Während die technologische Bedeutung von Rechenzentren unbestritten ist, bleibt ein entscheidender Aspekt oft unbeachtet: die Nutzung ihrer Abwärme. Von Stephan Gubi
Rechenzentren ermöglichen nicht nur unseren vernetzten Alltag, sondern können auch als nachhaltige Wärmequelle fungieren. Ein durchschnittliches Rechenzentrum benötigt eine elektrische Leistung von 50 bis 75 Megawatt, wobei fast ein Drittel dieser Energie als Abwärme zurückbleibt. Mit dieser Menge könnte theoretisch eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern beheizt werden – das Potenzial ist also enorm.
Damit sind diese Immobilien mehr als nur Datenknotenpunkte, sie sind Energiequellen. Durch die Integration der Abwärmenutzung in Fernwärmesystemen können Rechenzentren einen erheblichen Mehrwert für städtische Gemeinschaften bieten. Derzeit werden jedoch nur etwa 28 Prozent der Abwärme von Colocation-Rechenzentren genutzt.
Abwärmenutzung: Hürden erkennen, Potenziale heben
Obwohl das Potenzial der Abwärmenutzung groß ist, gibt es Herausforderungen, insbesondere in den Sommermonaten. Die Umwandlung von Abwärme zu Kälte ist technologisch anspruchsvoll und kostspielig, sodass es sich bei der Realisierung eher um Greenwashing als um Nachhaltigkeit handeln würde. Daher wird Abwärme im Sommer derzeit meist über die Abluft direkt an die Atmosphäre abgegeben.
Aber auch in den Wintermonaten ist die Abwärmenutzung nicht trivial. Der technologische Fortschritt könnte jedoch bald effizientere Möglichkeiten bieten, diese Energie sowohl in den kalten als auch in den wärmeren Monaten sinnvoll zu nutzen. Die Herausforderung liegt insbesondere darin, konstante Temperaturen und Mengen bereitzustellen, sie an die Zielinfrastruktur anzupassen und erhebliche Wärmeverluste zu vermeiden. Hierfür ist die Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern essenziell. Aktuell liegt der Fokus stark auf den Betreibern. Um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, müssen aber auch Kommunen und Versorger partnerschaftlich mit Betreibern kooperieren, wie schon einige Beispiele zeigen.
Wichtig ist auch, klare Gesetze zu schaffen, die die Nutzung, den Verkauf und die Abgabe von Abwärme regeln. 2023 hat die Bundesregierung das Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren (EnEfG) verabschiedet. Dieses legt fest, dass Betreiber einen Anteil wiederverwendbarer Energie vorweisen und Abnehmer von Abwärme bekannt machen müssen. Dennoch bleiben einige Grundlagen unklar. Ohne klare Regeln können Betreiber Abwärme kaum abgeben – selbst bei vorhandenem Bedarf. Auch technische Hemmnisse, wie die Notwendigkeit von Wärmepumpen zur Temperaturanhebung, spielen eine Rolle.
Trotz aller Hürden bieten Rechenzentren erhebliche digitale und nachhaltige Vorteile: Dieses Potenzial ungenutzt zu lassen, wäre eine verpasste Gelegenheit und zugleich ein Rückschritt in den Bemühungen um eine nachhaltigere und effizientere Zukunft.
