noch „Luken“ geschlossen werden müssen. Auch der Einbruchschutz verbessert sich, da offene Fenster im Erdgeschoss sofort bemerkt werden. Das wiederum könnte sich positiv auf die Versicherungspolice auswirken.
Die nächsten Schritte im Kühlungsborner Hotel sind bereits geplant. So soll die Heizungssteuerung zukünftig direkt mit dem Buchungssystem verknüpft werden. Damit weiß die Heizung automatisch, wann ein Gast voraussichtlich eincheckt, und bereitet das Zimmer entsprechend vor – ganz ohne manuelle Eingriffe der Rezeption.
Oliver Schönfeld ist freier Journalist.