Steigende Energiekosten und Klimaziele verändern die Immobilienlandschaft. Ein Beispiel aus Magdeburg zeigt, wie intelligente Systeme reagieren helfen. Von Jakob Braeuninger
Der Immobiliensektor steht vor grundlegenden Veränderungen. Regulatorische Vorgaben, ambitionierte Klimaziele und volatile Energiepreise führen dazu, dass der effiziente und flexible Gebäudebetrieb zunehmend zum strategischen Wettbewerbsfaktor wird.
Digitale Energiemanagementsysteme (EMS) bieten einen Ansatz, um den Energieeinsatz in Gebäuden systematisch zu analysieren und zu optimieren. In Echtzeit erfasste technische Betriebsdaten machen Energieflüsse sichtbar und ermöglichen es, Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen. Bereits kleinere Anpassungen bei Betriebsparametern können den Energieverbrauch senken und Betriebskosten reduzieren. Die gesammelten Daten bilden zugleich die Grundlage für langfristige Effizienzstrategien – sowohl im Hinblick auf Kosten als auch auf CO₂-Emissionen.
Energiemanagement als strategisches Instrument
EMS ermöglichen eine herstellerunabhängige Überwachung und Steuerung technischer Gebäudeausrüstung – etwa von Heizungs-, Strom- oder Lüftungssystemen. Grundlage ist die Kombination aus Sensorik zur Datenerfassung und softwaregestützter Analyse in Echtzeit.
Zentrale Funktionen solcher Systeme sind etwa Dashboards zur Visualisierung von Verbrauchsdaten, automatisierte Verbrauchsregelung sowie Werkzeuge zur Effizienzbewertung technischer Komponenten. Ergänzend lassen sich Maßnahmen zur Betriebsoptimierung ableiten – beispielsweise durch verbesserten hydraulischen Abgleich oder die Integration in bestehende Wartungs- und Modernisierungsprozesse.
Neben der Betriebsoptimierung kann die Analyse technischer Daten auch Hinweise auf Störungen oder Überdimensionierungen geben. So lassen sich etwa nicht erkannte Ineffizienzen in Heizkreisläufen gezielt identifizieren und beheben.
Best Practice: Campus Tower Magdeburg
Wie sich digitales Energiemanagement in der Praxis auswirkt, zeigt der Campus Tower in Magdeburg. Das 60 Meter hohe Büro- und Verwaltungsgebäude nutzt ein entsprechendes System, um Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungsanlagen miteinander zu vernetzen.
Kombiniert werden dabei eine automatisierte Raumsteuerung und ein digitales Heizkörpermanagement. Der Wärmebedarf wird dynamisch angepasst – etwa durch Reduzierung in der Nacht oder Abschaltung bei geöffnetem Fenster. So lässt sich der Energieverbrauch an die tatsächliche Nutzung anpassen.
Die kontinuierliche Datenerfassung und Visualisierung schafft Transparenz für Betreiber und ermöglicht eine gezielte Wartung. Auch der hydraulische Abgleich über vernetzte Thermostate trägt zu einer gleichmäßigen Wärmeverteilung bei – mit positiven Effekten für Energieeffizienz und Nutzerkomfort.
Vom Verbrauch zur Strategie
Am Beispiel des Campus Towers wird deutlich, wie sich bestehende Systeme zu einer intelligenten, reaktionsfähigen Infrastruktur weiterentwickeln lassen. Durch die Verknüpfung von Analyse, Steuerung und Wartung wird der Energieeinsatz zum gestaltbaren Faktor im Gebäudebetrieb.
Die Erfahrungen zeigen Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent bei der Heizenergie – ein Wert, der angesichts steigender Kosten und klimapolitischer Anforderungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ein Beitrag von Jakob Braeuninger, Geschäftsführer Elevion Energy Solutions.
