Porträtbild Johanna Fuchs-Boenisch
Johanna Fuchs-Boenisch (Quelle: susteco solutions GmbH)

Unternehmen & Köpfe 2024-08-23T09:50:51.557Z Proptech: Erfolg durch Transparenz und Partnerschaften

Der Weg aus dem Proptech-Dschungel führt über Kollaboration und Transparenz, wie Johanna Fuchs-Boenisch, CEO bei Susteco Solutions, in ihrem Gastbeitrag aufzeigt.

Spätestens seit der Zinswende und dem allgemeinen Marktumschwung ab 2022 ist die Zeit der mühelosen Gewinne im Immobiliensegment vorbei. Proaktives und werteorientiertes Asset- und Portfolio-Management sind inzwischen wieder maßgeblich für den Erfolg eines Immobilieninvestments verantwortlich. Darüber hinaus wird ein umfassendes ESG-Reporting oft zur Pflicht. Dies gilt auch für die jeweiligen Nutzer der Immobilien, die zum Beispiel im Rahmen der CSRD-Richtlinie die Nachhaltigkeit ihrer Wertschöpfungsketten sowie der von ihnen genutzten Produktions- und Büroflächen nachweisen müssen.

Für die Immobilienwirtschaft, die diese Daten bereitstellen muss, ist das jedoch mehr als nur eine reine Verpflichtung, sondern auch ein potenzieller Werthebel. Schließlich lässt sich anhand der generierten Datenbasis der eigene Gebäudebestand verbessern, ökologisch optimieren und so ein effizienter Betrieb ermöglichen. Damit kommen Eigentümer auf ihrem eigenen „Weg nach Paris“ einen Schritt weiter – und können auch den Mietern zusätzlich Mehrwerte bieten, was sich zum Beispiel in einer höheren Standorttreue niederschlagen kann.

Viele Proptechs – viele Lösungsansätze

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass es immer mehr Proptechs gibt, die sich dem Thema Energieeffizienz aus den unterschiedlichsten Richtungen nähern. Der aktuelle Proptech-Report von Blackprint zeigt, dass im Jahr 2024 1.090 aktive Proptechs in Deutschland agieren. Damit ist die Anzahl nicht nur um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl der Proptechs mehr als verdoppelt.

Alleine im ersten Halbjahr 2024 wurden für diese annähernd 1,8 Milliarden Euro Finanzmittel bereitgestellt, womit der gesamte Jahreswert von 2023 bereits zur Mitte des laufenden Jahres überschritten wurde. Dieser Proptech-Boom, der sich in bemerkenswerter Weise trotz der allgemeinen immobilienwirtschaftlichen Schwächephase abspielt, birgt jedoch eigene Herausforderungen. Schließlich bestehen 55 Prozent der deutschen Proptechs aus kleinen Teams mit bis zu zehn Beschäftigten. Das muss indes nichts über die Marktreife der jeweiligen Lösung aussagen. Dennoch befinden wir uns – trotz des Wachstums – weiter in einer Phase der Marktbereinigung, und es geraten immer wieder einige schwächere Proptechs in Schieflage.

Die Immobilienbranche sieht sich bei der Auswahl einer geeigneten Proptech-Lösung also einem Überangebot gegenüber. Der Markt ist fragmentiert und die Auswahl des richtigen Partners kann den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg in der Umsetzung von ESG-Kriterien und der Optimierung von Immobilienportfolios ausmachen.

Expertise auf beiden Seiten aufbauen

Für die Wahl des passenden strategischen Partners gibt es – leider – keinen Königsweg. Für die Immobilienbranche ab einer gewissen Größe ist es auf jeden Fall erforderlich, eine eigene IT- und Digitalisierungskompetenz aufzubauen. Manchmal geht das jedoch in die falsche Richtung, indem eigene, oftmals verbesserungsfähige Teillösungen entwickelt werden.

Stattdessen ist es oftmals besser, wenn die eigenen Digitalisierungsexperten aktiv in den Findungsprozess eines geeigneten Proptechs eingebunden werden und dann als Schnittstelle fungieren. Zudem fällt es in ihren Aufgabenbereich, die Kolleginnen und Kollegen bei der Einführung der jeweiligen Software zu unterstützen und die neue Anwendung sinnvoll ins eigene digitale Ökosystem zu integrieren. Gerade bei größeren Unternehmen ist dies oft mit einer deutlichen Umstellung und Change-Management verbunden. Umgekehrt profitieren die Softwareentwickler vom Marktnetzwerk und immobilienwirtschaftlichen Fachwissen der etablierten Unternehmen.

Flexibilität, Transparenz und Kollaboration machen den Unterschied

Vor allem kommt es dabei auf die Flexibilität von beiden Seiten an. Zum einen ändern sich die relevanten regulatorischen Bedingungen ständig. Selbst hoch professionalisierte Immobilieneigentümer wissen nicht, wie die Nachhaltigkeitsanforderungen in fünf Jahren genau aussehen werden und welche Daten dafür erhoben werden müssen. Proptechs wiederum müssen skalierbare und flexible Lösungen anbieten, die einen handfesten immobilienwirtschaftlichen Nutzen bringen. Der Schlüssel zu alldem liegt in der Verfügbarkeit und Transparenz der Daten. Ein vollumfänglicher Überblick über die Immobilie ist daher entscheidend. Dies beginnt mit der sauberen, digitalen Erfassung der relevanten Daten bis hin zur leichten Nutzung und Auswertung der Daten für alle beteiligten Stakeholder. Damit verbunden ist auch ein „Aufbrechen“ der Datensilos.

Innovative Cloud-Plattformen für ESG-Daten und Auswertungen können dabei Abhilfe schaffen. Diese Plattformen bieten umfassende Lösungen für das Management von Immobilienportfolios. Sie integrieren verschiedenste Anbieter und damit unterschiedlichste Funktionen, wodurch Synergien genutzt und Daten von Immobilienportfolios umfassend erfasst und ausgewertet werden können. Das ermöglicht, auf Basis dieser Daten gezielte Maßnahmen ergreifen und den Gebäudebestand kontinuierlich optimieren zu können. Der Trend geht also zu Kollaboration und Kooperation, während lokal auf einem Server gespeicherte Daten nach und nach zum Auslaufmodell werden.

Wenn das flächendeckend umgesetzt wird und die Verpflichtung zum ESG-Reporting als Chance statt als lästige Pflichtaufgabe betrachtet wird, sind wir ein ganzes Stück weiter. Unternehmen sollten deshalb ihre Ressourcen in Aufgaben investieren, die echten Mehrwert schaffen, statt in manuelle Prozesse, die digital effizienter gelöst werden könnten. Somit kann eine strategische Nutzung von Digitalisierung und Zusammenarbeit im Proptech-Markt langfristig die Effizienz steigern und obendrein auch die Marktposition und die Attraktivität für Investoren verbessern.

Damit verbunden ist noch ein wichtigerer Aspekt: ein digitaler Kulturwandel. Daten sollten nicht mehr als Ressource angesehen werden, die als eine Form von Herrschaftswissen „gehortet“ werden müssen. Im Gegenteil: Je mehr wertvolle Daten und Use Cases durch eine funktionierende Kooperation zwischen Proptech und etabliertem Immobilienunternehmen generiert werden, desto größer ist der potenzielle Nutzen für die ganze Branche.

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zuletzt editiert am 23. August 2024
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